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Jedes sechste Spielzeug ist gefährlich

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Von: Nadja Erb

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Trotz neuer EU-Richtlinie sind noch immer viele Spielzeuge mit Schadstoffen belastet.
Trotz neuer EU-Richtlinie sind noch immer viele Spielzeuge mit Schadstoffen belastet. © dpa

Sie enthalten giftige Stoffe, brechen auseinander oder können strangulieren: Die Stiftung Warentest hat 40 Spielzeuge getestet - mit teilweise erschreckenden Ergebnissen. Auch Markenware schneidet schlecht ab.

Die Hälfte der getesteten Puppen, Ritter, Tierfiguren und Fahrzeuge schneidet in punkto Sicherheit "sehr gut" oder "gut" ab. Darunter sind bekannte Marken wie Lego, Haba, Playmobil und Schleich. Die Tester prüften dabei nicht nur, ob Kleinteile verschluckt werden könnten, die Geräte leicht in Flammen aufgehen oder die vorgeschriebenen Warnhinweise vermissen ließen. Auch auf giftige Schadstoffe hin wurden die Produkte untersucht.

Dabei fielen sieben Spielzeuge komplett durch. So erhielt das Puppendoktor-Set "You & Me Werd' wieder gesund" von Toys'R'Us die Note "mangelhaft", weil sich kleine Kinder mit dem Schlauch des Stethoskops strangulieren könnten. Ein Traktor mit Pferdeanhänger der Firma Ostheimer scheitert in der Prüfung, weil Teile abbrechen, die von Kleinkindern verschluckt werden könnten. In beiden Fällen fehlen die vorgeschriebenen Warnhinweise.

Krebserregende Stoffe

Auch Markenware schneidet schlecht ab: Unter den fünf wegen ihrer Schadstoffbelastung mit "mangelhaft" bewerteten Spielzeugen ist eine Eisenbahn des Herstellers Brio. Die Metallräder der Lokomotive setzen laut Stiftung Warentest Nickel frei, das Allergien auslösen kann. Zudem enthielt der Lack zinnorganische Verbindungen, die das Immunsystem schädigen können oder die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, und PAK, spezielle Kohlenwasserstoffe, die unter anderem Krebs erregen können. Auch beim Modellzug von Tedi wurden diese Stoffe nachgewiesen, ebenso bei dem grünen Ritter von Simba samt Angriffsturm und bei der Kidz-Only-Puppen von Galeria Kaufhof. Eine Eisenbahn von Eichhorn enthielt gefährliche Weichmacher.

Andere Spielzeuge erhielten zwar nicht die schlechteste Note, erwiesen sich aber dennoch nicht als völlig unbedenklich. So enthielten sieben der elf getesteten Puppen Nonylphenol, einen Stoff, der das Hormonsystem beeinflusst und für Wasserorganismen sogar giftig ist.

Behörde fordert Spielzeug-TÜV

Angesichts solcher Ergebnisse fordert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einen Spielzeug-TÜV. "Deutschland hatte eine solche unabhängige Sicherheitsprüfung auf EU-Ebene gefordert", sagt Sprecherin Miriam Ewald. Mit dem CE-Zeichen erkläre der Hersteller, dass sein Produkt die Sicherheitsanforderungen erfülle. "Das reicht nicht aus. Hersteller können ihre Produkte freiwillig untersuchen und von einem zertifizierten Prüfinstitut mit einem Siegel auszeichnen lassen."

Auch die chemischen Anforderungen an Spielzeug, die in der seit Juli geltenden EU-Richtlinie geregelt sind, gehen aus Sicht des BfR nicht weit genug. "So genannte CMR-Stoffe, also Stoffe, die Krebs erzeugen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung beeinträchtigen können, sollten eigentlich nicht in Spielzeug verwendet werden", so Ewald. "Eine Ausnahmeregelung erlaubt aber, dass trotzdem für viele solcher Stoffe Gehalte bis zu 1000 Milligramm pro Kilogramm zulässig sind." Was die Grenzwerte für fünf Schwermetalle angehe, die auch bisher schon geregelt waren, so lägen diese nun höher. Aber: "Blei kann die Intelligenzentwicklung von Kindern selbst in sehr niedriger Dosis negativ beeinflussen. Es gehört deshalb nicht in Spielzeug."

Stiftung Warentest empfiehlt daher, sich beim Kauf von Spielzeug auch auf seine Sinne zu verlassen: reiben, riechen, wackeln, ziehen - und liegen lassen, wenn der Geruch unangenehm ist, die Farbe abblättert oder Teile leicht abgehen. Außerdem sollten besorgte Eltern unlackiertes Spielzeug lackiertem und harten Kunststoff weichem vorziehen.

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