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Der Bund steigt bei dem schwer angeschlagenen Münchener Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ein.
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Der Bund steigt bei dem schwer angeschlagenen Münchener Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ein.

Hypo Real Estate

Kapitalspritze vom Bund

Wie viel neues Eigenkapital die Bank nach den Milliarden-Verlusten benötigt, will der Bankchef nicht beziffern. Als sicher gilt, dass die Hypo Real Estate -Gruppe verschlankt wird.

München. Der Bund steigt bei dem schwer angeschlagenen Münchener Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ein.

Wie das MDAX-Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung am Wochenende mitteilte, wird der Bund zunächst über eine Kapitalerhöhung 8,7 Prozent an der HRE erwerben. Der Bankenrettungsfonds SoFFin habe zugestimmt, 20 Millionen Aktien für insgesamt 60 Millionen Euro zu kaufen.

Geplant sei die vollständige Kontrolle durch den SoFFin oder den Bund. Nach einem bisher untestierten Nachsteuerverlust von 5,46 Milliarden Euro 2008 rechnet die Hypotheken- und Pfandbriefbank mindestens für zwei weitere Jahre mit negativen Nettoergebnissen. Für den Fortbestand der Gruppe ist daher eine erneute Eigenkapitalspritze notwendig.

Nach Angaben des Unternehmens haben zu dem Verlust deutliche Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte und andere immaterielle Vermögenswerte aus der Erstkonsolidierung der erst 2007 für etwa fünf Milliarden Euro übernommenen Depfa beigetragen. Diese hätten sich auf 2,48 Milliarden Euro belaufen. Den Zahlen zufolge lag die Kernkapitalquote Ende 2008 bei 3,4 Prozent und damit unter dem von der Bankenaufsicht geforderten Minimum von 4,0 Prozent.

Das hatte die kurz vor der Veröffentlichung des Jahresabschlusses öffentlich gemachte Kapitalspritze durch den SoFFin notwendig gemacht hatte. Erst durch den Einstieg betrage die Kernkapitalquote Ende 2008 wieder 6,2 Prozent nach 8,5 Prozent Ende 2007, hieß es. Künftig soll die Quote laut HRE-Chef Axel Wieandt bei mindestens 8,0 Prozent liegen. Bereits vor der erneuten Hilfe war die seit Monaten mit Liquiditätsengpässen kämpfende Bank mit insgesamt 102 Milliarden Euro gestützt worden.

Für die Komplettübernahme des Münchener Unternehmens würden künftig die Handlungsspielräume genutzt, die das derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren befindliche Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz eröffnet, teilte die Bank weiter mit.

Der Bundestag hatte das Gesetz vergangene Woche gebilligt, das auf die Rettung der HRE zugeschnitten ist. Der Bundesrat wird am 3. April über das Gesetz abstimmen. Die Vorstände der Hypo Real Estate haben sich unterdessen bereiterklärt, die zur Umsetzung der Rekapitalisierung jeweils erforderlichen Schritte zu ergreifen.

Wegen des nahenden Staatseinstiegs hat sich bereits der US-Investor und HRE-Großaktionär J.C. Flowers aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen. Er trage damit den Interessenkonflikten Rechnung, die sich aus den möglichen staatlichen Maßnahmen gegen die HRE-Aktionäre ergeben könnten, hatte Flowers, der rund 17 Prozent an der HRE hält, mitgeteilt.

Dem Vernehmen nach will der Bund die Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen drängen, um etwaige zeitintensive Aktionärsklagen zu vermeiden. Der Bund sorgt sich, die HRE könnte angesichts hoher Verluste zusammenbrechen und damit das ganze Finanzsystem gefährden.

Wie viel neues Eigenkapital die Bank nach den Milliarden-Verlusten benötigt, wollte der HRE-Chef am Sonntag nicht beziffern. Das müsse zunächst mit dem SoFFin besprochen werden. Um Kosten einzusparen, wird die HRE-Gruppe verschlankt, wie Wieandt ankündigte. Er rechne jedoch nicht mit schnellen Schritten und Reduzierungen, obwohl das Ziel mittel- und langfristig die Verkürzung der Bilanz sei.

Die HRE solle zu einer erfolgreichen Spezialbank für die Immobilien- und Staatsfinanzierung werden. Eine Fusion mit einer weiteren Hypothekenbank wie etwa der Eurohypo schloss er aus.Politisch wird die HRE weiter Thema bleiben. Nach Ostern wird die Bundestags-Opposition einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Er soll Banken-Aufsichtsstrukturen und etwaige Versäumnisse bei der Rettung der HRE klären. (ddp)

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