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Für die Banken wird die Sicht schlechter.
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Für die Banken wird die Sicht schlechter.

Deutsche Banken

Kahlschlag bei der Commerzbank

  • VonStephan Kaufmann
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Acht Jahre nach der Finanzkrise wanken Deutschlands größte Banken wieder. Die Commerzbank kündigt an, in den nächsten Jahren tausende Stellen abzubauen.

Am Dementi erkennt man das Problem: Staatshilfen für sein Institut seien „kein Thema“, ließ am Mittwoch der Deutsche-Bank-Chef John Cryan via „Bild“-Zeitung verlauten. Das klingt wie ein fernes Echo des Satzes von Cryans Vorgänger Joseph Ackermann: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatshilfe annehmen würden“, sagte er 2008. Damals tobte die Finanzkrise, Banken standen am Rand der Pleite, die Commerzbank musste vom Staat gerettet werden. Heute, acht Jahre später, wankt Deutschlands größte Bank abermals, und die Commerzbank muss massiv Stellen abbauen. 9600 Stellen sollen entfallen, gleichzeitig aber rund 2300 neue entstehen. Unter dem Strich sollen damit rund 38 000 von derzeit rund 45 000 Vollzeitjobs bleiben. Der endgültige Beschluss soll am morgigen Freitag fallen. Die Dauermisere der beiden größten deutschen Geldhäuser zeigt: Die Krise, die 2008 ausbrach, lebt weiter, trotz aller wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen.

Immer wieder sind die deutschen Banken aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch regelmäßig tauchen sie wieder auf, und die Anlässe sind nie positiv. Die Deutsche Bank ist mit einer Forderung der US-Behörden über 14 Milliarden Dollar konfrontiert. Beide Häuser leiden – wie der Rest der Konkurrenz in Europa auch – unter den Folgen der großen Krise und der Tatsache, dass diese nicht vorüber ist, sondern in den Konzernbilanzen weiterschwelt.

Was sind die Probleme? Da sind zum einen die schärferen regulatorischen Anforderungen. Zum Beispiel müssen die Banken mehr Eigenkapital vorhalten. Dies war eine Lehre aus der Finanzkrise, um die Institute vor Pleiten – und den Staat vor Rettungsaktionen – zu schützen. Gleichzeitig aber verderben die neuen Regeln viele riskante Geschäfte, die Zeiten hoher Renditen sind vorüber. Die Commerzbank zieht sich daher schrittweise aus dem Investmentbanking zurück, die Deutsche Bank baut es kräftig ab.

Milliarden-Strafen bezahlt

Daneben kosten Rechtsstreitigkeiten die Geldhäuser Milliarden. So hat die Deutsche Bank laut Finanzdienst Bloomberg bereits acht Milliarden Euro für Strafen und Vergleiche ausgeben müssen, weitere 5,5 Milliarden sind zurückgelegt. Auch diese Kosten sind ein Erbe des großen Crashs. So fordern die US-Behörden laut Medienberichten von dem Institut 14 Milliarden Dollar als Ausgleich für unsaubere Geschäfte mit Hypothekenkrediten vor der Krise, die die vergangenen Sünden der Banken nach oben gespült hat.

Größtes strukturelles Problem der Finanzinstitute sind jedoch die niedrigen Zinsen. Sie sollen zwar Unternehmen und Haushalte zur Kreditaufnahme bewegen und so die Konjunktur stützen. Gleichzeitig aber ruinieren sie das Geschäftsmodell der Banken, die vom Zinsertrag leben. Vordergründig ist an der Lage die Europäische Zentralbank (EZB) schuld. Der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt wetterte daher gegen die EZB und ihr „aggressive, unkonventionelle und völlig unerprobte Geldpolitik“.

Doch reagiert die EZB nur auf eine Lage, die ein Ökonom kürzlich die „neue Zerbrechlichkeit“ genannt hat. Die Zentralbanker registrieren einen „Schuldenüberhang“ in Europa. Unternehmen, Staaten und private Haushalte sind tief in den roten Zahlen. Viele Schuldner können ihre Kredite nicht mehr bedienen, Europas Banken schieben einen Berg von 900 Milliarden Euro an faulen Darlehen vor sich her. Das bedeutet: Die Geldinstitute haben zu viele Kredite vergeben. Die niedrigen Zinsen ermöglichen vielfach die Bedienung der Kredite, verhindern so fällige Unternehmenspleiten und eine neue Bankenkrise, ohne allerdings das grundsätzliche Problem zu lösen.

Gnadenlose Verdrängung

Was die Schuldner plagt und die Kredite faulen lässt, ist das schwache Wirtschaftswachstum in Europa – und nicht nur dort. In Großbritannien, den USA und Japan kämpfen sie mit ähnlichen Problemen. Alle drücken daher das Zinsniveau auf Rekordtief und ermöglichen so ein Wirtschaftsleben im dauerhaften Krisenmodus.

Das geschrumpfte Geschäftsfeld der Banken führt in Deutschland nun zu einer gnadenlosen Verdrängungskonkurrenz, die Preise und Gebühren drückt und sich in die Bankerträge frisst. Wie die Commerzbank zielt nun auch die Deutsche Bank auf die gehobenen Privatkunden und den Mittelstand. Sparkassen und Volksbanken buhlen ebenfalls um Kunden. „Es gibt zu viele Banken“, klagte bereits vor Wochen Cryan. In die Verdrängungskonkurrenz steigen nun auch noch die sogenannten Fintechs ein – kleine Start-ups, die im Internet automatisierte Finanzdienstleistungen für wenig Geld anbieten.

Um die Kosten zu drücken, bauen beide Institute Tausende Stellen ab, die Deutsche Bank will die Postbank loswerden und hat nun die britische Lebensversicherungstochter an Phoenix Life verkauft – mit hohem Verlust, der mit 800 Millionen Euro zu Buche schlägt. Ob das die Bank rettet, ist offen. „Wenn diese Situation anhält, steigen die Risiken einer Krise“, warnt Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Nach Informationen der „Zeit“ arbeitet die Bundesregierung daher an einem Konzept für den Fall einer Schieflage – was der Bund umgehend dementierte. Überleben muss die Deutsche Bank allerdings auf jeden Fall. Schließlich verfügt sie über Anlagen von 1,8 Billionen Euro, ungefähr halb so viel wie die deutsche Wirtschaftsleistung. (mit dpa)

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