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Die Logos der Generika-Hersteller Teva und Ratiopharm auf Verpackungen für Schmerzmittel (Archivfoto).

Merckle-Gruppe

Israelis kaufen Ratiopharm

Der schwäbische Unternehmer Adolf Merckle tötete sich selbst, als ihm klar wurde, dass er sein Lebenswerk verspekuliert hat. Der Milliardendeal mit Ratiopharm soll nun retten, was zu retten ist. Von Roland Bunzenthal

Von Roland Bunzenthal

Der Bieter-Wettstreit um den zweitgrößten Generika-Hersteller in Deutschland, Ratiopharm, ist entschieden: Die Merckle-Vermögensverwaltung VEM gab bekannt, dass den Zuschlag die israelische Pharma-Gruppe Teva erhält, der Weltmarktführer für Generika. Für 3,6 Milliarden Euro, das entspricht mehr als dem doppelten Jahresumsatz der Firma, wollen die Israelis stärker in den deutschen Markt einsteigen.

Der Milliardendeal könnte zugleich das angeschlagene Imperium retten, das der Unternehmer Adolf Merckle gegründet hatte. Der schwäbische Milliardär nahm sich das Leben, als klar wurde, dass seine Gruppe in Schwierigkeiten geraten würde.

Um Ratiopharm hatten neben Teva der isländische Wettbewerber Actavis, der von der Deutschen Bank unterstützt wurde, Sanofi Aventis und der US-Pharmariese Pfizer geboten. Doch der Referenzpreis für den Deal, die fast sechs Milliarden Euro, die Novartis für den Kauf des nur unwesentlich größeren Generika-Hersteller Hexal vor kurzem hinlegen musste, erwies sich im Fall von Ratiopharm als unrealistisch. Zu sehr schwächte die Tatsache, dass die vom Sohn des Gründers, Ludwig Merckle, geleitete Gruppe dringend frisches Geld braucht, die Verhandlungsposition der Verkäufer.

Sein Vater hatte die Gruppe von einem Kleinbetrieb mit 80 Beschäftigten binnen 30 Jahren zu einem Konglomerat von 100 Beteiligungen mit einem Gesamtumsatz von 30 Milliarden Euro umgebaut. Merckle sammelte Beteiligungen wie andere Briefmarken - bis hin zum Skilift im Kleinwalsertal. Im Jahr 2008 hatte das Magazin Forbes sein Vermögen noch auf gut sieben Milliarden Euro beziffert - Platz fünf der reichsten Deutschen. Beim Versuch, sich beim VW-Konzern einzukaufen, übernahm er sich jedoch, zumal er dabei auf fallende Aktienkurse spekulierte. Der von Porsche angeheizte Boom der VW-Aktie zerstörte seine Hoffnungen, noch reicher zu werden. Zuletzt war das Merckle-Imperium mit rund neun Milliarden Euro bei 40 Banken verschuldet.

Ratiopharm ringt mit der Bad Vilbeler Stada um Platz zwei unter den deutschen Herstellern von Generika. Marktführer in Deutschland ist die zum Novartis-Konzern gehörende Hexal. Deutschland ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Markt für Nachahmermedikamente.

Ratiopharm setzte 2009 rund 1,6 Milliarden Euro um und kam auf einen Betriebsgewinn von 307 Millionen Euro. Teva verfolgt mit Ratiopharm ehrgeizige Wachstums-Pläne. Bis 2015 soll sich der Europa-Umsatz der Israelis verdreifachen und ein Anteil am Weltgenerikamarkt von 19 Prozent erreicht werden. Deutschland ist für Teva noch weitgehend Neuland. Der Vorstand stellte gestern in Aussicht, Produktion aus anderen Teva-Werken zur effizienteren Ratiopharm zu verlagern, um deren Fabriken besser auszulasten. (mit rtr)

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