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Von Jesus lernen heißt die Zinspolitik der EZB nicht zu kritisieren.

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Von Jesus lernen

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Wie passt die heutige Kritik an den Niedrig- und Negativzinsen ins christliche Bild? Das vermeintliche Recht auf „mehr Geld aus Geld“ ist unchristlich und tief in den Herzen verankert. Die Gastwirtschaft.

Heute ist „Gründonnerstag“, Tag des letzten Abendmahls Jesu mit seinen Jüngern, bevor er verraten und ans Kreuz geschlagen wurde … und wieder auferstand. Die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu hat eine solche Wirkung entfaltet, dass das Christentum zur größten Weltreligion geworden ist. 75 Prozent der Europäer sind Christen und immer noch sehen sich viele in der Wertegemeinschaft eines „christlichen Europa“. Doch sind wir nicht wieder dabei, Jesus zu verraten?

Ich bin nicht besonders bibelfest, aber die Geschichte von der Tempelreinigung hat mir immer imponiert. Das Auflehnen Jesu gegen die profitablen Geld- und Opfergeschäfte im Gotteshaus gilt vielfach als Auslöser der Passionsgeschichte. Er stellte deren moralische Legitimation öffentlich infrage und löste damit sein eigenes Todesurteil aus. Jesus predigte stattdessen: „Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen. Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ (Luk. 6, 34-35)

Wie passt da die heutige Kritik an den Niedrig- und Negativzinsen ins christliche Bild? Anlässlich der letzten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank wurde wieder mal die angebliche „Enteignung der Sparer“ beklagt. 15 Milliarden Euro an Zinseinnahmen würden den deutschen Sparern jährlich entgehen, so der Sparkassen-Präsident: „Wir reißen durch diese niedrigen Zinsen ein Loch in die Altersvorsorge der Sparer.“

Das vermeintliche Recht auf Zinsen, auf „mehr Geld aus Geld“, ist tief in den Köpfen und Herzen verankert. Andere die eigenen Zinsgewinne erarbeiten zu lassen, das gehörte während der letzten Jahrzehnte zur Doppelmoral des „christlichen Europa“. Und die meisten, die dachten zu profitieren, merkten nicht einmal, dass sie dafür an anderer Stelle mehr draufzahlten, versteckt in Preisen, Steuern und Abgaben.

Jetzt, wo dieser zweifelhafte Mechanismus langsam zum Auslaufmodell wird, wollen viele immer noch zurück zur „Normalität“ höherer Zinsen; andere setzen auf Aktien, Immobilien und Rohstoffe. Wie heuchlerisch kann man eigentlich sein?

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