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In Südeuropa gibt es immer mehr arme Menschen, wie hier in einer griechischen Suppenküche für Arme.

Armut

Jeder Vierte in Europa ist arm

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Die Armutsquote in Europa ist auf den Stand von 2008 gesunken. Doch in Ländern Südeuropas verschlechtert sich die Lage.

Die Armutsquote in der EU ist wieder auf den Stand von vor der Finanzkrise gefallen. Laut Statistikamt Eurostat lag der Anteil der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen 2015 bei 23,7 Prozent und damit so hoch wie 2008. Allerdings ist damit immer noch jeder Vierte Europäer arm. Zudem ist gerade in Südeuropa die Armut gestiegen.

Laut Eurostat sind Menschen armutsgefährdet, wenn sie ein geringes Einkommen erzielen, wenn sie in einem Haushalt mit hoher Arbeitslosigkeit leben oder wenn sie materiell sehr schlecht dastehen – also ihre Rechnungen nicht bezahlen, die Wohnung nicht angemessen beheizen oder sich keine einwöchige Urlaubsreise leisten können.

Verbesserungen in Osteuropa

Die Armutsquote in der EU erreichte 2012 mit fast 25 Prozent ihr bisheriges Hoch und liegt nun allerdings noch immer höher als zum Tiefststand 2009 (23,3 Prozent). In absoluten Zahlen hat sich die Situation verschlechtert: Eurostat zählt für das vergangene Jahr knapp 119 Millionen arme EU-Bürger, das sind drei Millionen mehr als 2008.

Am größten ist das Problem Bulgarien, dort sind mehr als 41 Prozent aller Menschen arm, in Rumänien 37 Prozent. Am anderen Ende der Skala liegen Tschechien und Schweden mit 14 und 16 Prozent. Deutschland belegt mit 20 Prozent einen Mittelplatz – seit 2008 ist die Armut hierzulande allerdings kaum gesunken und betrifft rund 16 Millionen Menschen.

Dass der Durchschnittswert für die EU seit Jahren sinkt, liegt vor allem an Verbesserungen in Osteuropa: Insbesondere in Polen, Rumänien und Bulgarien ist die Zahl armer Menschen stark zurückgegangen. In vielen Ländern dagegen ist ein Anstieg zu verzeichnen – so in Belgien, Dänemark, Niederlande, Schweden.

Stark hat sich die Lage in Südeuropa verschlechtert. Dort haben Krise und Sparprogramme eine Spur der Verwüstung hinterlassen. So ist die Zahl der Armen in Italien seit 2008 um zweieinhalb Millionen Menschen gewachsen, die Armutsquote beträgt nun fast 29 Prozent. In Spanien ist sie auf 28,6 Prozent gestiegen. Den tiefsten Fall erlitten die Haushalte in Griechenland, dort schoss die Armutsquote von 28,1 auf 35,7 Prozent.

Einkommensarmut ist allerdings ein relatives Maß: Als einkommensarm gilt ein Haushalt, wenn sein gesamtes Einkommen – inklusive Sozialleistungen – unter 60 Prozent des mittleren Einkommens in dem Land liegt. Ab welchem Einkommen jemand offiziell als arm klassifiziert ist, hängt also vom nationalen Einkommensniveau ab: In Deutschland ist das laut Eurostat der Fall, wenn ein alleinlebender Erwachsener weniger als 12 400 Euro pro Jahr – oder rund 1000 Euro pro Monat – zur Verfügung hat. In Italien liegt die Armutsgefährdungs-Schwelle bei nur 9500 Euro, in Spanien bei 8000 Euro und in Portugal bei 5060 Euro.

Ein extremer Fall ist abermals Griechenland. Hier ist die Armut drastisch gestiegen, obwohl die Schwelle, ab der man als arm gilt, gesunken ist: Galt ein Grieche vor acht Jahren mit jährlich 6500 Euro oder weniger als arm, so war dies 2015 erst ab einem Einkommen von 4500 Euro der Fall.

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