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Schlecht bezahlter Knochenjob: Arbeit im Schlachthof.

Schlachthhof

Mehr ausländische Beschäftigte in der deutschen Fleischindustrie

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Regierung: Fleischindustrie mit immer mehr Beschäftigten aus dem Ausland.

Die Fleischbranche in Deutschland setzt zunehmend auf Beschäftigte aus dem Ausland. Das geht aus der Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Demnach hat sich der Ausländeranteil an den Beschäftigten in der Branche seit 2008 mehr als verdreifacht – von rund neun Prozent auf 28 Prozent.

Mitte 2008 hatte es in der Branche 182 170 Beschäftigte gegeben, Ende Juni 2018 waren es 189 317. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten in der deutschen Fleischindustrie von 16 767 auf 53 478. Das entspricht einem Plus von 219 Prozent.

2018 hatte etwa jeder zweite der bundesweit rund 36 700 Schlachthof-Mitarbeiter keinen deutschen Pass. In der Fleischverarbeitung lag der Ausländeranteil bei 23 Prozent. Das mittlere Einkommen von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in der gesamten Branche lag 2018 bei 2058 Euro, in der Gesamtwirtschaft waren es dagegen 3209 Euro.

Die Regierungsantwort enthält keine Angaben zur Bedeutung von Leiharbeit und Werkverträgen in der Branche. Das Arbeitsministerium erklärt, dazu würden keine Informationen vorliegen.

Bundesregierung soll Verantwortung übernehmen

Linken-Arbeitsmarktexpertin Jutta Krell forderte die Bundesregierung, Konsequenzen zu ziehen. „Schlechte Bezahlung, miese Arbeitsbedingungen und ein unglaublich harter Job – dabei können wir nur einen kleinen Teil des Elends in der Fleischindustrie sehen. Was die amtliche Statistik zeigt, ist schlimm genug“, sagte die Bundestagsabgeordnete dem RND. „Die Selbstverpflichtungen der Branche bringen kaum etwas. Männer aus Osteuropa schuften für wenig Geld, damit die Profite der Fleischkonzerne sprudeln.“ Dabei würden viele Tausend Beschäftigte mit Werkverträgen von der amtlichen Statistik gar nicht erfasst: „So können die Behörden die Augen vor der Misere verschließen.“

Krellmann sagte, die Bundesregierung müsse Verantwortung übernehmen und Scheinwerkverträge verbieten. „Dafür brauchen wir eine Beweislastumkehr: Arbeitgeber haben nachzuweisen, dass es in ihrem Betrieb keine Scheinwerkverträge gibt, die Kernarbeit ersetzen“, so die Linken-Politikerin. „Der Staat muss endlich überwachen, dass die Arbeitgeber alle Schutzgesetze einhalten. Deshalb brauchen wir mehr Kontrollpersonal bei Zoll, Arbeitsschutzbehörden und Gewerbeaufsicht.“

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