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Windkraft im australischen Outback.

Australien

Kampf gegen Windkraft

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Premierminister Tony Abbott entfesselt einen neuen Glaubenskrieg: Er verbietet dem regierungseigenen „Clean Energy Fund“ neue Investitionen in Windkraftanlagen - und spricht sich stattdessen für fossile Energien aus.

Australiens streitbarer Premierminister Tony Abbott kämpft an vielen Fronten. Jetzt hat der Mann, der seine Ausbildung zum katholischen Priester vorzeitig abbrach, einen neuen Glaubenskrieg entfesselt: Abbott zieht gegen die Windkraft zu Felde und hat dem regierungseigenen „Clean Energy Fund“ neue Investitionen in Windkraftanlagen verboten. Seine Mitstreiter bedienen sich gar der Schützenhilfe der „Physikalisch-Technischen Bundesanstalt“ (PTB) des deutschen Wirtschafts- und Energieministeriums. „Gehirne werden durch Windturbinen erregt“, behauptet etwa Graham Lloyd von „Wind-Watch.org“ und bezieht sich dabei auf eine Studie der PTB.

„Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen 'unhörbare Geräusche' mit den Ohren erfassen. Aber man kann daraus nicht schließen, dass – wie es landläufig gesagt würde – Windturbinen wegen solcher Geräusche gesundheitsschädlich sind“, erklärte Thomas Fedtke, Leiter der Abteilung Hörschall bei der PTB in Braunschweig gegenüber dieser Zeitung.

Australiens Windkraftgegner stört der Einwand wenig. Schließlich glaubt Regierungschef Abbott: „Kohle ist gut für die Menschheit.“ Windturbinen hält er dagegen für „laut und hässlich“. Bei Parlamentsanhörungen schlagen sich Gruppen wie der Orden „Holy Transfiguration Monastery“ auf seine Seite. Die Mönche lehnen Windturbinen ab, weil sie ihr Streben nach innerer Ruhe beeinträchtigen würden. Das „Flat Earth Institute“ wiederum fürchtet, die Windernte könne die Windgeschwindigkeit der Erde drosseln und zur Erderwärmung führen.

Australiens Gesundheitsbehörden müssen auf Anordnung der Regierung gegenwärtig prüfen, ob Windturbinen gesundheitsschädlich sind. Dagegen genehmigte Abbott vor einigen Wochen der chinesischen Firma China Shenshua Energy den Betrieb eines Kohlebergwerks in einer Region mit fruchtbarem Agrarland. Australien gehört zu den führenden Kohleproduzenten der Welt und subventioniert die Gewinnung von fossilen Brennstoffen.

Kostengünstigste Energiequelle

Abbott verringerte die Klimaziele seiner Regierung auf ein Fünftel früherer Bestrebungen und erklärte voller Verachtung: „Was andere Regierungen erklären, sind doch reine Märchen.“ Zuletzt hat Abbott es dem regierungseigenen „Clean Energy Fund“ verboten, zukünftig Geld für Windfarmen bereitzustellen. Nun steht ein 1200 Megawatt-Projekt auf der Kippe. Mit insgesamt etwa 1700 Turbinen in etwa 70 Großanlagen gehörte Windkraft Ende des Jahres 2013 nach Wasserkraft zum zweitgrößten Sektor im Bereich erneuerbarer Energie in Australien.

Weltweit wurden im Jahr 2014 rund 80 Milliarden US-Dollar in Windkraft investiert. Sie gilt als kostengünstigste Energiequelle, wenn sie in Windfarmen im großen Umfang produziert werden kann.

Der australische Windkraftbefürworter Simon Chapman lamentierte daher bei einer Anhörung vor Australiens Parlament: „Der Glaube an die Gefahr von Windkraftanlagen ist die Ursache für den Glauben an Risiken der Windkraft und verantwortlich sind vor allem diejenigen, die diese Furcht verbreiten wollen.“ So denkt auch die „Australian Psychology Society“. „Wenn erst Mal Furcht und Verwirrung gesät wurden, gibt es oft Streit in den betroffenen Orten“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands der Psychologen. „Stress und Sorgen sind dann normale Folgen. Aber Windturbinen sind nicht die Ursache der Krankheiten.“

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