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Der Comer See zieht viele Reiche und Berühmte an.

Niedrigsteuer

Italien lockt Reiche an

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Spitzensportlern werden in Italien Steuernachlässe nun auch auf inländisches Gehalt eingeräumt. 160 Millionäre und Milliardäre haben die Niedrigsteuer ebenfalls beantragt.

Als vor einem Jahr bekannt wurde, dass der Mann mit der Rückennummer 7 von Real Madrid zu Juventus Turin wechselt, brach in Italien das Ronaldo-Fieber aus. Fans des portugiesischen Stürmer-Stars standen Schlange, um Juve-Trikots mit seinem Namen zu erstehen. In Turin wurde die Eissorte CR7 kreiert. Der Aktienkurs von Juventus schnellte in die Höhe. Arbeiter des Fiat-Chrysler-Konzerns hingegen, ebenso wie der Club von der Unternehmer-Familie Agnelli kontrolliert, streikten. „Ist es normal, dass eine Person allein Millionen verdient und Tausende Familien mit ihren Löhnen nicht auskommen?“, fragten sie.

Sie hätten sich auch darüber aufregen können, dass in Italien einer wie Cristiano Ronaldo, der von Juventus 30 Millionen Euro jährlich kassieren soll, im Gegensatz zu Normalverdienern einen kräftigen Steuerrabatt bekommt. Ende 2017 hatte die damalige Mitte-Links-Regierung entschieden, dass Superreiche, die im Bel Paese ihren Wohnsitz anmelden und mindestens die Hälfte des Jahres im Land sind, eine Pauschale von 100 000 Euro pro Jahr auf ausländische Einkünfte zahlen. Das klingt zunächst viel. Aber für Fußballstars und andere „Paperoni“ – Onkel Dagoberts, wie Reiche in Italien nach der Disney-Figur betitelt werden –, sind das „Peanuts“. Ronaldos jährliches Einkommen liegt dank Sponsoren-Verträgen und einer eigenen Restaurant-Kette nach Schätzungen der Zeitschrift Forbes bei mehr als 100 Millionen Euro.

Schon vor einem Jahr wurde spekuliert, dass der großzügige italienische Fiskus den Ausschlag für den Wechsel nach Turin gegeben haben könnte. In Spanien musste Ronaldo knapp 19 Millionen Euro wegen Steuerhinterziehung an das Finanzamt zahlen.

Würde Ronaldo erst jetzt nach Italien wechseln, hätte er sogar noch einen weiteren Vorteil: Einen Abschlag auch auf das üppige inländische „Gehalt“. Denn die rechtspopulistische Regierung aus Lega und Fünf Sternen hat Steuernachlässe für Profisportler beschlossen, die nach Italien übersiedeln oder mindestens zwei Jahre im Ausland gelebt haben und nun zurückkommen. Sie werden für fünf Jahre lang nur mit der Hälfte ihres Einkommens veranlagt. Das macht bei vielen Sportlern etliche Millionen aus. Die Anziehungskraft italienischer Clubs für die besten Fußballspieler der Welt werde sich noch weiter erhöhen, jubelten die Sportmedien.

Außerhalb Italiens wird das nicht so positiv gesehen. Die Grünen im Europäischen Parlament haben am Montag die EU-Kommission eingeschaltet. Brüssel müsse prüfen, „ob die steuerliche Sonderbehandlung eine rechtswidrige staatliche Beihilfe darstellt, die den Wettbewerb zwischen den Mitgliedstaaten im Profifußball verzerrt“, so der Antrag.

Italien, dessen Ruf wegen Dauerkrise, Schuldenberg und polternden Rechtspopulisten etwas ramponiert ist, hat es nicht nur auf Fußballprofis, sondern generell auf Vermögende abgesehen. Kaufkräftige Konsumenten von Luxusgütern sollen im Land des Dolce Vita investieren und Geld ausgeben. Häuser sollen sie erwerben, Villen, Yachten, Gemälde, Schmuck, teure Mode. Die Pauschalsteuer für Superreiche stieß jedenfalls auf Interesse. Schon wenige Monate nach Inkrafttreten der Regelung gingen vergangenes Jahr laut Finanzministerium in Rom 160 Anträge ein. 55 der Millionäre und Milliardäre, die nach Italien ziehen wollten, kamen aus dem Brexit-bedrohten Großbritannien, 30 aus der Schweiz, 23 aus Frankreich, die übrigen aus Belgien, Spanien, den USA, Singapur und Deutschland. Namen wurden natürlich nicht genannt.

Angelockt werden sollen aber auch ausländische Fachkräfte. Ab Januar 2020 müssen sie fünf Jahre lang nur 30 Prozent ihres Einkommens versteuern. Das gilt auch für die vielen gut ausgebildeten Italiener, die ins Ausland emigriert sind, sofern sie sich zu einer Rückkehr entschließen.

Und nicht zuletzt wirbt Italien nun auch um Rentner. Vorbild ist Portugal, wo ausländische Ruheständler schon seit zehn Jahren von Steuern befreit sind und Zigtausende Nordeuropäer und Amerikaner an der Algarve ihren Lebensabend verbringen. In Italien zahlen sie künftig sieben Prozent auf alle ihre Einkünfte. Allerdings ist das Angebot auf fünf Jahre begrenzt und anders als in Portugal geographisch eingegrenzt. Wem fürs Alter ein Häuschen in der Toskana vorschwebt, hat Pech. Er muss schon weiter in den Süden ziehen, nach Sizilien, Sardinien, Kalabrien, Apulien, Kampanien, Molise, in die Abruzzen oder die Basilikata. Und er muss sich eine Bleibe in einem Dorf oder einer Kleinstadt mit weniger als 20 000 Einwohnern suchen. In Gegenden also, die vielerorts vom Aussterben bedroht sind und wo der Weg zum nächsten Krankenhaus oder Arzt sehr weit sein kann.

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