Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schnell zum nächsten Lieferort: In der Pandemie haben Deliveroo-Kurierinnen und -Kuriere mächtig zu tun.
+
Schnell zum nächsten Lieferort: In der Pandemie haben Deliveroo-Kurierinnen und -Kuriere mächtig zu tun.

Deliveroo

Känguru auf dem Sprung

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
    schließen

Der defizitäre Londoner Online-Lieferdienst Deliveroo will an die Börse.

Die Gig-Economy beschert London den größten Börsengang des vergangenen Jahrzehnts. Der Online-Lieferdienst Deliveroo mit dem markanten Känguru-Emblem soll den Berechnungen seiner Investmentbankerinnen und -banker zufolge durch den Erstverkauf von 384 Millionen Aktien Anfang nächsten Monats eine Kapitalisierung von bis zu 8,8 Milliarden Pfund (10,2 Milliarden Euro) erzielen. Damit hätte das 2013 in der britischen Hauptstadt gegründete und bis heute ausschließlich Verluste erzielende Unternehmen einen höheren Börsenwert als die Einzelhandelsriesen J Sainsbury und Marks&Spencer zusammen. Er sei stolz darauf, „in London an die Börse zu gehen, wo Deliveroo gestartet ist“, sagte Firmengründer und -chef Will Shu.

Die Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan visieren einen Aktienpreis zwischen 3,90 und 4,60 Pfund an. Von den im besten Fall erzielten 1,77 Milliarden Pfund soll rund eine Milliarde das Firmenkapital aufstocken. Der Rest geht an bisherige Investoren wie die Wagniskapitalfirma Index Ventures oder den Internet-Riesen Amazon. Zukünftige Aktionär:innen werden nach A und B unterschieden. Eignerinnen und Eigner von B-Aktien, angeführt von Shu selbst, erhalten für drei Jahre das 20-fache Stimmrecht von A-Aktionär:innen. Der Vorstandschef will 6,7 Millionen seiner Aktien verkaufen, was ihn auf einen Schlag um umgerechnet bis zu 36 Millionen Euro reicher machen wird.

Wie bei anderen Firmen der Gig-Economy beruht das Geschäftsmodell von Deliveroo auf einer Online-Plattform, mit der Daten gesammelt werden. Die hungrigen Kundinnen und Kunden sowie die beteiligten Restaurants bezahlen eine entsprechende Gebühr; die Kurier:innen, meist per Fahrrad oder Moped unterwegs, befördern die Warmhalte-Tasche als Geringentlohnte oder Selbstständige. Dadurch spart das Unternehmen die Sozialabgaben, die für ordentlich Beschäftigte fällig würden. Nach einem Konflikt mit Kurieren musste die konservative Regierung die Firma an den geltenden Mindestlohn von derzeit 10,13 Euro pro Stunde erinnern.

Das wohl bekannteste Gig-Unternehmen, die Taxiplattform Uber, erlitt vergangenen Monat einen schweren Rückschlag: Nach jahrelanger und hohe Kosten verursachender Prozessiererei verlor die Firma vor dem Supreme Court einen Musterprozess gegen 35 Taxifahrerinnen und -fahrer, die gegen ihre Scheinselbstständigkeit zu Felde gezogen waren. Schließlich diktiere Uber ihnen die Arbeitszeiten, verfüge ohne jede Konsultation geringere Einkommen und agiere auch sonst wie ein Arbeitgeber von Abhängigen, hatten die Kläger:innen argumentiert. Daraufhin kündigte das in San Francisco ansässige Unternehmen vergangene Woche an, Beschäftigte auf der Insel sollen fortan eine Einkommensgarantie, Urlaubsgeld und Rentenzahlungen erhalten.

Der Schritt dürfte den Druck auf vergleichbare Firmen der Gig- Economy erhöhen, mit den eigenen Leuten besser umzugehen. Allerdings haben Essenslieferfirmen wie Deliveroo oder auch Uber Eat bisher erfolgreich argumentiert, dass ihr Geschäftsmodell an entscheidender Stelle von der Taxibeförderung abweicht. Deliveroo-Kuriere könnten nämlich in Notfällen Kolleg:innen bitten, für sie einzuspringen; das sei bei wartenden Fahrgästen, die ein bestimmtes Fahrzeug gebucht haben, nicht möglich.

An der Londoner Börse LSE herrscht keineswegs nur Begeisterung über die geplante Gig-Bonanza in der Osterwoche. Der „Start einer aufregenden Reise“, von dem Deliveroos PR-Berater schwärmen, könne leicht verpatzt werden, maulen die Bedenkenträgerinnen und -träger – und verweisen auf die jährlich dreistelligen Millionenverluste in der Unternehmensbilanz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare