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Bunter Protest gegen die Olympischen Spiele in Tokio. rtr
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Bunter Protest gegen die Olympischen Spiele in Tokio. rtr

Rezession

Japan vor Olympia in Tokio: Gebrochene Versprechen

  • VonFelix Lill
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Japan steht vor einer Rezession. Wegen den Folgen der Corona-Pandemie, aber auch weil die Olympischen Spiele in Tokio viel teurer werden als geplant.

Die Zahlen waren schlecht, die Japans Regierung in der vergangenen Woche offenlegte: Um 5,1 Prozent ist die Volkswirtschaft des Landes im ersten Quartal eingesackt. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum hat der private Konsum, der mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, um 1,4 Prozent abgenommen. Auch eine leichte Zunahme der Exporte konnte das deutliche Minus für die gesamte Wirtschaft nicht verhindern.

Und das war nicht alles. Gleichzeitig teilte Tokio mit, dass Japan über das Jahr 2020 um real 4,6 Prozent geschrumpft ist. Dies markiert die stärkste Abnahme seit Beginn der statistischen Messungen im Jahr 1955. Zudem ist es das zweite Jahr in Folge, in dem das ostasiatische Land nach Abzug der Inflationsrate negatives Wachstum verzeichnet.

Wirtschaft in Japan: Sanft durch die Corona-Pandemie

Für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt könnte jetzt wieder eine Rezession bevorstehen. Dabei hatte man die Pandemie schon für ökonomisch weitgehend überwunden gehalten. Die Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Aktivitäten genoss von Anfang an hohe Priorität. So mussten Restaurants oder Karaokebars kaum schließen, sollten sich dafür an strengere Regeln halten, zum Beispiel den Verzicht auf Alkoholausschank am Abend.

Und lange Zeit schien es, als würde diese Strategie funktionieren. Bislang zählt Japan insgesamt nur rund 700 000 Infektionsfälle, etwa 12 000 Menschen sind gestorben – auf eine Bevölkerungszahl von 126,5 Millionen sind dies geringe Werte. Dennoch sind im demografisch alternden Japan die Krankenhäuser längst überlastet. In Osaka wurden Patientinnen und Patienten, die Intensivversorgung benötigt hätten, bereits nach Hause geschickt, weil es an Kapazitäten fehlte.

Japan „gleichzeitig auf Gas und Bremse“

„Japans Regierung hat in der Corona-Politik versucht, gleichzeitig aufs Gas und auf die Bremse zu treten“, kritisiert Katsuhiro Miyamoto, Ökonomieprofessor an der Kansai Universität in Osaka. „Klüger wäre es gewesen, möglichst früh zuerst auf die Bremse zu treten, die gesundheitspolitische Lage in den Griff zu bekommen, und erst danach wieder das Gas zu betätigen.“

Tatsächlich ist das Gegenteil geschehen. Ende letzten Jahres versuchte Premierminister Yoshihide Suga den Ausfall des Auslandstourismus dadurch zu kompensieren, dass inlandstouristische Reisen subventioniert wurden. Als daraufhin die Infektionsfälle anstiegen, stoppte die Regierung die Kampagne.

Wirtschaft in Japan: Hoffen auf Impfungen

Die wirtschaftspolitische Belebung fällt auch deshalb schwer, weil Japan beim Impfen deutlich hinter anderen Ländern liegt. Bis jetzt sind nur 2,2 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft worden, was maßgeblich das medizinische Personal betrifft. Erst am Montag der vergangenen Woche konnten sich ältere Personen für die ersten Massenimpfungen anmelden, die nun begonnen haben.

Wie schnell die Impfkampagne Wirkung zeigt, hängt nicht nur vom schnellen Handeln bisher äußerst langsamer Behörden ab. Auch die pünktliche Lieferung von Impfstoffen aus dem Ausland ist von zentraler Bedeutung. Angesichts all dieser Unsicherheiten halten es Fachleute für möglich, dass Japans Wachstum auch im zweiten Quartal negativ sein wird.

Sommerspiele in Tokio: Kosten kleingerechnet

Eigentlich hätte alles ganz anders laufen sollen. Ab dem 23. Juli sollen in der Hauptstadt Tokio die olympischen Sommerspiele starten. Die Organisatoren versprachen schon im Herbst 2013, dass Olympia einen ökonomischen Boom bringen würde. Grundlage für dieses Versprechen waren allerdings kreative Kalkulationen.

Zunächst wurden die Kosten kleingerechnet. Bei der Olympiabewerbung war noch von 6,6 Milliarden US-Dollar die Rede. Öffentliche Mittel sollten einen kleinen Teil der Kosten finanzieren. Den Großteil aber würden private Sponsoren stellen, hieß es damals. Viele Menschen in Japan glaubten daran. Bis zwei Jahre später eine Budgetkommission die Kosten auf 30 Milliarden schätzte.

Olympia in Japan: Verschiebung kostet viel Geld

Dem Ökonomen Katsuhiro Miyamoto fiel zudem auf, dass die Organisatoren auch die zu erwartenden Erträge von „Tokyo 2020“ gehörig aufgebläht hatten. Mit Effekten, die mit Olympia nichts zu tun hätten. „Zum Beispiel die Etablierung von 5G-Internet, Automatisierung und so weiter. So kamen sie auf Erträge von ungefähr 32 Milliarden US-Dollar.“ Miyamoto selbst schätzt die ökonomischen Effekte von Olympia auf ein Viertel davon.

Die pandemiebedingte Verschiebung der Spiele um ein Jahr auf Sommer 2021 führte dann zu Zusatzkosten von rund drei Milliarden US-Dollar. Und aus Gründen des Infektionsschutzes sind Fans aus dem Ausland längst ausgeschlossen, was auch die Erlöse drücken wird.

Im Juni wollen die Veranstalter entscheiden, ob die Stadien komplett leerbleiben müssen. Dass „Tokyo 2020“ der japanischen Wirtschaft zu einem Aufschwung verhelfen wird, behauptet mittlerweile niemand mehr.

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