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Nach 40 Jahren verlässt der Manager BASF.

Porträt

Jürgen Strube verlässt BASF

Fast zwei Jahrzehnte trug der gebürtige Bochumer die Verantwortung für die Geschicke der BASF. Nun ist die Ära Jürgen Strube beim weltgrößten Chemiekonzern zu Ende.

Mannheim/Ludwigshafen. Der Mann großer öffentlich zur Schau gestellter Emotionen ist Jürgen Strube nicht. Äußerlich gefasst nimmt der 69-Jährige die Dankesworte und besten Wünsche für die Zukunft entgegen. "Einen Rückblick über die vier Jahrzehnte, die ich für die BASF gewirkt habe, möchte ich Ihnen ersparen", sagt der bisherige Aufsichtsratschef vor den Aktionären.

Die Ära Strube ist beim weltgrößten Chemiekonzern seit Donnerstag zu Ende. Fast zwei Jahrzehnte trug er an vorderster Front Verantwortung für die Geschicke der BASF: Von 1990 bis 2003 als Vorstandschef, anschließend wechselte er auf den Chefposten im Aufsichtsrat. Nun ist nach 40 Jahren BASF offiziell Schluss.

Dass er ein sehr erfolgreicher Manager war, ist unbestritten. 2002 wurde Strube gar zum "Manager des Jahres" gekürt. In den Jahren davor hatte er die BASF kontinuierlich umgebaut und fit für die Zukunft gemacht. Geschäftsteile, die nicht mehr ins Konzept passten, wurden verkauft, vielversprechende Aktivitäten dazugekauft. Strube baute zum Beispiel das Erdgasgeschäft aus, das heute eine verlässliche Gewinnstütze für den Ludwigshafener Konzern ist. Das Pharmageschäft wurde dagegen abgestoßen.

"Jürgen Strube ist kein Gaglieferant", hat die "Zeit" vor zehn Jahren mal über den gebürtigen Bochumer geschrieben. Wenn man ihn neben seinem Nachfolger als Vorstandschef Jürgen Hambrecht stehen sieht, fällt der Unterschied besonders auf. Hier der braungebrannte, joviale Hambrecht, der schon mal für einen lockeren Spruch gut ist. Dort der etwas blassere Strube, der sehr nüchtern über die Dinge sprechen kann. Als Vorstandschef eines hippen Technologie-Unternehmens hätte man ihn sich nur schwer vorstellen können.

In den neunziger Jahren und auch im neuen Jahrtausend war er einer der einflussreichsten Wirtschaftslenker Deutschlands, vertreten in vielen Aufsichtsräten wichtiger Unternehmen wie BMW und Bertelsmann.Ein Mann, "der es überhaupt nicht leiden kann, wenn man viele Worte um nichts macht", wie Betriebsratschef Robert Oswald in seiner Würdigung sagt.

Als Kulturfreund gilt der Jurist, der nach dem Zweiten Weltkrieg der einzige Nicht-Chemiker auf dem BASF-Chefsessel war. Auch wenn er seinen Nachfolger Eggert Voscherau noch etwas einarbeiten wird und noch ein paar andere Aufsichtsratsmandate in der Wirtschaft hat, will sich der 69-Jährige künftig mehr seinem Privatleben widmen.Hambrecht gibt Strube warme Worte mit auf den Weg: "Sie waren und bleiben für uns ein großes Vorbild. Mit außerordentlichem Einsatz, eher leise, aber sehr bestimmt, haben Sie ein großes Kapitel der BASF-Geschichte federführend mitgeschrieben." (dpa)

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