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Ein Passagierflugzeug startet über den Tower des Flughafens Frankfurt hinweg.

Flugverkehr

„Es kann wieder zu Engpässen kommen“

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Der Chef des Urlaubsfliegers Condor, Ralf Teckentrup, über Verspätungen.

Die Reise mit dem Flugzeug wird für Passagiere immer nerviger. Verspätungen und Ausfälle haben von 2016 bis 2018 um 55 Prozent zugenommen, wie der Entschädigungsdienstleister Airhelp erst gerade festgestellt hat. Um Abhilfe zu schaffen, haben sich Politiker und Manager von Airlines und Airports bereits vor einem halben Jahr auf eine Art Sofortprogramm geeinigt. Condor-Chef Ralf Teckentrup befürchtet aber, dass es wieder zu zahlreichen Verspätungen kommen wird – weil Personal sowohl bei der Flugsicherung und als auch bei den Sicherheitskontrollen an den Flughäfen fehlt.

Herr Teckentrup, mit Ostern kommt die erste große Reisewelle in diesem Jahr. Wird sich das Chaos von 2018 an den Flughäfen wiederholen?
Voriges Jahr ist Air Berlin mit 130, 140 Flugzeugen insolvent gegangen. Mehrere Airlines haben die Maschinen und das Personal übernommen. Das wird es dieses Jahr nicht geben. Airlines, Flugsicherung und Flughäfen haben zudem in die Kasse gegriffen, um sich zu rüsten.

Haben auch Sie in die Kasse gegriffen?
Wir haben bei Condor jetzt sieben Reserveflugzeuge statt zuvor dreieinhalb bei einer Flotte von knapp 60 Maschinen. Das ist eine von vielen Maßnahmen, an deren Umsetzung ein ganzes Team seit mehreren Monaten arbeitet. Wir wollen unser Qualitätsversprechen als Condor im kommenden Sommer erfüllen.

Aber waren nicht auch die Airports ein großes Problem?
Auch da wurde aufgerüstet. Doch es gibt beim Sicherheitspersonal noch immer personelle Engpässe. Die Sicherheit an den Flughäfen ist eine Achillesferse. Prozesse, Organisation und Verantwortlichkeiten – da muss noch deutlich nachgebessert werden. Die Polizei macht dort einen guten Job, keine Frage. Aber die Produktivität ist im Vergleich zu allen anderen europäischen Ländern auf keiner zufriedenstellenden Stufe. Und damit bilden sich einfach lange Schlangen mit hohen Wartezeiten für unsere Kunden. Hier ist eindeutig die Politik gefordert.

Wie sieht es bei der Flugsicherung aus?
Die andere Achillesferse ist die europäische Flugsicherung. Der deutsche Luftraum ist der am stärksten belastete in Europa. Im oberen Luftraum bei den Überflügen ist sehr viel Verkehr. Maschinen kommen von den deutschen Flughäfen oft nicht rechtzeitig raus, weil es im oberen Luftraum keinen Platz gibt. Da ist der Nachfragezuwachs im europäischen Luftverkehr unterschätzt worden, dafür gibt es jetzt zu wenig Fluglotsen.

Und nun auch noch Probleme mit der Software der Deutschen Flugsicherung.
Ja, das hat uns in den letzten Tagen auch belastet und zu Verspätungen geführt, weil Slots von abfliegenden und ankommenden Flügen nicht eingehalten werden. Eine solche Verspätung kann man unter Umständen den ganzen Tag mitziehen und dafür haben Passagiere nachvollziehbarer Weise kein Verständnis.

Was läuft da schief? Was muss die Politik besser machen?
Die hoheitliche Aufgabe der Flugsicherung ist auf europäischer Ebene stark reguliert. Die Personalkosten sind sehr hoch. Es werden Fünf-Jahres-Pläne erstellt, die dann abgearbeitet werden, ohne sie anzupassen. Neben einer Lösung für die Probleme in Deutschland brauchen wir auch eine europäische Lösung. Ich räume ein, dass das ein schwieriger Prozess ist. Sie müssen 27 Länder erst einmal an einen Tisch kriegen. Und nationale Bedenken spielen da immer eine Rolle. Kurzfristig lässt es sich nicht mehr ändern: Wir haben zu wenig Lotsen. Das wird leider auch 2020, 2021 und 2022 so sein.

Es wird wieder Chaos geben?
Die deutsche Luftverkehrswirtschaft hat gemeinsam mit der Politik viele Anstrengungen unternommen, die für eine Verbesserung sorgen werden. Aber ja, es kann wieder zu Engpässen kommen. An einzelnen Flughäfen wird es Probleme mit der Sicherheit geben und gerade deshalb ist es wichtig, dass es hier kurzfristige Veränderungen geben wird. Die Problematik der europäischen Flugsicherung bleibt ebenfalls bestehen. Aber: Airlines, Flugsicherung und Airports haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Das Airline-Geschäft ist hart. Es gibt das Szenario in Europa letztlich nur Lufthansa, Air France-KLM, IAG (British Airways), Ryanair und Easyjet übrig bleiben werden. Stimmen Sie zu?
Die großen Fünf werden ihre Marktanteile von derzeit knapp unter 50 Prozent in Europa in den nächsten zehn Jahren auf 60, 70 Prozent schrauben. Die verbleibenden 30 Prozent werden dann aber immer noch von kleineren Spezialisten abgedeckt.

Lufthansa-Chef Spohr hat kürzlich gesagt, er könne sich mehr touristische Flüge von Frankfurt aus gut vorstellen. Ein Wink mit dem Zaunpfahl für eine Übernahme von Condor?
Ich kann Spohrs Idee nachvollziehen. Wir fliegen im kommenden Winter von Frankfurt aus mit 16 Maschinen. Das würde zur Lufthansa passen. Wenn die Lufthansa Interesse hat, sollte sie sich bei unserer Muttergesellschaft Thomas Cook melden, die sich überlegt, die Airlines des Konzerns zu verkaufen. Wir sind eine Gesellschaft, die kerngesund ist und Geld verdient. Wer uns kauft, will mit der Airline etwas anfangen. Deshalb bin ich entspannt und guter Laune.

Interview: Frank-Thomas Wenzel

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