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Bei Karstadt ist ein schwieriger Job zu vergeben.

Karstadt

Karstadt will sechs Häuser schließen

Bei zwei klassischen Kaufhäusern in Hamburg-Billstedt und Stuttgart gehen die Lichter aus. Auch zwei "K-Town"-Filialen und zwei Schnäppchenmärkte werden geschlossen. Aufsichtsratschef Fanderl wird neuer Chef der Warenhauskette.

Aufräumen bei Karstadt: Sechs Häuser des Krisenkonzerns sollen noch 2015 geschlossen werden. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt kündigte der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl am Donnerstag erste Schließungen an. Betroffen sind zwei klassische Warenhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart, die bis Mitte nächsten Jahres ihre Tore schließen sollen, die Filialen der auf junge Mode spezialisierten Kette "K-Town" in Köln und Göttingen sowie die Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt/Oder.

Fanderl betonte: "Die Sanierung wird uns viel abverlangen. Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen wie auch Filialschließungen wird es nicht gehen, um das Überleben des Gesamtunternehmens zu sichern." Man habe aber auch in kürzester Zeit ein Zukunftskonzept erarbeitet, mit dem das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet werden könne. Bereits im nächsten Jahr sollten einzelne neue Warenhaus-Konzepte an den Start gehen.

Der Karstadt-Aufsichtsrat berief den 51-jährigen Manager am Donnerstag zum neuen Konzernchef und füllte damit nach drei Monaten die durch den überraschenden Abgang von Eva-Lotta Sjöstedt hinterlassene Lücke. Fanderl war bisher Aufsichtsratsvorsitzender der Warenhauskette. Seinen Posten übernahm Wolfram Keil, der als Vertrauter des Karstadt-Eigentümers René Benko gilt und auch Geschäftsführer der für das Handelsgeschäft zuständigen Benko-Firma Signa Retail GmbH ist.

Keil kündigte einen "tiefgreifenden und umfassenden Wandel" des Unternehmens an. Sanierung und Zukunftskonzept bedingten sich gegenseitig. "Wir stehen erst am Anfang eines langen Prozesses", sagte er.

Der Karstadt-Gesamtbetriebsratchef Hellmut Patzelt sprach von einem "dunklen Tag für die Beschäftigten". An den sechs betroffenen Standorten hätten damit heute bis zu 240 Mitarbeiter die Mitteilung bekommen, dass sie ihre Job verlieren. Zusätzlich sei der Abbau von rund 2000 Stellen in den übrigen Warenhäusern und der Zentrale geplant. Karstadt hat derzeit noch insgesamt 17 000 Beschäftigte. Die Verdi-Vertreterin im Aufsichtsrat, Stefanie Nutzenberger, kritisierte, das Konzept der Karstadt-Führung wolle lediglich Kosten reduzieren, nicht Umsätze steigern.

Karstadt-Eigentümer Benko signalisierte unterdessen einem Medienbericht zufolge erneut Interesse an einer Übernahme der Warenhauskette Kaufhof. Der Kaufpreis solle bei 2,5 Milliarden Euro bis 2,7 Milliarden Euro liegen, schrieb die "Lebensmittel Zeitung" unter Berufung auf Insider. Konkrete Verhandlungen über einen Verkauf der Metro-Tochter hätten jedoch noch nicht begonnen.

Ein Sprecher des österreichischen Benko-Unternehmens Signa wies die Meldung allerdings zurück. "Der Bericht entbehrt jeder Grundlage. Die Signa konzentriert sich zusammen mit dem Management von Karstadt voll und ganz auf das Sanierungs- und Zukunftsprogramm für die Karstadt Warenhaus GmbH", erklärte Signa-Sprecher Robert Leingruber. Der Kaufhof-Mutterkonzern Metro lehnte eine Stellungnahme zu "Marktgerüchten und Spekulationen" ab. (dpa)

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