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Lebensraum Amazonas: Ein Jaguar-Junges hat sich vor einer Flut auf einen Baum gerettet.

Brasilien

Kahlschlag am Amazonas

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Agrar- und Holzfirmen haben in Brasiliens Regenwald gewütet wie lange nicht mehr ? das führen Beobachter auf den Wahlkampf des neuen Präsidenten Bolsonaro zurück.

Der Amazonas-Regenwald gilt als Klimamaschine des Globus, und er ist durch seine gigantische Holzmasse der größte CO2-Speicher der Welt. Doch bereits ein Fünftel seiner ursprünglichen Fläche ist in den vergangenen Jahrzehnten gerodet und abgebrannt worden. Und nun kommen weitere schlechte Nachrichten von dort. Die Entwaldungsrate ist im vergangenen Vierteljahr deutlich angestiegen – allein von August bis Oktober sind nach Angaben des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (Inpe) 1674 Quadratkilometer Wald verloren gegangen – das entspricht fast der doppelten Fläche Berlins. Und die weiteren Aussichten sind düster.

In Wahljahren kennt man das in Brasilien. Die Entwaldungsraten steigen in den Amazonas-Regionen – illegale Waldfäller und Brandroder vertrauen darauf, dass die örtlichen Politiker, die versprechen, nach der Wahl bisher geschützte Zonen zu öffnen und die Umweltgesetzgebung lockerer zu handhaben, sie ungeschoren lassen. Diesmal allerdings schlugen die Holz- und Agrarfirmen besonders kräftig zu, wie das Weltrauminstitut im Auftrag des britischen Online-Magazins „Climate Home“ ermittelte. Die Auswertung von Satellitenbildern ergab, dass in den betroffenen Gebieten fast 50 Prozent mehr Wald verschwand als in der gleichen Periode 2017. Vor allem die Umwandlung von Wald in Weideland nahm stark zu.

Bolsonaros Anti-Umwelt-Linie

Beobachter ziehen eine direkte Linie zu den Wahlkampf-Ankündigungen des neuen ultrarechten Präsidenten Jair Messias Bolsonaro, der vor drei Wochen einen klaren Sieg gegenüber seinem Konkurrenten Fernando Haddad von der Arbeiterpartei PT einfuhr. Der Klimaleugner hatte versprochen, den Amazonas-Regenwald für die Wirtschaft zu „öffnen“ und den Naturschutz zurückzufahren. Bolsonaro, auch „Tropen-Trump“ genannt, will die Rodungen weiter vorantreiben, die nach einem Rückgang bis zum Jahr 2012 zuletzt immer neue Höchststände erreichten. Die Hauptgründe für Abholzung und Brandrodung sind der Flächenbedarf für Viehzucht und Sojaanbau, außerdem werden viele Tropenbäume illegal gefällt, um mit dem teuren Holz viel Geld zu verdienen. Bolsonaros Pläne beinhalten zudem die Öffnung von Territorien indigener Stämme für den Bergbau und den Bau einer Autobahn durch den Regenwald.

Generell hatte Bolsonaro angekündigt, dass die Umweltgesetzgebung zurückgefahren werden soll und die Regierung kein Geld mehr für Naturschutzgebiete zur Verfügung stellen will. Umweltorganisationen sollten verboten oder des Landes verwiesen werden, es würden „Säuberungen“ durchgeführt.

Zur Anti-Umwelt-Linie passt, dass der neue Präsident in der vorigen Woche mit Ernesto Araújo nun auch einen bekennenden Klimaleugner zum Außenminister berufen hat, der in dieser Funktion quasi auch oberster Klimadiplomat seines Landes bei den UN-Klimagipfeln ist. Araújo neigt wie der Präsident zu drastischer Wortwahl. So hat in einem Blog die angebliche „Kriminalisierung“ von Erdöl, Rindfleisch und Heterosexualität attackiert. Er sieht es als seine Mission, Basilien und der Welt zu helfen, „sich von der Ideologie der Globalisierung zu befreien“. Im Oktober äußerte er, es existiere eine von linken Politikern erfundene „Ideologie des Klimawandels“ und ein „wissenschaftliches Dogma“ dazu. Dessen Ziel sei es, „das Wirtschaftswachstum in den demokratischen kapitalistischen Ländern zu bremsen und Chinas Wachstum zu fördern“. Ganz ähnlich hatte sich auch US-Präsident Donald Trump in einem älteren Tweet geäußert.

Bolsonaro hat inzwischen zwar seine Wahlkampf-Ankündigung revidiert, als Präsident aus dem Pariser Weltklima-Abkommen auszusteigen – und damit Trumps Linie zu folgen. Als eine Entwarnung in Bezug auf den Klimaschutz darf das jedoch nicht verstanden werden. Ebenso nicht, dass Brasilien sich jüngst offiziell um die Ausrichtung des turnusmäßigen UN-Klimagipfels im Herbst 2019 beworben hat. Die Berufung von Araújo spricht klar dagegen. Eher dürfte es, falls das Land den Zuschlag erhält, darum gehen, die Verhandlungen im eigenen Sinne zu beeinflussen. Die nächste UN-Klimakonferenz findet im Dezember in Polen statt. Warschau gilt ebenfalls als Bremser in den internationalen Verhandlungen.

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