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Rein pflanzlich: Pattys von Beyond Meat.

Beyond Meat

Jähes Ende des Burger-Hypes

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Die verrückteste Aktie der Welt stürzt ab: Anleger realisieren, dass die Zukunft von Beyond Meat nicht so strahlend ist, wie sie dachten.

Was das US-Unternehmen Beyond Meat anbietet, ist nichts wirklich Neues. Schon vor gut zwei Jahrzehnten wurden in der Öko-Szene sogenannte Bratlinge produziert und verzehrt. Ethan Brown, Beyond-Meat-Chef, und seine Leute haben das Prinzip der fleischlosen Bulette nun perfektioniert, den Umsatz in kurzer Zeit steil nach oben getrieben und eine Hysterie unter Börsianern ausgelöst. Doch jetzt wird Anlegern schwer Verdauliches serviert: Brown und Finanzchef Mark Nelson wollen mit dem Verkauf ihrer eigenen Aktien Kasse machen. Ihnen sitzen mächtige Konkurrenten wie Nestlé im Nacken. Und Lidl will ab Donnerstag eigene vegane Burger offerieren.

Die aktuellen Geschäftszahlen von Beyond Meat sind imposant. Die Firma aus Kalifornien erwirtschaftete von April bis Juni einen Umsatz von umgerechnet 60,45 Millionen Euro, ein Plus von 287 Prozent auf Jahressicht. Zwar weitete sich der Verlust unter dem Strich um gut ein Viertel auf 9,4 Millionen Dollar aus. Das ist für ein Start-up aber ein sehr bescheidenes Minus.

Viel spektakulärer als der Zwischenbericht ist aber, was mit der Aktie von Beyond Meat in den vergangenen Monaten geschehen ist. Seit dem Börsengang im Mai hat sich der Marktwert der Firma auf fast 13 Milliarden Euro verneunfacht.

Die Ursache für die Hysterie: Beyond Meat lässt sich als popkulturelles Phänomen beschreiben, was Investmentbanker geschickt ausgenutzt haben. Geholfen hat dabei, dass Microsoft-Gründer Bill Gates und Hollywoodstar Leonardo DiCaprio als Investoren für das Unternehmen geworben haben. Aber vor allem kam der Börsengang zum genau richtigen Zeitpunkt – als weltweit die Diskussion über den Klimaschutz hochkochte. Dabei wird immer wieder der immense Fleischverzehr als ein wichtiges Element erwähnt, das zur Umweltzerstörung beiträgt.

Und so können Brown und sein Team denn auch als Weltretter auftreten und Verbrauchern saftige Burger plus gutes Gewissen offerieren. Denn die Klopse von Beyond Meat werden vor allem aus Erbsenpüree, Soja, Bohnen und Roter Beete gefertigt. Also vegan, ohne Tierisches.

Eine stimmige Investmentstory. Gleichwohl ist dieser Höhenflug nun vorerst beendet. In der Nacht zum Dienstag schob der Vorstand dem Quartalsbericht die Meldung über eine Kapitalerhöhung hinterher. Beyond Meat will schon knapp drei Monate nach dem Börsengang frisches Geld für eine weitere Expansion einsammeln und dafür drei Millionen Aktien zusätzlich auf dem Markt platzieren.

Ausgerechnet Vorstandschef Brown und Finanzchef Nelson wollen dabei insgesamt 100 000 Anteilscheine aus ihren eigenen Beständen losschlagen. Das schmeckt Investoren überhaupt nicht, legt dies doch die Vermutung nahe, dass die Führungskräfte sich finanziell sättigen wollen, bevor die Konkurrenz zu mächtig wird. Die Aktie fiel von umgerechnet 215 Euro am Montagvormittag auf zeitweise unter 170 Euro am Dienstagnachmittag.

Der Hintergrund: nicht nur, dass sich mit Impossible Foods ein weiteres Fleischersatz-Startup breitmacht, das bereits mit Burger King kooperiert. Auch der Schweizer Lebensmittelgigant Nestlé ist in das Geschäft eingestiegen. Er liefert bereits Patties an McDonald’s und europäische Supermärkte und will im Herbst seine veganen „Awesome Burger“ auf den US-Markt bringen. Auch der Fleischriese Tyson Foods drängt in den Markt.

Der deutsche Discounter Lidl hat derweil sehr schnell auf den Überraschungserfolg der Beyond Meat Burger reagiert und bringt nun hierzulande produzierte Gemüseklopse unter der Eigenmarke „Next Level Meat“ ab Donnerstag in die Läden. „Pflanzenbasierte Patties sind ein absoluter Trend, und der vegane Markt gewinnt an Bedeutung“, sagt Jan Bock, Einkaufschef von Lidl-Deutschland. Geplant sei, künftig mehr vegane Lebensmittel im Sortiment oder als Aktion anzubieten.

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