Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die US-Großbank zahlt eine Rekordsumme für dubiose Immobiliendeals im Vorfeld der Finanzkrise.
+
Die US-Großbank zahlt eine Rekordsumme für dubiose Immobiliendeals im Vorfeld der Finanzkrise.

JPMorgan Finanzkrise

JPMorgan kauft sich frei

  • VonStephan Kaufmann
    schließen

Die US-Großbank JPMorgan zahlt eine Rekordsumme von 13 Milliarden Dollar für dubiose Immobiliendeals im Vorfeld der Finanzkrise. Eine Schuld gesteht die Bank damit jedoch nicht ein.

Die US-Großbank JPMorgan zahlt die Rekordsumme von 13 Milliarden Dollar, um ihren Streit mit den amerikanischen Behörden beizulegen. Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Anleger bei Geschäften mit Hypothekenpapieren über den Tisch gezogen zu haben. Nun hat man sich auf einen Vergleich geeinigt. Ein Schuldeingeständnis leistet die Bank jedoch nicht.

In den Jahren vor der US-Hypothekenkrise hatte JPMorgan von anderen Banken vergebene Hauskredite gebündelt und in Wertpapiere verpackt, die durch die Kredite besichert waren. Diese Wertpapiere wurden anschließend an internationale Investoren verkauft.

In den Jahren 2008 und 2009 wurden viele dieser  Papiere jedoch wertlos, die Krise brachte das Weltfinanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs. Allein die US-Regierung musste die amerikanischen Banken mit über 240 Milliarden Dollar unterstützen.

US-Behörden sehen sich bestätigt

Präsident Barack Obama gründete daher Anfang 2012 einen Arbeitsstab, um sich ein Teil des Geldes von den Banken zurückzuholen. Wie auch der Bank of America, so wird auch JPMorgan vorgeworfen, den Anlegern die volle Wahrheit über einen Teil der Immobilienkredite verschwiegen zu haben. Tatsächlich seien einige der Kreditnehmer weniger finanzstark gewesen als angegeben. In der Folge konnte JPMorgan seine kreditunterlegten Wertpapiere zu überhöhten Preisen verkaufen.

Die Vorwürfe richten sich an JPMorgan wie auch an die Konzerntöchter Washington Mutual und Bear Stearns, die die Bank im Zuge der Krise aufgekauft hatte. „Wir wurden gebeten, diese strauchelnden Institute zu übernehmen“, verteidigte sich JPMorgan-Chef Jamie Dimon, „wir hätten nie gedacht, dass das solche Konsequenzen haben würde.“

13 Milliarden Dollar sind der höchste Betrag, der je in den USA bei einem Vergleich von einem einzelnen Unternehmen gezahlt werden musste. Die US-Behörden sehen sich nun durch den Vergleich in ihrem Verdacht bestätigt. Mitarbeiter der Bank hätten regelmäßig und wissentlich Produkte an Investoren verkauft, die von schlechterer Qualität gewesen waren als angegeben, teilte die US-Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. „Ohne Zweifel hat das hier aufgedeckte Verhalten dazu beigetragen, die Saat für den Kollaps an den Hypothekenmärkten zu legen“, erklärte Justizminister Eric Holder. Dagegen sagte JPMorgan-Finanzchefin Marianne Lake, die Bank habe in dem Vergleich keinerlei Gesetzesverstöße zugegeben.

Tatsächlich findet sich in den bislang veröffentlichten Unterlagen zu dem Vergleich kein explizites Schuldeingeständnis. JPMorgan gibt lediglich zu, einige seiner Angestellten hätten „Informationen erhalten, dass in bestimmten Fällen Kredite nicht mit den Richtlinien der Banken, die die Wertpapiere verkauften, übereingestimmt haben“ und dass JP Morgan diese Informationen nicht mit den Investoren geteilt habe.   Damit gibt die Bank jedoch nicht zu, dass sie diese Informationen für zutreffend gehalten oder dass sie  diese Informationen bewusst verschwiegen hat.

Ein Schuldeingeständnis hätte für JPMorgan unvorhersehbare Konsequenzen gehabt. Denn zwar hat die Bank nun die meisten ihrer Rechtsstreits mit den US-Behörden beigelegt. Klagen von Privatanlegern oder mögliche strafrechtliche Konsequenzen stehen aber noch aus. Zudem laufen weitere Untersuchungen gegen die Bank wegen ihres China-Geschäfts, ihren Geschäftspraktiken im Ölmarkt und ihrer Rolle in der Pleite des Finanzbetrügers Bernard Madoff.

Von den 13 Milliarden Dollar aus der Vergleichszahlung gehen neun Milliarden an staatliche Stellen, allein zwei Milliarden an das Justizministerium und 515 Millionen an die Kreditversicherungsbehörde FDIC. Der Bundesstaat New York erhält 614, Kalifornien 300 Millionen. Mit weiteren vier Milliarden Dollar unterstützt JPMorgan Hypothekenschuldner durch Zinssenkungen oder Schuldenstreichungen.

Größtes Risiko los

JPMorgan wiederum ist mit der Vergleichszahlung  nun sein größtes Risiko los. Gleichzeitig überfordert die Zahlung die Bank nicht. Insgesamt hat JPMorgan bereits 23 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten beseite gelegt. Diese Rücklagen führten im dritten Quartal 2013 zum ersten Quartalsverlust unter der Regie von Bank-Chef Dimon. Am Ende wird der Vergleich laut Experten die Bank wohl nur neun Milliarden kosten, da der Rest steuerlich absetzbar ist. Im Anschluss an die Bekanntgabe des Vergleichs stieg die JPMorgan-Aktie am Dienstag um 0,7 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten hat sie um 38 Prozent zugelegt.

Die sechs größten US-Banken hatten nach Berechnungen der Finanzagentur Bloomberg mehr als 100 Milliarden Dollar für Vergleiche, Strafzahlungen und Anwaltskosten reserviert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare