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Robert Shiller

Kassandra der Märkte

  • VonMario Müller
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Früh warnt der US-Wirtschaftsprofessor vor dem Börsencrash 2000 und der Immobilienblase, der die Finanzkrise folgt. Aber seine Kassandra-Rufe stoßen auf taube Ohren. Von Mario Müller

Eigentlich müsste Robert Shiller frustriert sein. Frühzeitig hatte der an der renommierten US-Universität Yale arbeitende Wirtschaftsprofessor sowohl vor dem Börsencrash 2000 als auch der gigantischen Immobilienblase gewarnt, beide Male aber waren seine Kassandra-Rufe auf taube Ohren gestoßen.

Doch Shiller bleibt gelassen. Er habe die Krisen nicht vorhergesehen, sondern lediglich gesagt, dass sie möglich seien, sagte er kürzlich bescheiden. Heute erhält Shiller in Frankfurt den mit 50000 Euro dotierten Deutsche Bank Preis für Finanzökonomie.

Wäre es nicht gegen sein Naturell, hätte der Yale-Ökonom allen Grund zu triumphieren. Schließlich bestätigen die Ereignisse eindrucksvoll seine in langjähriger Forschung gewonnenen Erkenntnisse: An den Finanzmärkten geht es immer wieder drunter und drüber.

Ihre Akteure handeln keineswegs vollkommen rational, vielmehr entscheiden sie, weil sie die Zukunft nicht kennen, unter Unsicherheit und werden dabei stark von Instinkten - den "animal spirits" - geleitet. Daraus entwickeln sich jedoch Blasen oder aber auch Kurseinbrüche.

Zu dieser Einsicht war der englische Ökonom John Maynard Keynes bereits vor mehr als 70 Jahren gelangt. Doch in der modernen Wirtschaftstheorie war für die "animal spirits" kein Platz. Um ihr Dogma von effizienten, perfekt funktionierenden Märkten zu retten, unterstellt sie perfekt kalkulierende und allwissende Teilnehmer. Und wurde zur Grundlage neoliberaler Ideologie, die Staatseingriffe als Störung der natürlichen Ordnung geißelt.

Indem er zeigte, dass Aktienkurse viel stärker schwanken, als es die fundamentalen Daten rechtfertigen, konnte Shiller nicht nur die Hypothese effizienter Finanzmärkte widerlegen. Er stellt gleich das gesamte Weltbild seiner Zunft in Frage. Das grundlegende Problem bestehe darin, dass eine Generation von Mainstream-Ökonomen eine "Theorie akzeptiert, die im Kern fehlerhaft ist", schreibt Shiller.

Die Forschung müsse neu ausgerichtet werden, indem sie auf Wissenschaftler anderer Fachgebiete, etwa Psychologen oder Soziologen, höre. In seinem Fall ist das kein Kunststück: Shillers Frau lehrt Psychologie.

Der 63 Jahre alte Autor zahlreicher Bücher, darunter das zusammen mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof verfasste "Animal spirits", ist allerdings kein Revolutionär. Er will den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern im Sinne von Keynes humaner gestalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, hält er die Entwicklung von neuen Finanzinstrumenten für erforderlich, die Bürger und Staaten vor allfälligen Risiken wie etwa ungleicher Einkommensentwicklung absichern helfen.

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