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Fischfang in der Nordsee

Größere Brötchen backen

Kamps will’s noch einmal wissen

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Der frühere Großbäcker Heiner Kamps übernimmt gleich für zwei Unternehmen die Geschäftsführung. Damit ist er für 14.000 Beschäftigte und die Marken "Müllermilch" und "Nordsee" zuständig.

Chefs in der Lebensmittelbranche können sich auf was gefasst machen – zumindest, wenn sie Milch-, Fischprodukte oder Mayonnaise herstellen. Heiner Kamps sieht für sich nun „beste Voraussetzungen für eine führende Position im Lebensmittelmarkt“. Solche Ansagen des Düsseldorfer Unternehmers sollten Manager ernst nehmen. Denn bislang folgten ähnlichen Ankündigungen fast auch immer Taten. Jetzt steht er an der Spitze zweier Unternehmen. Er ist auch – so der offizielle Titel – Sprecher der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Theo Müller. Es lässt sich auch vereinfacht sagen: Er ist der Boss von Müller-Milch.

Zudem bleibt der Chef der HK-Food, der von ihm gegründeten Holding, zu der unter anderem die Marken Homann (Mayonnaise, Salate) und Nadler (Fischfertigprodukte) und die Imbisskette Nordsee gehören. Kamps ist damit insgesamt für 14.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro verantwortlich.
Dass der 56-Jährige nun auch beim größten privaten Molkereiunternehmen in Deutschland heftig mitmischt, überrascht Branchenkenner kaum.

Milch-Patriarch Theo Müller senior (71) arbeitet seit gut sechs Jahren mit Kamps zusammen. Er besitzt etwa 80 Prozent der HK-Food, den Rest hält Kamps. „Das sind zwei Unternehmer alten Schlags“, sagt ein Sprecher. Durch die Zusammenarbeit sei Vertrauen entstanden. Bei der Groß-Molkerei sind zwar die Söhne des Patriarchen, Stefan und Theo junior, im Management aktiv. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass der Senior seinem Nachwuchs nicht so recht zutraut, den Konzern alleine zu führen. Deshalb suchte er lange nach einem Manager von außen, der die Sache in die Hand nimmt. Geschäftsführer kamen und gingen in einem relativ hohen Frequenz. Nie passte es so richtig.

Ähnliche Berufsbiographie

Jetzt soll es Kamps richten, der eine ähnliche Berufsbiographie wie Müller senior hat. Beide haben aus kleinen Anfängen Unternehmenskomplexe gebaut. Joghurt und viele andere Produkte der Müller-Gruppe gibt es heute in jedem deutschen Supermarkt. Der Konzern ist in vielen europäischen Ländern aktiv, zu ihm gehören auch die Marken Weihenstephan und Sachsenmilch. Ferner werden Milch-Produkte für die Eigenmarken von Handelskonzernen und Basis-Produkte wie H-Milch oder Laktosepulver hergestellt. Müller bringt es auf einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro jährlich. HK-Food kommt auf mehr als eine Milliarde. Das größte Umsatzanteil wird in den 410 Nordsee-Filialen in Deutschland und Österreich erwirtschaftet. Über die Profite machen die beiden Unternehmen übrigens keine Angaben.

Trotz der Verflechtung auf der Ebene der Besitzer sollen die beiden Firmen eigenständig bleiben – zunächst einmal. „Wenn man die Sache aber zu Ende denkt, wäre eine Verschmelzung logisch“, sagt ein Insider. Kamps indes spricht, wie in solchen Fällen üblich, viel von Synergien. Branchenkenner fragen sich aber, wie ernst er das wirklich meint. Produktionsverfahren von Müller und den HK-Food-Töchtern unterscheiden sich erheblich– ebenso wie die Basisprodukte der verschiedenen Betriebe. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Müller-Kamps-Gruppe ihre Marken parallel neben einander laufen lässt, aber künftig beim Poker um Lieferverträge mit Handelskonzernen erheblich offensiver auftreten wird. Die durch schiere Größe bedingte bessere Verhandlungsposition war in der Branche schon ein einigen Fällen, einer der Treiber für Übernahmen – etwa als Procter&Gamble 2005 Gillette schluckte.

Offen für neue Segmente

Zu diesem Szenario einer Strategie der Stärke passt, wie Kamps seine Pläne für die nahe Zukunft beschreibt.: „Wir sind auch offen für den Einstieg in für uns neue Segmente der Lebensmittelbranche.“ Er will in jedem Fall der ersten Liga mitspielen. Dem 56-Jährigen wird ein unbändiger Ehrgeiz nachgesagt. „Er ist hungrig, und er steht total unter Strom“, heißt es in seinem Umfeld.

Kamps gehört zu den Unternehmern, die unter einer besonderen Form von Wiederholungszwang leiden. Er war schon einmal ganz oben. Er baute die einst börsennotierte Kamps AG auf. Der gelernte Bäcker war einer der Pioniere beim Umbau der hiesigen Bäckereibranche. Er gehörte zu den ersten, der in Fabriken halbfertige Backwaren produzieren ließ, die dann in Hunderte von Filialen geliefert werden. Dort werden Brote und Brötchen in speziellen Öfen fertig gebacken. Kamps verkaufte 2002 sein Imperium an den italienischen Pasta-Konzern Barilla für 2,3 Milliarden Euro. Danach hätte er sich als Multimillionär zur Ruhe setzen können. „Doch er hält vier oder fünf Tage Urlaub am Stück nicht aus“, sagt ein Vertrauter.

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