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Iran: Wirtschaftskrise wegen Protesten - Währung im historischen Tief

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Von: Nadja Austel

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Rial-Banknoten - in diesem Fall aus dem Iran. 20.000 Rial will eine Frau von ihrem Mann wegen dessen Unfähigkeit, sie zu entjungfern.
Nach einem instabilen Jahr mit anhaltenden Demonstrationen verzeichnet der Rial im Iran neue Tiefststände. (Symbolbild) © rtr

Nach einem instabilen Jahr mit anhaltenden Demonstrationen verzeichnet der Rial im Iran neue Tiefststände. Die Zentralbank versucht, den Markt zu beruhigen.

Teheran – Die umkämpfte Landeswährung des Irans hat angesichts der anhaltenden Proteste einen neuen historischen Tiefstand erreicht. Auch die mangelnden Fortschritte bei den Bemühungen um eine Wiederaufnahme des Atomabkommens mit den Weltmächten von 2015 beeinträchtigt den Kurs der Währung im Iran.

Der Kurs des US-Dollars durchbrach am heutigen Samstag laut Angaben von Aljazeera erstmals die Marke von 350.000 Euro gegenüber dem iranischen Rial. Der setzte seine Talfahrt fort und fiel im Laufe des Tages auf etwa 362.000 pro Dollar. Die iranische Regierung halte jedoch noch immer an einem bedeutend niedrigerem künstlichen Kurs von 42.000 Rial pro Dollar als offizielle Zahl fest.

Iran: Auch mangelnde Verhandlung im Atomabkommen begünstigt Währungstief

Nachdem landesweite Protesten im Iran ausgebrochen sind, befindet sich die Währung auf einem Abwärtstrend. Auch die ins Stocken geratenen Verhandlungen über das Atomabkommen mit den Weltmächten beeinträchtigten den Wert des Rials deutlich. Als das Atomabkommen 2015 unterzeichnet wurde, war er mehr als zehnmal so viel wert wie heute, berichtet Aljazeera.

Der Gouverneur der iranischen Zentralbank (CBI), Ali Salehabadi, habe versucht, den Markt zu beruhigen, so Aljazeera. Er habe behauptet, das Angebot an Devisen übersteige bei weitem die Nachfrage. Zudem verfüge die Zentralbank über große Währungsreserven. Der jüngste Wertverlust der iranischen Währung erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftlicher Probleme und einer anhaltenden jährlichen Inflationsrate von mehr als 40 Prozent, die zu den höchsten der Welt gehört.

Iran – Bei Protesten sollen 314 Menschen getötet worden sein

Bei den anhaltenden landesweiten Protesten im Iran sind nach Einschätzungen von Menschenrechtsorganisationen mindestens 314 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch 47 Minderjährige und 38 Sicherheitskräfte, berichtete die Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) mit Sitz in den USA. Mehr als 14.000 Menschen seien zudem festgenommen worden. Die Proteste erfassten seit Beginn Mitte September demnach mehr als 130 Städte im Land.

Auslöser der Massenproteste im Iran war der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini. Die Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie die Zwangsvorschriften für das Tragen eines Kopftuchs nicht eingehalten haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamischen Herrschaftssystem.

Iran: Auf deutsche Solidarität mit Protestierenden sollen Sanktionen folgen

SPD-Chef Lars Klingbeil hat sich für „sehr klare“ Sanktionen gegen den Iran ausgesprochen. Er erklärte, dass nach der Solidarisierung mit den Protestierenden auch Konsequenzen folgen müssten. „Ich bin fest davon überzeugt, am Ende können diese Proteste im Iran, die gerade da sind, dieses Land wirklich umkrempeln“, sagte Klingbeil.

„Da muss dann noch mal nachgeschärft werden, was Sanktionen angeht gegen das iranische Regime und gegen alle, die dort Verantwortung tragen“, sagte Klingbeil beim Debattenkonvent der SPD in Berlin. „Das fängt bei Sachen wie Visa-Fragen an, dass dort keine Visa mehr erteilt werden dürfen, bis hin zum Einfrieren von Geldern und wirklich politischen Sanktionen.“ Ein entsprechender Antrag aus dem Parteivorstand solle beschlossen werden. (na/dpa)

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