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Amazon-Gründer Jeff Bezos hat ein geschätztes Vermögen von 112 Milliarden Dollar.

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Jeff Bezos ist reichster Mann der Welt

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Amazon-Gründer Jeff Bezos hat den langjährigen Forbes-Spitzenreiter Bill Gates von dessen Rang verdrängt. Sein geschätztes Vermögen setzt einen neuen Rekord.

An Zuschreibungen verschiedener Art mangelt es nicht. Die US-Zeitschrift Fortune hat ihn vor Jahren als „ultimate Disrupter“ bezeichnet, als den ultimativen Zerstörer. Der Internationale Gewerkschaftsbund verlieh ihm 2014 den Titel „Schlechtester Chef der Welt“. Das Magazin „Forbes“ hat ihn nun auf den ersten Platz in der Liste der Milliardäre gesetzt und zum derzeit reichsten Menschen der Welt erklärt: Jeff Bezos, 54.

Das Vermögen des Amazon-Chefs wird von den „Forbes“-Redakteuren auf 112 Milliarden Dollar (91 Milliarden Euro) geschätzt. Es soll sich in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt haben. Der Grund: Bezos profitiert vom Höhenflug, den die Aktie seiner Firma hingelegt hat. Er ist nicht nur der Gründer und Chef, sondern mit einem Anteil von gut 16 Prozent auch der größte Aktionär von Amazon.

Mit nun 112 Milliarden Dollar knackt Bezos als erster Mensch die Grenze von 100 Milliarden Dollar Vermögen. Er liegt damit deutlich vor Microsoft-Gründer Bill Gates (90 Milliarden) und US-Investor Warren Buffett (84 Milliarden), die seit Jahren zu den Stammgästen auf den ersten drei Plätzen der „Forbes“-Liste gehören.

Bezos ist ein Vorbild für viele Gründer in der Internet-Ökonomie. Zunächst studiert er emsig an der Elite-Uni in Princeton Elektro- und Informationstechnik und macht seinen Abschluss mit Bestnoten. Es folgen Jobs bei einem Mobilfunkunternehmen und einem Vermögensverwalter.

Mit 30 macht er sich selbstständig und handelt mit dem, was sich online am einfachsten verkaufen lässt: Bücher. Ein Volltreffer. Bereits im zweiten Monat erzielt Amazon einen Umsatz von stattlichen 20 000 Dollar pro Woche.

Der Name des Unternehmens ist vom gigantischen Fluss Amazonas abgeleitet, was von vornherein Bezos’ Ambition klarmacht: Dass er nämlich einen gigantischen Warenfluss organisieren will. Eigentlich sollte der Firmenname noch eindeutiger werden, nämlich Relentless, was unermüdlich, aber auch unbarmherzig bedeutet. Freunde von Bezos sollen davon abgeraten haben, wohl weil es zu aggressiv rüberkommt.

Doch unermüdlich und unbarmherzig ist Bezos tatsächlich. Zuerst fallen ihm Tausende von kleinen, feinen Buchhandlungen weltweit zum Opfer, dann viele weitere Ladengeschäfte. Er baut seine Sortimente aus und erhöht dadurch die Zahl der Kunden. Der Amazon-Chef hat ein Grundprinzip des Internets früh erkannt: Dort, wo schon viele sind, kommen noch mehr Kunden hin. Deshalb hat Bezos die Expansion unermüdlich vorangetrieben und dabei über lange Zeit auch hohe Verluste hingenommen. Auf seinem Weg zum König des Onlinehandels reagiert er auf Betriebsräte, die etwa in seinen Logistikzentren arbeiten, höchst allergisch, er hält sie für Störfaktoren im unerbittlichen Kampf um Marktanteile.

Es ist inzwischen schwer überschaubar, wo und wie Amazon überall aktiv ist. Der Konzern gehört zu den größten Anbietern für gestreamte Filme und Musik. Er baut Roboter für seine Logistikzentren. Nebenbei ist die Tochter AWS einer der weltweit größten Betreiber von Rechenzentren geworden. Jetzt will Bezos offenbar Girokonten für seine Kunden einrichten. Und der lang geplante Einstieg ins Gesundheitswesen soll 2018 kommen. Stillstand ist Rückschritt – der vielzitierte Slogan trifft auf Bezos wirklich zu. Anleger vertrauen ihm mittlerweile blind, deshalb ist die Amazon-Aktie derartig steil geklettert und Bezos so unermesslich reich geworden. Er steht damit symbolisch für einen Internetkapitalismus, der einige wenige enorm reich macht.

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