Szene von der Hannover Messe.
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Hannover Messe

Kampf den Maschinen-Piraten

Der Maschinenbau schlägt Alarm. Die Produktpiraterie nimmt zu - und bringt schätzungsweise 40.000 Menschen um ihren Job. Unangefochtener Plagiate-Weltmeister ist China. Von Christine Skowronowski

Von Christine Skowronowski

Hannover. Rund 6,4 Milliarden Euro Umsatz gehen dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau einer Umfrage im März zufolge durch Produktpiraterie verloren. Der Branchenverband VDMA schlägt Alarm. Denn im Vergleich zu der Umfrage aus dem Jahr 2008 entspricht dies einem Plus von acht Prozent, wie Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse erläutert. "Ein Umsatz in dieser Schadenshöhe würde der Branche knapp 40.000 Arbeitsplätze sichern."

Das Abkupfern trifft einige Firmen empfindlich. Etwa 28 Prozent meldeten in der Umfrage Erlöseinbußen von mehr als fünf Prozent. Bei 26 Prozent erreicht der Ausfall demnach zwei bis fünf Prozent. Kopiert werden nicht etwa nur einzelne Teile, sondern auch komplette Maschinen. Sie machten laut VDMA fast die Hälfte der Nachahmerprodukte aus.

Dabei behält China unangefochten den Titel "Plagiateweltmeister". Die betroffenen Hersteller machen das asiatische Land für 80 Prozent der Kopien verantwortlich, von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Allerdings gehen auch 19 Prozent auf das Konto Deutschland. Meist werden, so der VDMA, Gebrauchsanleitungen und Produktbeschreibungen abgekupfert. Allerdings kam es ab und an auch schon vor, dass deutsche Firmen untereinander "Anleihen" an das Produkt des Wettbewerbers machen, wie Hesse einräumt. "Da reden manche nicht mehr miteinander - und zwar nie mehr."

Führend bleibt China auch beim Absatz der Plagiate, wie der VDMA aus seiner jüngsten Umfrage bei Mitgliedsfirmen schließt. Auf asiatische Märkte gelangen demnach schätzungsweise 61 Prozent der Kopien, nach Europa 38 Prozent. Politische Interventionen, auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, haben offenbar in Asien in puncto Schutz des geistigen Eigentums bislang nicht allzu viel bewirkt.

Auf die Schliche gekommen sind die Unternehmen den Produktpiraten meist durch eigene Recherchen und Hinweise. Aber 53 Prozent der Firmen entdeckten Kopien der eigenen Produkte auch auf Messen. Bisweilen wurde dabei in asiatischer Gründlichkeit auch das Firmenlogo geklaut.

Den weltweit ersten Prototyp einer technisch abgesicherten Werkzeugmaschine stellt die Branche in Hannover auf der Industriemesse vor. Das Versuchsobjekt ist in der Lage, die aktuelle Maschinenkonfiguration zu ermitteln und mit dem Originalzustand zu vergleichen. Abweichungen werden automatisch protokolliert und sichtbar gemacht. Damit solle auch verhindert werden, dass kopierte Einzelteile minderer Qualität die Funktionstüchtigkeit und Leistung der gesamten Maschine gefährden, betont der VDMA. Sind Plagiate mit im Spiel, kann der Betreiber dies etwa auch nach einer Wartung erkennen und reagieren.

Der VDMA und der Werkzeugmaschinen-Verband VDW verfolgen mit diesem Projekt auch das Ziel, die Firmen vor Regressforderungen zu schützen. Der Kunde soll ebenfalls die Möglichkeit erhalten, optisch perfekt gefälschte Teile zu erkennen. Produktionsausfälle aufgrund des Versagens von Kopien sollen somit weitestgehend vermieden werden.

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