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Der Ausbau von Eurowings hat viele Piloten weiter verärgert.
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Der Ausbau von Eurowings hat viele Piloten weiter verärgert.

Lufthansa

5 Jahre, 14 Streikrunden, keine Lösung

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Seit Jahren schwelt der Streit der Lufthansa mit den eigenen Piloten, eine Lösung ist nicht in Sicht. Konzernchef Spohr will hart bleiben, aber langsam werden auch die Anleger nervös.

An den Flughäfen sei die Lage ruhig, sagte am Dienstagmittag eine Lufthansa-Sprecherin. Trotz streikender Piloten keine gestrandeten Passagiere in den Terminals. Es habe sich bewährt, dass Fluggäste vorab informiert würden, so die Sprecherin. Deutschlands größte Airline hat inzwischen große Routine beim Organisieren von Notflugplänen. Der Arbeitskampf der Flugzeugführer befindet sich inzwischen immerhin in der 14. Runde. Am Dienstag gab es insgesamt 816 Flug-Annullierungen. Am heutigen Mittwoch müssen knapp 900 Verbindungen gestrichen werden. Fast 100 000 Passagiere sind davon betroffen.

Zehn Millionen Euro kostet nach Angaben von Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister jeder weitere Tag mit Arbeitsniederlegungen. Aus diesem Grund ist bei Anlegern und Analysten die Lage alles andere als ruhig. Die Nervosität wächst, angesichts des aktuellen Ausstands und der Drohung weiterer Streikaktionen, ohne dass eine Einigung erkennbar wäre. Kein Wunder, dass am Dienstagmorgen die Lufthansa-Aktie mit einem Minus von 2,4 Prozent das Schlusslicht im Dax war, bevor der Kurs am Nachmittag wieder ins Plus drehte.

Gerade hat das Analysehaus Kepler Cheuvreux die Einstufung des Papiers von „Halten“ auf „Reduzieren“ herabgesetzt: Der anhaltende Pilotenstreik sei zunehmend ein Risiko für die zuletzt aufgestockten Jahresziele, schreibt die Analystin Ruxandra Haradau-Doser in einer Analyse. Sie sieht einen realistischen Wert des Papiers nun bei 9,50 Euro. Viele Branchenkenner teilen mittlerweile ihre Meinung.

Die Experten der US-Investmentbank Goldmann Sachs trauen der blau-gelben Airline auf Dauer sogar nur acht Euro zu. Commerzbank-Analyst Johannes Braun taxiert neun Euro. Der Ausstand der Piloten, so Braun, dürfte inzwischen mehr als 100 Millionen Euro gekostet haben, das werde kurzfristig die Ergebnisse der Fluggesellschaft schmälern. Von der Bank wird mittlerweile empfohlen, Lufthansa-Aktien zu verkaufen. Und die Anleger maulen: „Was wir momentan beobachten, nenne ich eine aktive Vernichtung der Dividende. Dieses Geld wird fehlen, wenn das Unternehmen Gewinne an die Anleger ausschütten will“, heißt es beispielhaft in einem Internetforum für Anleger.

Der Druck auf Konzernchef Carsten Spohr wächst. Immer häufiger wird die Frage gestellt, warum er die massiven Einbußen durch die Streiks hinnimmt und warum er es nach mehr als fünf Jahren noch immer nicht geschafft hat, einen Konsens mit den 5400 Piloten zu finden.

Es wirkt so, als hätten sich beiden Seiten tief eingegraben. So kanzelte der Vorstandschef kürzlich die Forderung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nach 22 Prozent mehr Geld für die Zeit von 2012 bis 2017 als „natürlich völlig irrational und für uns nicht machbar“ ab. Bei jüngsten Versuchen von Verhandlungen bewegte sich gar nichts. „Es ist völlig unverständlich, dass ein Tarifpartner sich nach wie vor strikt weigert zumindest ein Angebot vorzulegen auf dessen Basis man verhandeln kann“, lautete denn auch die Reaktion von VC-Funktionär Jörg Handwerg auf ein ergebnisloses Spitzengespräch am Sonntag.

Spohr weist indes immer wieder darauf hin, dass nicht prinzipielle Sturheit, sondern seine Sorge um die Zukunft der Lufthansa der Beweggrund seines Handelns sei. Wenn das Unternehmen nicht Einschnitte bei den Personalkosten vornehme, habe es keine Überlebenschance. Es ist nicht nur die üppige Bezahlung der aktiven Piloten. Es sind vor allem die enormen Pensionsverpflichtungen, die die Konzernbilanz massiv belasten und deshalb dem Vorstandschef Sorge bereiten.

Die Lufthansa dürfe nicht mehr schrumpfen, sondern müsse wieder wachsen können, argumentiert Spohr. Die Voraussetzung dafür seien wettbewerbsfähige Strukturen. An diesen Strukturen bastelt der Vorstandsvorsitzende längst. Er baut die neue Billigtochter Eurowings mit Vehemenz auf. Unter anderem mietet er dafür von Air Berlin 35 Maschinen inklusive Besatzungen. Zudem stellt eine österreichische Eurowings-Tochter Piloten mit niedrigeren Gehältern ein. Solche Aktionen parallel zu den Tarifverhandlungen haben die VC in den vergangenen Monaten besonders verärgert und die Gräben noch tiefer werden lassen. Die Pilotengewerkschaft setzt nun alles daran, bei den Arbeitsbedingungen bei Eurowings ein gewichtiges Wörtchen mitreden zu können. Spohr setzt alles daran, um den Einfluss der VC bei der Billigsparte zurückzudrängen.

Im Lager der Analysten ist es derweil Konsens, dass sich bei der Lufthansa in jedem Fall einiges tun muss. So betont Monique Pollard von Goldman Sachs, dass die größte Fluggesellschaft Deutschlands eine schwache Wettbewerbsposition in einem von Überkapazitäten geprägten europäischen Luftverkehrsmarkt habe. In der Tat kann die Lufthansa im europäischen Verkehr vor allem mit den beiden führenden Billigfliegern Ryanair und Easyjet nicht mithalten. Und der Konkurrenzkampf dürfte sich im nächsten Jahr verschärfen. Ryanair will vom Frühjahr an von Lufthansas Heimatbasis Frankfurt aus fliegen und Tickets für knapp 20 Euro anbieten. Zugleich haben die beiden Marktführer angekündigt, 2017 ihre Kapazitäten überall in Europa noch einmal deutlich auszubauen – befeuert vor allem vom günstigen Treibstoff. Das bedeutet, es wird auf vielen Europa-Strecken ein merklich größeres Angebot geben. Die Airlines werden sich mit Billigofferten gegenseitig unterbieten.

Ryanair-Chef Micheal O’Leary rechnet jedenfalls damit, dass die Ausweitung des Angebots die Ticketpreise im nächsten Jahr um bis zu 15 Prozent drücken könnte. Den Blau-Gelben könnte das richtig weh tun. Ryanair hingegen kann all das einigermaßen verkraften, fliegen die Iren doch wegen geringer Kosten verlässlich hohe Renditen ein, die der Lufthansa liegen deutlich niedriger. Die Experten sind sich einig, dass Überkapazitäten und Preiskämpfe darauf hinauslaufen, dass weniger rentable Airlines in Europa früher oder später verschwinden werden. Einige ehemalige staatliche Gesellschaften werden garantiert dabei sein. Commerzbank-Analyst Braun betont denn auch: Trotz der Ergebnisbelastungen gebe es zum Kurs der Lufthansa keine Alternative.

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