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Kampf gegen Fake-Bewertungen: Neue Regelung soll für mehr Sicherheit im Internet sorgen

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Von: Mechthild Henneke

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Einige Online-Händler schreiben Fake-Bewertungen unter ihre Produkte und täuschen dadurch ihre Kundschaft
Bisher konnte sich nicht auf Bewertungen im Internet verlassen werden. Das soll sich nun ändern. (Symbolbild) © Imago Images

Einige Online-Händler schreiben Fake-Bewertungen zu ihren Produkten. Eine neue Regelung soll es künftig erschweren, Kundinnen und Kunden im Netz zu betrügen.

Frankfurt – Ungefähr zwei von drei Kund:innen richten sich bei ihrer Kaufentscheidung nach Bewertungen auf Online-Portalen, haben Studien zum Beispiel im Rahmen des Konsummonitors des Handelsverbands Deutschland ergeben. Gleichzeitig existieren auf den Internet-Plattformen viele gefälschte Bewertungen, sogenannte Fake-Bewertungen. Eine neue Regelung soll ab 28. Mai mehr Sicherheit für die Kund:innen bringen. Die FR erklärt, was sich ändert und wie man sich vor gefälschten Bewertungen schützen kann.

Ursprung von Fake-Bewertungen: Bei Fake-Bewertungen arbeiten im Hintergrund meist Agenturen, die professionelle Bewerter entlohnen. So bringt eine Trustpilot-Bewertung nach Angaben der Bewertungsfirma Fivestar etwa 12,60 Euro, eine Google-Bewertung 9,72 Euro ein. Eine andere Methode ist es, Kund:innen, die ein Produkt erworben haben, über soziale Medien wie WhatsApp oder Telegram anzusprechen. Nach positiver Rezension erhalten sie den Kaufpreis fürs Produkt zurück. Bei einer durchschnittlichen Bewertung werden die Kund:innen meist aufgefordert, diese auf vier oder fünf Sterne zu erhöhen. Die dritte Methode sind automatisierte Bewertungen mittels Bots und Fakeprofilen. Auch Inhaber:innen oder Mitarbeitende von Unternehmen geben regelmäßig Top-Bewertungen für ihre Produkte ab.

Bedeutung und Schaden von Fake-Bewertungen: Welche Wirkung haben sie im Internet?

Die Anzahl der Fake-Bewertungen ist unbekannt. „Die Schätzungen, wie viele gefälschte Bewertungen es gibt, variieren extrem“, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Das Unternehmen Trustami, das im Auftrag von Unternehmen Bewertungen prüft, erforscht gerade Fake-Bewertungen. Geschäftsführer Jonas Repschläger: „Wir haben in unserer Datenbank 1,4 Milliarden Bewertungen in mehreren Plattformen gesammelt.“ Erste Analysen zeigten, dass automatisierte Bewertungen zunehmen. Schon jetzt seien etwa fünf Prozent aller Bewertungen durch Bots generiert. Den Gesamtanteil gefälschter Bewertungen schätzt Trustami auf etwa vier Prozent.

Falsche Bewertungen führen dazu, dass Kund:innen falsche Kaufentscheidungen treffen. Zum einen hat dies Reklamationen und Retouren zur Folge, wichtig ist aber auch der Vertrauensverlust, der bei Verbraucher:innen eintritt. Eine weitere Folge ist, dass Produkte von großen Anbietern, die Bewertungen kaufen, auf den Portalen nach oben rutschen. Das ist nachteilig für kleine und mittlere Unternehmen. „Sie haben dadurch keine Möglichkeit, im Internet Reichweite zu erlangen“, sagt Dara Kossok-Spieß vom Handelsverband Deutschland. Sie hätten vielleicht ein gutes Produkt, könnten aber nicht mithalten, weil Verbraucher:innen sie nicht wahrnehmen. Georg Ziegler von Holidaycheck schätzt den wirtschaftlichen Schaden in Deutschland durch falsche Bewertungen auf 3,8 Milliarden Euro jährlich.

Sicherheit im Internet: Kampf gegen Fake-Bewertungen durch Unternehmen

Viele Unternehmen kontrollieren Bewertungen. Amazon PR-Manager Tobias Goerke sagt, dass bei Amazon Bewertungen vor der Veröffentlichung gemäß den Unternehmens-Richtlinien geprüft werden. Werden Auffälligkeiten festgestellt, wird die Bewertung genauer untersucht. Der Sprecher veranschaulichte den Prozess anhand eines vereinfachten Beispiels für automatisierte Versuche, Fake-Bewertungen abzugeben: „Wenn ein Rezensent 50 Rezensionen innerhalb von fünf Minuten abgibt, schlägt unser System an.“ Daraufhin starte das Prüfteam seine Arbeit. In 2020 hat Amazon laut Goerke weltweit 200 Millionen Rezensionen vor der Veröffentlichung gestoppt.

Auch Michael Weber von der Arzt-Patienten-Plattform Jameda berichtet, dass zahlreiche Bewertungen gelöscht wurden. „Wenn wir zum Beispiel erkennen, dass die Angestellte eines Arztes eine Bewertung über ihn abgibt, löschen wir sie“, sagt er.

Neue Regelung hilft gegen Fake-Bewertungen und sorgt für mehr Sicherheit im Internet

Die Verfolgung von gefälschten Bewertungen auf dem Klageweg findet vor Zivilgerichten statt. Das Reisebewertungsportal Holidaycheck hat in der Vergangenheit immer wieder Agenturen wegen Fake-Bewertungen belangt. Ziegler beklagt, dass Agenturen, die überführt wurden, gefälschte Bewertungen ins Netz gestellt zu haben, unter verändertem Namen ihre Arbeit weiterführen. „Zivilrechtlich hat man sehr eingeschränkte Möglichkeiten“, sagt er. Würden Fake-Bewertungen mit dem Strafrecht geahndet, gäbe es eine stärkere Handhabe und auch Abschreckung.

Ab dem 28. Mai tritt die sogenannte Omnibus-Richtlinie in Kraft. Teil davon ist eine Neuregelung zur Praxis von Internetbewertungen. Händler müssen in Zukunft prüfen, ob Bewertungen echt sind, und sie müssen die Kund:innen darüber informieren, wie sie bei der Prüfung vorgehen. Es ist außerdem untersagt, lediglich positive Bewertungen zu veröffentlichen und negative zu unterdrücken. Die Händler müssen weiterhin deutlich machen, ob die Bewertungen käuflich erworben wurden. Tun sie so, als handele es sich um Bewertungen von echten Verbraucher:innen, ohne die Echtheit sicherzustellen, gilt das in Zukunft als „unlautere Geschäftspraktik“, so die Richtlinie, die auf EU-Ebene gilt.

Tipps für mehr Sicherheit im Internet: So lassen sich Fake-Bewertungen erkennen

Zur Einordnung der Richtlinie sagt Armin Jungbluth, Referatsleiter im Bundesministerium für Digitales und Verkehr: „Wir haben dann zumindest eine klare Rechtslage, dass diese Agenturen unlauter handeln und gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen.“ Es handele sich bei der Umsetzung der Omnibus-Richtlinie um eine gesetzliche Klarstellung der gerichtlichen Praxis zu Bewertungsbetrug im Internet. Die Richtlinie soll in zwei Jahren evaluiert werden.

Durch Fake-Bewertungen kaufen einige trotzdem schlechte Produkte und schicken diese dann wieder zurück
Viele Kund:innen lesen sich Bewertungen durch, bevor sie online etwas kaufen. Doch viele davon sind gefälscht. (Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Um gefälschte Bewertungen zu erkennen, empfiehlt Tatjana Halm, Bewertungen auf verschiedenen Portalen zu vergleichen und in die Historie der Bewertungen zu schauen. „Waren sie früher negativ und sind auf einmal durchweg positiv, kann das ein Indiz sein“, sagt sie. Manchmal habe der Anbieter, zum Beispiel ein Restaurant, aber auch seine Leistungen wirklich verbessert. „Wichtig ist es, achtsam und vorsichtig zu sein, und alles zu hinterfragen.“ Interessant seien auch durchschnittliche Bewertungen, weil sie differenzierter sind.

Ausweg aus Fake-Bewertungen: Eigene Meinung für Produkt im Internet veröffentlichen

Sebastian Hallensleben vom VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnologie) schließt einen Appell an die Verbraucher:innen an, selbst Bewertungen zu schreiben. „Um möglichst viele authentische Bewertungen im Netz zu finden, kann es ein Weg sein, eigene Erfahrungen mit einem Produkt aufzuschreiben.“ Und damit anderen potenziellen Käufer:innen eine Hilfestellung zu geben. (Mechthild Henneke )

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