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Je unentschiedener man ist, desto drängender wird der Wunsch nach Rat und Empfehlungen.

Analyse

Kampf gegen Fake-Bewertungen im Internet

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Im Internet wimmelt es von gefälschten Produkt-Tests. Wie erkennt man den Betrug und wie lässt sich dagegen vorgehen?

Bewertungen von Produkten oder Dienstleistungen im Internet sind wie bares Geld. Denn solche Empfehlungen lösen Kaufanreize aus, besser und verlässlicher als es Werbung jemals könnte. Schamlos ausgenützt wird hier das menschliche Grundbedürfnis, sich vor einer Entscheidung wie der Anschaffung einer Ware den Rat anderer einzuholen, sagen Psychologen. Je unentschiedener man ist, desto drängender wird der Wunsch danach. Früher haben diese Funktion im persönlichen Gespräch Familie, Freunde oder Arbeitskollegen übernommen. Heute ist vermeintlich guter Rat millionenfach im Internet verfügbar. Der ist aber nicht selten erstunken und erlogen wie die Stiftung Warentest dokumentiert hat.

Man muss nur dreist genug sein. Bei der Fake-Industrie weckt ein Verbrauchersiegel besondere Begehrlichkeit. Blöd nur, wenn die etwa einen mit Schadstoffen belasteten Kinderwagen als mangelhaft eingestuft hat. Fake-Portale lassen sich davon nicht beeindrucken. Auf ihren Internetseiten wird gesagtem Kinderwagen einfach bestätigt „rundum den Empfehlungen der Stiftung Warentest“ zu entsprechen, versehen mit einem Link zu Amazon oder einem anderen Onlinehändler. Bei dem kassiert das Fake-Portal bei einem Kauf dann zwischen ein und 15 Prozent Provision. Es geht noch krasser. Tests der Verbraucherschützer werden nicht nur verfälscht sondern komplett erfunden. So hat Stiftung Warentest eigene Testberichte zu Spielfiguren, Wasserbomben und Flaggen gefunden, die die Verbraucherschützer nie getestet hatten.

Der Umstand, dass Bewertungsbetrug in verschiedenen Gewändern vorkommt, macht ihn besonders verwirrend. Eine weitere Variante sind Webseiten mit Links zu Onlineshops, deren Mitarbeiter beliebige Kundenrezensionen ausgewertet oder selbst ein Produkt ausprobiert haben. Daraus erstellen sie dann eine Bestenliste, die keinem seriösen Test standhalten würde und in ihrem Ranking eher willkürlich ist. Aber vor allem Vergleichssieger lassen sich erfahrungsgemäß gut verkaufen.

Dritte Variante ist das Verkaufen gefälschter und oft schwer als Fälschungen erkennbarer Bewertungen, mit denen seriöse Plattformen infiltriert werden. Allen Varianten gemeinsam ist, dass deren Urheber juristisch kaum belangbar in Ländern wie Malta oder noch weiter entfernt sitzen. Das gilt für den günstigen Fall, dass ein Fake-Portal überhaupt ein Impressum besitzt.

Gegen solche Praktiken hilft zweierlei. Vor allem gesundes Misstrauen seitens Verbrauchern. Falsche Tester bewerten oft alle Produkte gut, weil sie Provisionen kassieren wollen. Auch Links zu Onlineshops sollten Warnlampen angehen lassen. Bei seriösen Testern gibt es die nicht. Hellhörig werden sollte man zudem, wenn Testverfahren nicht beschrieben werden. Das können Fake-Portale mangels echten Tests gar nicht. Schlussendlich werden aufwendige Tests selten kostenlos ins Netz gestellt.

Der andere Weg, Fake-Portalen das Handwerk zu legen, führt über Gerichte. Das ist bei den Portalen selbst schwierig, weil sie sich oft regional außerhalb juristischer Reichweite tummeln. Aber wenn Amazon & Co an betrügerische Fake-Portale Provisionen zahlen, sollten solche Onlinehändler künftig damit rechnen müssen, in Haftung genommen zu werden. Wer mit der Fake-Industrie paktiert, kann nicht seine Hände in Unschuld waschen, auch wenn Internet-Plattformen diese Taktik gerne verfolgen.

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