Ernährung

Kampf um Saatgut

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Widerstand ist nötig, um unsere zukünftige Ernährung zu sichern. Regierungen müssen dem Internationalen Übereinkommen für Biologische Vielfalt Vorrang vor privaten Wirtschaftsinteressen einräumen.

Der ungehinderte Zugang zu Saatgut ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen. Über Jahrtausende hinweg haben Kleinbauern Saatgut durch Auslese und Züchtung kultiviert. Sie haben es an Umweltbedingungen vor Ort angepasst und dadurch zu biologischer Vielfalt beigetragen. Unsere Ernährung wird durch diese Vielfalt gesichert. So bauen Kleinbauern in Indien traditionell immer verschiedene Reissorten gleichzeitig an, damit sie im Fall von Dürre oder Pflanzenkrankheiten auf jeden Fall eine Sorte ernten können.

Die Weltgemeinschaft hat auch aus diesen Gründen 1992 das Internationale Übereinkommen für Biologische Vielfalt beschlossen. 196 Staaten sind dem Übereinkommen bisher beigetreten. Dennoch war die biologische Vielfalt der Nutzpflanzen noch nie so bedroht wie heute.

Denn Agrarkonzerne setzen alles daran, Kontrolle über Saatgut zubekommen. Ihr Interesse zielt auf einheitliche Sorten, die sie exklusiv und in großen Mengen in möglichst vielen Ländern verkaufen können. Denn damit können sie am meisten Gewinn machen. Um dieses Ziel zu erreichen, wenden sie politische, wirtschaftliche und technische Strategien an, um kleinbäuerliche Sorten zu verdrängen und Wiedergewinnung von Saatgut zu verhindern.

So wird das internationale Abkommen über den Schutz geistigen Eigentums auch auf Saatgut angewendet. Auf seiner Basis wurden Patentrecht und verbindliche Regeln zum Sortenschutz entwickelt, die einseitig industrielle Saatgutzüchter bevorteilen. Kriterien für den Sortenschutz sind auf äußere Einheitlichkeit und Unabhängigkeit vom Standort ausgerichtet, die von kleinbäuerlichen Sorten selten erfüllt werden.

Die Beantragung von Patenten ist sehr teuer und erfordert den Nachweis einer Erfindung, die mit traditioneller Züchtung nicht zu erbringen ist. Und schließlich versuchen die weltweit größten Saatgutkonzerne, ihre Marktmacht zurzeit durch Fusionen zu auszubauen, damit in Zukunft kein Bauer mehr an ihnen vorbeikommt.

Wer sich wehrt, wird kriminalisiert. Widerstand ist nötig, um unsere zukünftige Ernährung zu sichern. Regierungen müssen dem Internationalen Übereinkommen für Biologische Vielfalt Vorrang vor privaten Wirtschaftsinteressen einräumen.

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