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Chrystia Freeland am Freitag bei einer Pressekonferenz in der kanadischen Botschaft in Washington.

Nafta

Kanadas Außenministerin bietet Trump Paroli

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Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland verhandelt mit den USA über den neuen Nafta-Vertrag.

Chrystia Freeland lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Das musste zum Beispiel der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman erfahren. Nachdem die kanadische Außenministerin vor ein paar Wochen die Menschenrechtslage im Königreich anprangerte fühlte der sich der Monarch so provoziert, dass er Kanada mit einer Kaskade von Sanktionen überzog. Angelegt hat sich Freeland auch mit Wladimir Putin. Als  Journalistin und später als Abgeordnete in Ottawa hatte sie den Anschluss der Krim an Russland kritisiert und steht seitdem auf einer Sanktionsliste von Personen, die nicht mehr ins Land reisen dürfen. Eine Ehre sei das, hat sie einmal gesagt und nimmt es hin, auch als Außenministerin keinen Fuß ins Land Putins setzen zu können.

Ähnlich resolut tritt sie dieser Tage gegen Donald Trump auf. Letzten Freitag hat sie im Namen Kanadas die Drohfrist des US-Präsidenten zur Neuverhandlung des Freihandelsvertrags Nafta verstreichen lassen und dabei dem Druck und den Erpressungsversuchen Trumps widerstanden. An diesem Mittwoch wollen Freeland und die Amerikaner den Gesprächsfaden wieder aufnehmen – Ausgang völlig offen. 

Nach außen gibt sich Freeland trotz der Hängepartie und der anhaltenden Tiraden Trumps gegen Kanada cool und spricht von konstruktiven Gesprächen, die man zu einem Erfolg führen wolle. Glaubt man aber nordamerikanischen Medien, dann geht es hinter den Kulissen zwischen der Kanadierin und dem US-Präsident sowie dessen Handelsbeauftragten Robert Liegnitzer seit Monaten recht frostig zu. Grund soll unter anderem eine Rede Freelands sein, bei der sie im Juni in Washington die „America-First“-Politik Trumps vor dessen Haustüre kritisiert hatte. Im Parlament in Ottawa hatte sie ihr Land zuvor in einer viel beachteten außenpolitischen Grundsatzrede als Gegenmodell zum protektionistischen Amerika Trumps positioniert.

Chrystia Freeland gilt als Hardlinerin

Manche Beobachter glauben, dass der US-Präsident Freeland auch aus persönlicher Abneigung wochenlang von den Nafta-Gesprächen ferngehalten und getrennt mit Mexiko verhandelt hatte. Sollte es als Demütigung gedacht gewesen sein, dann hat sie sich nichts anmerken lassen. Freeland blieb ebenfalls gelassen, als Trump letzte Woche US-Verhandlungspositionen gegenüber Journalisten ausplauderte und so eine Einigung torpedierte. 

Noch muss sich zeigen, wie weit Freeland bei den entscheidenden Streitfragen wie der Agrarpolitik und den Schiedsgerichten bei Trump und seinem Team kommt. Als Nafta-Beauftragte ihres Landes soll sie verhindern, dass Kanada zum Schluss völlig außen vor bleibt. Kanada wickelt drei Viertel seines Außenhandels mit den USA ab, die Ökonomien beider Länder sind eng verflochten und das Abkommen ist für Kanada überlebensnotwendig. Wenn die Kanadier einem Politiker einen Erfolg gegen Trump zutrauen, dann ihrer Außenministerin. In den bisherigen Verhandlungen hat sie die kanadischen Interessen mit Biss verteidigt und sich in Washington den Ruf einer Hardlinerin erworben. Das A bis Z der Handelspolitik und die Details des Nafta-Vertrages kennt sie wahrscheinlich so gut wie kaum ein anderer in Ottawa oder Washington. 

Das hat mit ihren früheren Jobs zu tun: Vor ihrer politischen Karriere hatte die heute 50-Jährige als Wirtschaftsjournalistin für renommierte Blätter wie die „Financial Times“, den „Economist“ oder die „Washington Post“ gearbeitet und ein Buch über die Herrschaft der russischen Geldeliten geschrieben. Bei einer ihrer Lesungen hatte Trudeau zugehört und sie flugs für die Liberale Partei in Kanada angeworben. Nach ihrem Eintritt in die Regierung im Jahre 2015 war Freeland zunächst für das Handelsressort zuständig, wo sie unter anderem den Freihandelsvertrag Ceta mit der EU umsetzte, bevor sie 2017 Außenministerin wurde. Seitdem gilt Sie in Kanada als aufsteigender Star im Kabinett Trudeau, einer der wenigen Regierungen weltweit, die zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzt ist. 

Die Mutter dreier Kinder pflegt ihre ukrainische Abstammung, spricht mehrere Sprachen fließend und hat ihren Wahlkreis in Toronto, der wohl kulturell vielfältigsten Metropole Kanadas. Themen wie Menschenrechte, Gleichberechtigung, Pressefreiheit, offene Grenzen, Freihandel und Vielfalt liegen Freeland quasi im Blut – und diese Haltung vertritt sie auch international. Dabei ist hartnäckig und zäh und lässt sich von niemandem beirren. Das wissen auch die Amerikaner. 

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