Bis zu 80 Häuser sollen zur Disposition stehen. dpa
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Bis zu 80 Häuser sollen zur Disposition stehen.

Karstadt Kaufhof

Kampf um jede Filiale

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Wie es beim Warenhauskonzern Karstadt Kaufhof weitergeht.

Das Management der Warenhauskette Karstadt Kaufhof hat Vertretern der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Pläne zur Schließung eines großen Teils der Filialen präsentiert. Wir erläutern, warum es auf einen Häuserkampf um jeden Standort hinaus läuft.

Wie weit sind die Pläne für Filialschließungen?

Vieles ist noch unklar, zugleich ist der Handlungsdruck groß. Schon Anfang April hatte die Warenhauskette ein Schutzschirmverfahren auf den Weg gebracht – das ist die mildeste Form eines Insolvenzverfahrens. Durch die im Zuge der Corona-Krise angeordnete zeitweise Komplett-Schließung von 172 Warenhäusern, 30 Sporthäusern und 51 Feinkostfilialen sollen allein 500 Millionen Euro Umsatz verloren gegangen sein. Die Einbußen würden sich auch wegen der Kaufzurückhaltung der Kunden weiter fortsetzen, so der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz.

Wie groß ist die Zahl der bedrohten Standorte?

Auch hierzu gab es bislang keine konkreten Angaben. Kebekus hatte in einem Interview angedeutet, dass mindestens 58 Warenhäuser zur Disposition stehen. In einem Brief an den Gesamtbetriebsrat war von bis zu 80 Filialen die Rede. Ein entsprechender Arbeitsplatzabbau könne die Folge sein. In Gewerkschaftskreisen wird gemutmaßt, dass bis zu 10.000 Frauen und Männer der rund 25.000 Beschäftigten um ihre Jobs bangen müssen.

Wie hat Verdi reagiert?

Mit Empörung. Einen „Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten“ will die Gewerkschaft nicht akzeptieren. Die Bevollmächtigten müssten einen Zukunftsplan vorlegen. Und es brauche eine klare Positionierung des Eigentümers René Benko. Der österreichische Immobilieninvestor hatte zunächst Karstadt und Ende 2018 Kaufhof erworben, um danach die beiden Warenhausketten zu fusionieren. Immer wieder kam in der Vergangenheit der Vorwurf, dass Benko vor allem an der Verwertung der Immobilien und weniger am Warenhausgeschäft interessiert sei.

Welche Rolle spielt die Pandemie für die Schieflage?

Sie wirkt wie ein Verstärker. Zwar hatte die Geschäftsführung Ende vorigen Jahres eine umfassende Standort- und Beschäftigungssicherung für fünf Jahre mit Verdi beschlossen. Auch wurde festgeklopft, dass in diesem Jahr mindestens 700 Millionen Euro in die Modernisierung der Häuser investiert werden sollen. Beinahe zeitgleich wurde aber bekannt, dass schon damals – also vor Corona – die Geschäftsführung für 2020 mit einem Nettoverlust von mehr als 100 Millionen Euro kalkulierte.

Was läuft bei dem Warenhaus-Konzern schief?

Die Warenhäuser stecken seit Jahren in einer tiefen Krise. Modernisierungen wurden über Jahre versäumt. Experten sehen aber auch strukturelle Probleme: „Das Warenhaus wird von mehreren Seiten bedroht: vom Onlinehandel, von Spezialanbietern für wichtige Sortimente und durch ein verändertes Käuferverhalten. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht stoppen“, sagte Christian Schulz-Wulkow von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Deshalb werde man „weitere Veränderungen auch bei Häusern in besten Lagen sehen“.

Wie muss man sich die weitere Entwicklung bei Karstadt Kaufhof vorstellen?

Es stehen langwierige und komplizierte Verhandlungen an. Verdi will auf dem Tarifvertrag bestehen, der auch betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2024 ausschließt. Die Gewerkschaft will um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Vieles spricht dafür, dass es eine Art Häuserkampf geben wird. Also Verhandlungen über jede einzelne Filiale – ob und wenn ja wie sie gerettet werden kann.

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