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Vorstandschef Joe Kaeser: ziemlich unter Druck.

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Kaeser beim Wort nehmen

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Es ist legitim, den Siemens-Chef beim Thema Nachhaltigkeit beim Wort zu nehmen und einen Zeitplan zum Umbau des Siemens-Portfolios zu verlangen. Der Kommentar.

Vor kurzem noch konnte Siemens sich ohne großen Widerspruch als grüner Vorzeigekonzern inszenieren. Massive Proteste von Klimaaktivisten haben das in Rekordzeit geändert und den Konzern zum Klimakiller abgestempelt. Ausgerechnet Siemens mit seiner oft stromsparenden Technologie, mit dem grünen Windkraftgeschäft, mit einem Konzernchef Joe Kaeser, der versprochen hat, alle Fabriken bis 2030 klimaneutral zu machen. Aber es gibt auch ein anderes Siemens, eines, das Kohlekraftwerke ausrüstet, auf Gas als Brückentechnologie setzt, und eines, das einer neuen riesigen Kohlemine in Australien Technik zuliefert.

Letzteres hat Klima- und Umweltaktivisten von Greenpeace über Fridays for Future bis Extinction Rebellion auf den Plan gerufen. Als globale Marke eignet sich Siemens perfekt als Feindbild. Aufmerksamkeit ist gewiss. Die hat das Thema Klimawandel allerdings auch nötig, schon weil die Politik bei dessen Bekämpfung immer öfter versagt. So wie es aussieht, ruhen die realistischsten Hoffnungen, es besser zu machen, auf Unternehmen. In der Finanzwelt haben sich einige davon zu echten Vorreitern gemacht.

Die Assekuranzriesen Allianz und Munich Re versichern Kohleindustrien nicht mehr. Was noch schwerer wiegt, sie investieren als große Kapitalanleger auch nicht mehr in Kohle. Gut 60 Konzerne haben Geschäfte mit dem indischen Adani-Konzern, der die Kohlemine in Australien baut, im Gegensatz zu Siemens abgelehnt. Wenn dann auch noch der Chef des mächtigen US-Finanzinvestors Blackrock, Larry Fink, den Bossen dieser Welt öffentlich nahelegt, Klimaschutz ernst zu nehmen, kommt eine Zeitenwende in Gang.

Nun ist es für Finanzkonzerne sicher einfacher, sich radikalem Kampf gegen den Klimawandel zu verschreiben, als für einen Konzern wie Siemens, der traditionell in großem Stil Turbinen für Kohle- und Gaskraftwerke baut oder wartet und so Laufzeiten verlängert. Würde sich Siemens heute von diesem Geschäft abwenden, stünden morgen Zehntausende Arbeitslose auf der Straße.

Doch es ist legitim, Kaeser beim Thema Nachhaltigkeit beim Wort zu nehmen und einen Zeitplan zum Umbau des Siemens-Portfolios zu verlangen. Derart mit Klimaaktivisten ins Gespräch zu kommen, könnte dem Klima wirklich helfen.

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