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Mit einem großen Fest verabschiedet sich Mailand von der Expo 2015.
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Mit einem großen Fest verabschiedet sich Mailand von der Expo 2015.

Weltausstellung in Mailand

Italien feiert erfolgreiche Expo

Die Expo 2015 in Mailand ist Geschichte. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz. Tonnen von Material und viele Gebäude sollen wiederverwendet werden. Die zukünftige Nutzung des Geländes bleibt allerdings unklar.

Von Daniel Kortschak

Nach sechs Monaten hat am Samstag die Expo 2015 in Mailand ihre Pforten geschlossen. Die Veranstalter sprechen von einem vollen Erfolg: Das Ziel von 20 Millionen Besuchern wurde klar übertroffen. Insgesamt besuchten seit der Eröffnung im Mai 21,5 Millionen Menschen die Weltausstellung. "Die Herausforderung, die wir uns selbst gesetzt haben, haben wir bewältigt", sagte Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella bei der Schlusszeremonie auf dem Expo-Gelände.

Nun stehe man vor einer weiteren Aufgabe, sagte das Staatsoberhaupt: "Wir müssen entscheiden, wie das Areal in Zukunft genutzt wird. Ich bin sicher, wir werden eine weise Entscheidung treffen, die auch unsere jungen Menschen einbezieht." Für das rund eine Million Quadratmeter große Gelände westlich von Mailand gibt es noch kein konkretes Nutzungskonzept: Ein Teil könnte von der benachbarten Mailänder Messe übernommen werden, die restlichen Flächen könnten in einen Wissenschaftscampus oder einen Freizeitpark umgewandelt werden.

Bereits beschlossen ist, dass das Eingangsgebäude "Padiglione Zero" sowie der italienische Pavillon erhalten bleiben. Auch der Baum des Lebens, jene 37 Meter hohe Holzturm im Zentrum des Ausstellungsgeländes, die zum Wahrzeichen der Expo 2015 geworden ist, soll an Ort und Stelle bleiben. Ursprünglich war geplant, die mehr als acht Millionen Euro teure Konstruktion an einem anderen Ort wieder aufzubauen. Dies hatte sich allerdings als zu kompliziert und zu teuer erwiesen.

Die übrigen Teile der Expo werden in den kommenden Monaten abgebaut. Während etwa Deutschland, Spanien, China und Thailand ihre Pavillons abreißen lassen, wollen unter anderem Argentinien, Japan und Kolumbien das Baumaterial zur Weiterverwendung verkaufen. Brasilien und Belgien versteigern ihre Ausstellungshäuser, Frankreich wartet noch auf Angebote für die geschwungene Holzkonstruktion seines Expo-Pavillons.

Andere Länder haben hingegen schon bei der Errichtung ihrer Pavillons die Nachnutzung mit eingeplant: Monaco wird sein Ausstellungsgebäude, das zum Teil aus Frachtcontainern besteht, nach Burkina Faso schicken, wo es eine neue Nutzung als örtliches Hauptquartier des Roten Kreuzes erfährt. Der von Norman Foster geplante Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate wird in Abu Dhabi wieder aufgebaut, jener von Aserbaidschan in Baku. Die rund 12 000 Bäume, mit denen Österreich auf der Expo pro Stunde Sauerstoff für 1800 Menschen produzierte, werden für Wiederaufforstungsprojekte in Südtirol zur Verfügung gestellt. Teile des Schweizer Pavillons werden ins Heimatland gebracht und als Glashäuser weitergenutzt.

Bereits in diesen Tagen wird mit der Räumung des Expo-Geländes begonnen, die bis Mitte des kommenden Jahres andauern wird. Anschließend sollen der italienische Pavillon mitsamt der Ausstellung zur Identität Italiens sowie das angrenzende Areal mit dem Baum des Lebens und das Open-Air-Theater wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Preise für Deutschland und Österreich

Bevor die sich auf dem Expo-Gelände die Handwerker zu schaffen machen, hat das internationale Ausstellungskomitee noch die Preise für die besten Pavillons vergeben. Der Beitrag Deutschlands wurde in der Kategorie "über 2000 Quadratmeter" für die beste Umsetzung des Expo-Themas ausgezeichnet, der österreichische Pavillon bekam in der Kategorie "unter 2000 Quadratmeter" den Preis für die besten Inhalte und die beste Präsentation.

Neben den Pavillons und dem weitläufigen Areal bleibt nach der Expo auch jede Material übrig: Nicht weniger als 26 Tonnen noch genießbare Lebensmittel sollen von der italienischen Nahrungsmittelbörse an Bedürftige verteilt werden, Tausende Computer, Drucker und weitere EDV-Ausrüstung werden der Organisation Biteb zur Verfügung gestellt, die die Geräte an karitative Organisationen weiterleitet. Ähnliches plant die Organisation "Banco Building" mit Teilen der abgebauten Gebäude, die Arzneimittelbörse kümmert sich um die sinnvolle Weiterverwendung von pharmazeutischem Material.

Staatspräsident Mattarella verwies in seiner Ansprache zum Expo-Finale einmal mehr auf das Thema Nachhaltigkeit, das die Veranstalter zum Motto der Expo 2015 gemacht hatten: "Die 'Charta von Mailand' hat eine wichtige Aufgabe: Die Botschaft dieser Ausstellung, die im Zeichen des Lebens und der Menschenrechte steht, aufzugreifen in aller Welt zu verbreiten." Nahrungsmittel seien ein Markenzeichen für die Traditionen der einzelnen Länder, stünden aber gleichzeitig auch für den Geist von "Innovation und Entwicklung" für die Zukunft, so das italienische Staatsoberhaupt.

Anhaltende Kritik am Konzept

Nichtregierungsorganisationen kritisieren hingegen, dass die beschlossene "Charta von Mailand" keine verbindlichen Vorgaben umfasse. "Die Stimme der Armen kommt in der Charta nicht vor, wir können auch keinen Willen erkennen, die ökonomischen Strukturen zu ändern, die die Ursache für Hunger und Ungerechtigkeit sind", sagt Micheal Roy, der Generalsekretär des internationalen Caritas-Verbandes.

In der Kritik steht die Expo 2015 auch wegen des starken finanziellen Engagements internationaler Lebensmittelkonzerne: Die Frage, wie große Pavillons von Fast-Food-Ketten und Softdrink-Herstellern zum Konzept der gelebten Nachhaltigkeit passen und wie ausgerechnet sie für gesunde Ernährung werben sollen, konnten die Veranstalter bis zuletzt nicht schlüssig beantworten.

Die nächste internationale Ausstellung thematisiert ebenfalls eine aktuelle Herausforderung: Die Expo 2017 in der kasachischen Hauptstadt Astana steht unter dem Motto "Zukünftige Energie". Die nächste große Weltausstellung geht im Jahr 2020 in Dubai über die Bühne.

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