Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jürgen Schmid ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energie-Systemtechnik (IWES) in Kassel, zudem Hochschullehrer an der dortigen Universität.
+
Jürgen Schmid ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energie-Systemtechnik (IWES) in Kassel, zudem Hochschullehrer an der dortigen Universität.

Energieexperte Schmid

"Irgendwo weht immer Wind"

Der Kasseler Energieexperte Jürgen Schmid spricht im FR-Interview über den Ausbau von Leitungsnetzen, den künftigen Strommix und virtuelle Kraftwerke.

Bundesumweltminister Röttgen sagt: Wenn die erneuerbaren Energien 40 Prozent des Stroms liefern, kann man die Atommeiler abschalten. Ist das richtig?

Ja. Es ist eine ganz einfache Rechnung: Die 40 Prozent setzen sich zusammen aus den 16 Prozent Ökostrom, den wir jetzt schon haben, und den 24 Prozent Strom aus Kernenergie. Wenn die erneuerbaren Energien auch diesen Part übernommen haben, kann man auf Atomstrom verzichten.

Aber nur rechnerisch. Der Ökostrom ist nicht so konstant verfügbar wie Atomstrom.

Beide Stromformen sind problematisch. Der Ökostrom ist starken Schwankungen unterworfen. Der Atomstrom hingegen fließt konstant, obwohl man ihn zu gewissen Tageszeiten - nachts zum Beispiel - nicht richtig brauchen kann. Beide Elektrizitätsquellen benötigen einen Ausgleich.

Bei einem starken Ausbau der Öko-Kraftwerke würden diese 2020 je nach Wetterverhältnissen zwischen 15 und 120 Prozent des jeweiligen Stromverbrauchs liefern. Kann da überhaupt eine sichere Stromversorgung garantiert werden?

Im nationalen Rahmen funktioniert es durchaus, allerdings mit relativ hohem Aufwand. Viel einfacher ist es, wenn man die Stromversorgung europaweit aufzieht - irgendwo weht immer Wind und scheint die Sonne. Dazu braucht es aber neue transeuropäische Leitungsnetze, mit denen man den Strom verlustarm verteilen kann und die skandinavischen Pumpspeicher-Kraftwerke einbindet. Damit stünden ausreichend Puffer zur Verfügung. Es gäbe dann kaum noch Schwankungen.

Die deutsche Ökostrom-Branche verspricht, bis 2020 fast die Hälfte des Elektrizitätsbedarfs abdecken zu können, andere Experten halten selbst 30 Prozent für ambitioniert. Wer hat recht?

Beide. Technisch sind 50 Prozent drin, trotzdem sind 30 Prozent ambitioniert. Es kommt darauf an, welche Rahmenbedingungen die Politik setzt. Sie muss den richtigen Strommix fördern, also eher günstigen Windstrom, Solarstrom etwas behutsamer.

Ist es überhaupt sinnvoll, so viele "Schattenkraftwerke" vorzuhalten, die einspringen müssen, wenn der Wind Pause macht?

Ein Teil der hierfür benötigten Kraftwerke ist bereits vorhanden - es sind gasbetriebene Kraftwärmekopplungsanlagen, die Strom und Wärme produzieren. Sie wird man in Zukunft elektronisch vernetzen und daraus virtuelle Kraftwerke machen, die sehr schnell steuerbar sind und ausfallenden Ökostrom ersetzen können. Man kann sie binnen Sekunden von null auf 100 hochfahren.

Rechnet sich diese Kombination denn auch ökonomisch?

Ja, denn die KWK-Anlagen sind entweder bereits vorhanden oder sie müssen ohnehin ausgebaut werden, da sie Strom und Wärme günstig und CO2-arm produzieren. Sie dann als virtuelle Kraftwerke einzusetzen, wäre ökonomisch sehr sinnvoll.

Ihr Konzept geht nur auf, wenn die Netze stark ausgebaut werden. Nur: Überall, wo Hochspannungsleitungen geplant werden, gibt es Widerstand. Scheitert das Konzept nicht schon daran?

Nein. Man wird die Hochspanungsleitungen in dichter besiedelten Gebieten nicht mehr oberirdisch, sondern in der Erde verlegen - etwa in gasisolierten Kabeln. Die sind bezahlbar, wenn sie in großem Stil eingesetzt werden.

Wie viel teurer wird die Elektrizität, wenn Ökostrom im nächsten Jahrzehnt so üppig fließt?

Wenn die transeuropäischen Netze bis dahin stehen, wird der Strom nicht teuer als heute. Die Netze kosten zwar zig Milliarden, aber der Ökostrom wird durch günstige Kraftwerksstandorte so billig, dass das nicht mehr ins Gewicht fällt.

Interview: Joachim Wille

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare