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Der schwindende Absatz des Apple-Handys iPhone könnte zum Hemmschuh auch für die Apple Watch werden.

Analyse

Das iPhone zieht nicht mehr

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Apples wichtigstes Produkt findet immer weniger Abnehmer. Dafür ist nun die Apple Watch en vogue. Doch der Konzern sollte umdenken.

Sie ist zum Statussymbol geworden. Die Computeruhr von Apple. Life-Style-Magazinen zufolge ist sie besonders bei Frauen beliebt, die Modernität, Sportlichkeit und Eleganz kombinieren wollen. Das dürfte im besonderen Maß für die Serie gelten, die Apple gemeinsam mit dem französischen Mode-Label Hermès vermarktet. Wer sich mit puristisch-edlem Design schmücken will, muss allerdings auch bereit sein, rund 1300 Euro für den Mini-Computer am Handgelenk auszugeben.

Die Uhren sind der neue Renner des Hightech-Giganten. Genaue Zahlen nennt der zwar nicht. Aber die Sparte „Wearables, Home und Accessories“ hat in den drei Monaten von April bis Juni die mit Abstand höchsten Zuwächse erzielt. Die Umsätze kletterten im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Dollar. Apple berichtet von „Millionen neuer Nutzer“. Drei Viertel der verkauften Uhren seien an Erstkäufer gegangen.

Der Erfolg der Apple Watch ist typisch für die Entwicklung des Konzerns. Neue Produkte gewinnen an Bedeutung, während das noch immer wichtigste Produkt, das iPhone, massive Einbußen hinnehmen muss. Die Verkäufe gingen um zwölf Prozent auf knapp 26 Milliarden Dollar (23,3 Milliarden Euro) zurück. Damit hat das Smartphone erstmals seit 2012 weniger als die Hälfte zum Gesamtumsatz beigetragen. In Hochzeiten stand es sogar für rund zwei Drittel der Erlöse.

Apple kurbelt den Absatz unter anderem mit Sonderangeboten und günstigen Finanzierungen an, was früher undenkbar gewesen wäre. Aber inzwischen schrumpft weltweit der Markt für Smartphones. Sättigungsgrenzen sind erreicht. Zudem können chinesische Konkurrenten wie Huawei oder Oppo Hochleistungsgeräte mit einem besseren Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Und: Das iPhone hat seinen Nimbus als Statussymbol verloren.

Dennoch gibt sich Konzernchef Tim Cook optimistisch. Er erwartet für die drei Monate von Juli bis September steigende Umsätze – im September wird das neue iPhone vorgestellt. Doch in den nächsten Monaten dürften weiterhin die Uhren und auch Kopfhörer sowie der intelligente Lautsprecher für Zuhause (Home-Pod) die Zuwachsraten tragen.

Es seien deutliche Fortschritte in der Diversifizierung der Produktpalette und in der Reduzierung der Abhängigkeit vom iPhone zu erkennen, betont John Butler vom Finanzdienst Bloomberg. Gleichwohl stagnierte der Gesamtumsatz des Konzerns und der Gewinn ging um fast 13 Prozent auf rund zehn Milliarden Dollar zurück.

Klar ist indes, dass auch die Internetdienste von Apple an Bedeutung gewinnen. Sie wurden kontinuierlich ausgebaut und beliefern derzeit rund 420 Millionen Abo-Kunden. Zum Musikstreaming, einem Bezahl- und einem Clouddienst sollen demnächst Filme und Serien auf Abruf, die Spieleplattform Arcade und eine Apple-Kreditkarte kommen.

Der Haken dabei ist allerdings, dass viele dieser Dienste, allen voran die Kopfhörer und die Apple Watch, nur im Zusammenspiel mit dem iPhone funktionieren. Der schwindende Absatz des Gerätes könnte da zum Hemmschuh werden. Naheliegend wäre es deshalb, etwa die Computeruhr auch Nutzern von Android-Handys zugänglich zu machen. Cook will davon aber bislang nichts wissen.

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