Wichtige Handelspartner: Japans Premier Shinzo Abe reist in die USA, um weiter für gute Handelsbeziehungen zu werben.
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Wichtige Handelspartner: Japans Premier Shinzo Abe reist in die USA, um weiter für gute Handelsbeziehungen zu werben.

Exporte

Die Japan-AG schmeichelt sich bei Trump ein

  • vonFinn Mayer-Kuckuk
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Die Exporte sind für die asiatische Industrienation so wichtig wie für Deutschland, deshalb reist Premier Abe flugs in die USA.

Donald Trumps Mantra „America First“ hat nicht nur Exportweltmeister Deutschland aufgeschreckt. Auch Japans Konzerne fürchten um gute Geschäfte mit den amerikanischen Kunden. Der Export ist für Japan mindestens ebenso wichtig wie für Deutschland.

Deshalb reist Japans Regierungschef Shinzo Abe an diesem Freitag zu Gesprächen nach Washington. Seine Mission: Er will bei Donald Trump gute Stimmung für sein Land machen. Dazu macht Japan zunächst einmal sehr viel Geld locker. Abe hat die Großunternehmen seines Landes zu verpflichtet, in den nächsten Jahren Milliardensummen in den USA zu investieren. Er will Trump versprechen, damit 700 000 neue Arbeitsplätze schaffen. „Es ist für uns gerade jetzt wichtig, die Stabilität des amerikanisch-japanischen Bündnisses zu beweisen“, sagte Abes Stabschef Yoshihide Suga am Donnerstag in Tokio. Anders gesagt: Die Japan-AG schmeichelt sich bei Trump ein.

US-Präsident Trump hat in den ersten Tagen seiner Amtszeit unter anderem diejenigen Länder scharf angegriffen, die im Handel mit den USA hohe Gewinne erzielen. Das sind vor allem China, Deutschland, Japan und Mexiko. Von Deutschland hat ein Trump-Berater eine Aufwertung des Euro-Wechselkurses gefordert; China hat er hohe Strafzölle angedroht, um abgewanderte Jobs aus Fernost zurückzuholen. Gegenüber Mexiko will er sein Land sogar mit einer Mauer abschotten.

Erfolgreich dank billigem Yen

Zu Japan hat er sich bisher nicht speziell geäußert, doch Konzerne wie Toyota und Panasonic sind besorgt. Japan lag im Handel mit den USA im vergangenen Jahr knapp 70 Milliarden Dollar im Plus. Auch, wenn Abe das nicht zugeben mag: Ein Teil des Erfolgs liegt daran, dass die japanische Zentralbank den Yen schön billig hält. Das macht japanische Waren im Ausland preiswerter.

Um die für Japans Volkswirtschaft immens wichtigen Exporte zu stützen, ist Abe bereit, einige Kröten zu schlucken. Das wird ihm nicht leicht fallen: Er stilisiert sich als Patriot und pocht darauf, dass Japan selbstbewusst und stolz auftritt. Zudem hat er sich deutlich enttäuscht gezeigt, dass Trump ein über Jahre mühsam ausgehandeltes Freihandelsabkommen mit Pazifikländern einfach vom Tisch gefegt hat. Doch für Abe kommen konkrete Wirtschaftsinteressen vor Eitelkeiten. „Die Regierung empfindet die Situation als hoch kritisch und will es vermeiden, in Washington auf die schwarze Liste zu geraten“, ist in Tokio zu hören.

Abe ist ein Macher, der nach schnell umsetzbaren, konkreten Lösungen für drängende Probleme sucht. In diesem Fall will er Trump durch die Investitionsversprechen von Anfang an entwaffnen. Die PR-Abteilungen der japanischen Firmen in den USA verweisen seit Wochen darauf, wie viele gute Jobs sie dort in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen haben. Tatsächlich stellt Toyota den Löwenanteil seiner Produkte für den US-Markt vor Ort her – und gilt in Amerika als exzellenter Arbeitgeber.

Um mit solchen Fakten zu Trump durchzudringen, hat Abe eine simple Strategie ersonnen: Er hat die Unternehmer in seiner Delegation aufgefordert, ihre Botschaft in einem einfachen englischen Satz von höchstens 140 Zeichen Länge zusammenzufassen. Die Annahme dahinter ist, dass der Twitter-Präsident zumindest die Aufmerksamkeitsspanne eines Tweets besitzt. Nach offiziellen Gesprächen in Washington will Abe das Wochenende auf Trumps Landsitz in Florida verbringen, um mit dem Präsidenten Golf zu spielen. Dabei kann er nochmals die Seele des Immobilienmilliardärs massieren.

Trumps Stil gilt gerade im höflichen Japan als völlig inakzeptabel, doch der US-Präsident zeigt durch seine neue Politik einen realen Missstand im US-Handel auf. Schon seit 1975 fährt Amerika beim Warenaustausch mit anderen Ländern hohe Verluste ein. Rund eine halbe Milliarde Dollar fließt jedes Jahr ins Ausland ab – ein Zustand, der nur deshalb möglich ist, weil die US-Zentralbank die eigene Währung in beliebiger Menge nachproduzieren kann. Ökonomen haben schon lang eine Korrektur dieser Ungleichgewichte gefordert. Eine schockartige Veränderung der Handelsströme gilt jedoch zugleich als Katastrophenszenario für das weltweite Wachstum.

Sharp verspricht Investitionen

Selbst die Firma Sharp, bekannt für Fernseher, Hausgeräte und Solarzellen, legt sich nun krumm, um in den USA zu investieren. Das Unternehmen ist zwar technisch pleite und hat nur überlebt, weil die taiwanische Firma Foxconn bei ihm eingestiegen ist. Dennoch verspricht Sharp, demnächst sieben Milliarden Dollar in Amerika auszugeben. Schon in diesem Jahr soll der Bau eines großen Werks für Flüssigkristallbildschirme beginnen. Die hohen Ausgaben sind jedoch auch Teil der Strategie von Foxconn, dem Trump-Protektionismus durch den Aufbau einer Produktion in den USA zuvorzukommen. Foxconn stellt unter anderem das iPhone von Apple oder Drucker und Computer für Dell und Hewlett-Packard her.

Zu den Firmen, die sich freiwillig zu weiteren Investitionen in den USA verpflichtet haben, gehört auch Toyota. Der große Autohersteller will 600 Millionen Dollar in sein Werk im Bundesstaat Indiana stecken. Dort sollen künftig noch mehr Stadtgeländewagen vom Typ Highlander vom Band rollen. Toyota schafft damit 400 Jobs. In den nächsten fünf Jahren sollen die Ausgaben sich auf zehn Milliarden Euro summieren. „Diese Strategie ist clever. Das Unternehmen expandiert auf sinnvolle Weise und macht sich zugleich lieb Kind bei Trump“, kommentieren Analysten des Wertpapierhauses Nomura.

Dennoch bringen die wenig freiwilligen Investitionszusagen die Firmen auch in Bedrängnis. Toyota hat in den vergangenen Jahren der Regierung Abe bereits versprochen, die Kapazitäten in Japan auszuweiten und wieder mehr Jobs zu Hause zu schaffen statt rund um den Erdball. Der Hintergedanke war, die überschüssige Produktion unter anderem nach Amerika zu exportieren. Nun stellt sich die Frage: Wer soll all die Autos kaufen?

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