Gastwirtschaft

Investitionen in Chancen

  • Cornelia Füllkrug-Weitzel
    vonCornelia Füllkrug-Weitzel
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Wie wir die Zukunft von Menschen erhellen können.

Zum Jahresende lädt „Brot für die Welt“ zum 32. Mal unter dem Motto „Brot statt Böller“ dazu ein, das neue Jahr mit einer Investition in nachhaltige Zukunftschancen von Menschen zu erhellen, statt mit dem Geld (in Deutschland immerhin fast 130 Millionen Euro) für Minuten nur den Nachthimmel zum Leuchten zu bringen. „Typisch protestantische Spaßverderber“? Wir denken nicht, dass es unserer Gesellschaft an Spaß fehlt. Eher, dass wir vor lauter Spaßorientierung verpassen könnten, was das Leben an echtem Glück und Freude bereithält, oder dass es unserer Gesellschaft nicht an Konsum mangelt. Eher, dass wir vor lauter Konsum die natürlichen Lebensgrundlagen, die kommenden Generationen und die Armen ruinieren könnten. Glücksforscher sind sich einig: Gemeinschaft und Teilen sind wesentliche Glücksfaktoren. Sie vermehren Hoffnung und Chancen auf allen Seiten.

Einige preisen „Brot statt Böller“ als ersten deutschen Verbraucherboykott. Dabei zielt die Aktion nicht auf die Herstellerindustrie, sondern auf Nachdenklichkeit bei den Verbrauchern: Was ist ihnen eigentlich wichtig und wie nutzen sie dafür ihre Einflussmöglichkeiten? Dass das Angebot die Nachfrage bestimmt, ist kein Naturgesetz – das offensichtlich gemacht zu haben, ist eine der Errungenschaften von Verbraucherboykotten. Es zeigt sich auch beim Klimaschutz: Anders als Regierungen folgen viele Unternehmen dem Verbraucherwillen und der gesellschaftlichen Debatte über die anstehende Dekarbonisierung, also der Abkehr von Kohle und Öl.

Wie Konsumenten auch Politik mit dem Einkaufskorb betreiben, zeigte schon die Mutter aller Verbraucherboykotte gegen karibischen Zucker um 1790, weil die dortige Zuckerproduktion auf Sklavenarbeit beruhte. Dass die Sklaverei schließlich abgeschafft wurde, lag wohl nicht an den am Boykott beteiligten 300 000 Briten. Aber er hat zur öffentlichen Delegitimierung von Sklavenarbeit beigetragen. Kinderarbeit in der Teppichindustrie Indiens, Brände und Unglücke in der Textilindustrie Bangladesch und andernorts haben die öffentliche Nachdenklichkeit befördert, wie viele Lebenschancen der eigene Spaß Anderen kosten darf.

Und viele fragen sich zurzeit, wie viele Chancen Menschen brauchen, um ihr Glück nicht als Flüchtlinge bei uns suchen zu müssen.

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