Justizministerin will echte Frauenquote

Deutsche Wirtschaft hinkt laut einer Studie bei der Gleichberechtigung hinterher

Frauen haben es in Deutschland immer noch schwerer als Männer. Im weltweiten Gleichberechtigungs-Ranking hat sich Deutschland zwar verbessert, das liegt aber vor allem an der Politik. Die deutsche Wirtschaft dagegen ist zurückgefallen. Die Justizministerin will sich das nicht mehr lange ansehen.

Angesichts einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern hat Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) die deutsche Wirtschaft scharf kritisiert und gesetzliche Konsequenzen angekündigt. „Es gibt in den allermeisten Bereichen genauso viele gut qualifizierte Frauen wie Männer. Es ist nicht akzeptabel, dass Frauen nur deshalb nicht zum Zuge kommen, weil sich traditionelle Vorstellungen darüber halten, wie Führungsetagen auszusehen haben. Dann muss der Staat eingreifen“, sagte Lambrecht dem Redaktion-Netzwerk Deutschland (RND).

Die gesetzlich vorgeschriebene Geschlechterquote in Aufsichtsräten habe gezeigt, dass eine staatliche Regulierung an dieser Stelle funktioniere. „Das Vorurteil, dass es nicht genügend qualifizierte Frauen gebe, hat sich nicht bestätigt. Deswegen müssen wir jetzt auch über eine Quote für die Vorstände nachdenken“, sagte die Justizministerin.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte bereits in der Vergangenheit angekündigt, den Druck auf Unternehmen erhöhen zu wollen. Bislang müssen sie ab einer bestimmten Größe lediglich einen Zielwert für den Frauenanteil im Vorstand melden. Häufig wird die Zielgröße „null“ genannt.

Damit wollen sich Giffey und Lambrecht nicht mehr abfinden. Sie arbeiten an einem Gesetzentwurf, der Sanktionen für Unternehmen vorsieht, die die Zielgröße „null“ melden und keine plausible Begründung nennen. Nach RND-Informationen soll der Entwurf Anfang 2020 vorliegen. Unklar ist, ob die Union eine Verschärfung der Frauenquote mittragen wird.

Laut der Studie „Global Gender Gap Report 2020“ des WEF hinkt die deutsche Wirtschaft bei der Gleichberechtigung von Männern und Frauen hinterher. Im internationalen Vergleich der Chancengleichheit im Berufsleben ist die Bundesrepublik in nur einem Jahr von Platz 36 auf Platz 48 abgerutscht. Männer verdienen nach wie vor besser als Frauen und üben häufiger Führungspositionen aus. In der Frage gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit liegt Deutschland international auf dem 68. Platz, bei der Machtverteilung in der Wirtschaft sogar nur auf dem 89.

Dass die Bundesrepublik im Gesamtranking trotzdem vergleichsweise gut abschneidet und von Platz 14 auf Platz zehn geklettert ist, liegt vor allem an der Politik. Dort machen Frauen immer häufiger Karriere. Heute seien 40 Prozent der Ministerposten in der Bundesrepublik mit Frauen besetzt, heißt es in der Studie.

Auf der Spitzenposition der globalen Gleichberechtigung landet zum elften Mal in Folge Island. Das Land habe die Lücke zwischen Männern und Frauen mittlerweile zu fast 88 Prozent geschlossen, urteilte das WEF. In Deutschland sind es demnach 78,7 Prozent. Weltweit habe die Gleichberechtigung zugenommen. Beim aktuellen Tempo werde es aber immer noch etwa 100 Jahre dauern, bis eine vollständige Parität erreicht sei.

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