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Besonders hart trifft es laut einer Studie die Händler.
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Besonders hart trifft es laut einer Studie die Händler.

Abwrackprämie

Dem Jubel folgt der Katzenjammer

Eine Studie sieht fast jeden zweiten Autohändler nach Ende der Abwrackprämie dem Ruin nahe. Die Konjunkturstütze wird zum Bumerang. Von Laura Frommberg

Von Laura Frommberg

Der Tag, an dem die Abwrackprämie ausläuft, rückt näher und näher. Und das mit einem rasanten Tempo: Von Donnerstag auf Freitag verminderte sich die Zahl der noch verfügbaren Zuschüsse um 20.000. Rund 70.000 Prämien gab es damit nur noch. Was danach kommt, bereitet vielen Experten Anlass zur Sorge.

Auch die Unternehmensberatung Roland Berger zeichnet in einer jüngsten Studie ein düsteres Szenario: Mehr als 90.000 Arbeitsplätze in der Automobilbranche seien in Gefahr.

Besonders hart soll es der Untersuchung zufolge die Automobilhändler treffen, jeder zweite müsse die Insolvenz fürchten. Und das, obwohl gerade diese Branche durch die Abwrackprämie höhere Absatzzahlen verbuchen kann als im vergangenen Jahr.

Doch gerade die Prämie, die das Geschäft zuerst angekurbelt hat, soll jetzt zum gefährlichen Bumerang werden, prophezeien die Autoren der Studie: "Wenn die Abwrackprämien auslaufen, bewegt sich das Insolvenzrisiko für die deutschen Automobilhändler auf etwa 30 bis 40 Prozent zu", sagt Ralf Landmann aus dem Kompetenzzentrum Automotive bei Roland Berger. Rund 30000 Jobs seien durch diesen Effekt im Automobilhandel gefährdet.

Axel Koblitz, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), nennt die von der Unternehmensberatung veröffentlichen Zahlen dagegen eine "massive Überdramatisierung". Die Tendenz zu einem Rückgang der Beschäftigungszahlen und eine gewisse Anzahl an jährlichen Insolvenzen lasse sich aber nicht leugnen.

Auf die positiven Effekte im laufenden Jahr würden zwangsläufig negative im kommenden Jahr folgen: "2009 werden die Pkw-Neuzulassungen deutlich über 3,5 Millionen liegen, im nächsten Jahr werden es wohl deutlich weniger als drei Millionen sein", sagt Koblitz. "Es wird schwierig werden. Wir trauen aber der weit überwiegenden Zahl unserer Händler zu, damit fertig zu werden."

Dass es in Zukunft weniger Autohändler geben wird, erwartet der ZDK-Geschäftsführer auch. "Die Zahl der Betriebe wird, wie schon in den letzten Jahren, weiter zurückgehen." Allerdings sollte man dies seiner Ansicht nach nicht nur auf Insolvenzen zurückführen. Ursachen dafür könnten auch Übernahmen und freiwillige Zusammenschlüsse sein. Außerdem hätten nicht alle Händler gleichermaßen von der Abwrackprämie profitiert. "Bei den Mittelklasse- und Premiumwagen gab es keinen so gewaltigen Nachfrageschub." Daher werde nach Auslaufen der Abwrackprämien bei diesen Unternehmen der Knick in der Nachfragekurve geringer ausfallen oder sogar ganz ausbleiben.

Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht sich durch die Analyse der Unternehmensberatung bestätigt: "Für mich sind die Ergebnisse durchaus nachvollziehbar", so Lottsiepen, der entschiedener Gegner der Prämie ist. Diese habe eine künstliche Nachfrage geschaffen. Obwohl der Schub deutlich größer war als vom VCD erwartet, handle es sich dennoch nur um eine zeitliche Verschiebung des Nachfragelochs. Für Lottsiepen sind die von Roland Berger veröffentlichten Zahlen "mit Sicherheit nicht zu hoch gegriffen".

Als eine Art Puffer könnte aus Sicht des VCD-Experten das Dienstwagengeschäft wirken. "Wenn wir Glück haben, läuft es im kommenden Jahr wieder", so Lottsiepen. Er hofft, dass in dem Feld nun zunehmend auf umweltfreundlichere Wagen gesetzt wird.

Außerdem sollten die Autohäuser, die durch die Prämie ein Extra-Geschäft gemacht haben, ihre zusätzlichen Ersparnisse nun einsetzen, um Arbeitsplätze zu sichern, plädiert der VCD-Vertreter.

Auch die Fachleute der Unternehmensberatung bringen Handlungsvorschläge ein, um die Folgen des Nachfrageeinbruchs abzufedern. Das Händlernetz sollte neu geordnet werden. Momentan sei die Netzdichte zu hoch, das heißt, zu viele Händler befinden sich am Markt. Roland Berger schlägt vor, durch Zusammenschlüsse und Übernahmen die Dichte um 15 bis 20 Prozent zu reduzieren und so größere und leistungsfähigere Händler zu schaffen, die außerdem mit niedrigeren Kosten belastet wären. Um bis zu zwölf Prozent könne man durch Konzentration allein die Kosten des Vertriebs mindern, meint Roland Berger.

Mit den Vorschlägen der Unternehmensberatung stimmt ZDK-Geschäftsführer Koblitz im Großen und Ganzen überein - auch wenn das dramatische Ausgangsszenario für ihn eher "Prophetie" ist. Zusammenschlüsse findet er zumindest auf regionaler Ebene sehr sinnvoll. Sein Appell an die Hersteller: "Nicht auf Halde produzieren." Jetzt komme es darauf an, den Kundenwünschen gerecht zu werden, anstatt Autos herzustellen, die keiner bestellt hat. Ein Fels in der Brandung sei momentan das Werkstattgeschäft. "Hier werden größtenteils auch noch schwarze Zahlen geschrieben", sagt Koblitz.

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