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Auch LGT-Chef Prinz Max von und zu Liechtenstein ist ins Visier der deutschen Ermittler geraten.

Neuer Verdacht im Steuerskandal

Investieren wie der Fürst

Auch Prinz Max von und zu Liechtenstein soll in den Skandal um die Liechtenstein Global Trust verwickelt sein. Pikant: Er ist der Chef der LGT-Group.

Von SEBASTIAN GEHRMANN

Frankfurt. Das Versprechen der Liechtensteiner Privatbank LGT klang schon vor einem Jahr unfreiwillig komisch: "Unter dem Motto ,Investieren wie der Fürst´ bietet Ihnen die LGT die Möglichkeit, Vermögenswerte nach der gleichen Strategie anzulegen wie die Fürstenfamilie von Liechtenstein."

Da gipfelte in Deutschland der Sturm der Entrüstung über den größten Steuerskandal der Nachkriegsgeschichte gerade in den Worten des ehemaligen SPD-Parteichefs Kurt Beck, der das Finanzgebaren in dem kleinen Fürstentum als "dicht an organisierter Kriminalität" und "moderne Form des Raubrittertums" geißelte.

Seit allerdings die Financial Times Deutschland (FTD) am Freitag exklusiv vermeldete "Ermittler bei Liechtenstein-Prinz", klingt der fürstliche Slogan wie ein schlechter Witz. Neben dem auf Bewährung verurteilen Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel und 798 weiteren Namen soll auf jener Datendisk, die der Bundesnachrichtendienst einem ehemaligen LGT-Mitarbeiter für 4,3 Millionen Euro abkaufte, auch Max von und zu Liechtenstein auftauchen. Der Sohn von Fürst Hans-Adam II. ist seit 2006 Chef der LGT Group.

Wie bei Zumwinkel soll die Staatsanwaltschaft Bochum auch gegen den 39-jährigen Prinzen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet haben. Bereits Anfang Dezember 2008 suchten deutsche Steuerfahnder den Prinzen in seinem Münchener Wohnsitz auf. Der Vorwurf: Max von und zu Liechtenstein soll Geld aus einer Familienstiftung nicht versteuert haben. Über die Höhe der Summe - bei Zumwinkel waren es rund eine Millionen Euro - wurde nichts bekannt. Sie soll laut FTD aber "nicht unerheblich sein".

Prinz Max war Begünstigter einer Familienstiftung

Seit September 2001 lebt der Prinz wieder in der bayrischen Landeshauptstadt, vor sechs Jahren übernahm er die Leitung des Deutschlandbüros von JP Morgen Partners. Er ist Begünstigter einer Familienstiftung, die 1993 von der Fürst von Liechtenstein Stiftung errichtet wurde und profitierte von mehreren Ausschüttungen.

Die deutsche Steuerbehörde soll dem Prinzen laut FTD vorwerfen, die Schenkungssteuer, die der Beschenkte leisten muss, wenn er einen deutschen Wohnsitz hat, nicht gezahlt zu haben.

Die Liechtensteiner Stiftungskonstruktionen hatte nicht zuletzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) scharf kritisiert. "Wir müssen dahin kommen, dass mithilfe dieser sogenannten Stiftungen keine Steuern mehr hinterzogen werden können. Das sind doch gar keine Stiftungen."

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Steinbrück verstoße gegen Grundprinzipien des Rechtsstaats und gegen internationale Verträge, sagte Fürst Hans-Adam II. in einem Interview mit der Zeitung Liechtensteiner Vaterland

Max von und zu Liechtenstein selbst äußerte sich in einer schriftlichen Stellungsnahme auf der Internetseite der LGT. Demnach lautet der Vorwurf: Das gesamte Stiftungsvermögen müsse dem Prinzen zugeordnet werden, da er den Großteil der Ausschüttungen erhalten habe.

In dem Schreiben heißt es. "Diese Interpretation würde bedeuten, dass Prinz Max für die Perioden, in denen er seinen Wohnsitz in Deutschland hatte, auf die Anlageerträge des Stiftungskapitals eine Steuer nachzuzahlen hätte."

Die Erklärung trifft den selben sachlichen, besonnende Ton, den Max von und zu Liechtenstein bereits in der Aufarbeitung des deutschen Steuerskandals und den daraus resultierenden politischen Kontroversen anschlug.

Er repräsentierte in der Krise die charmant zurückhaltende, um Understatement bemühte Stimme der Familiendynastie. Er ist es, der als Konsequenz aus der Affäre eine Neuausrichtung der Geschäftsgrundsätze der Liechtenstein Global Trust bekannt gibt. In seiner Heimat erntet er dafür nicht nur Schulterklopfer.

"Ich habe meine Steuerpflicht nach bestem Wissen erfüllt

Als die Steuerfahnder im vergangenen Winter an seiner Tür klingelten, erschien sein Bild nicht am nächsten Morgen in allen großen Boulevardblättern. Möglich geworden war die diskrete Aktion erst nach einer offiziellen Anfrage der Beamten an das Auswärtige Amt.

Max von und zu Liechtenstein ist nach FTD-Recherchen nicht in Besitzt eines Diplomatenausweises. Er genießt deshalb keine diplomatische Immunität und untersteht damit der deutschen Gerichtsbarkeit.

Zu den Vorwürfen sagte der Beschuldigte: "Ich habe meine Steuerpflicht in Deutschland stets nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt. Falls sich entgegen meiner bisherigen Überzeugung herausstellen sollte, dass ich dem deutschen Staat Steuern schulde, werde ich allen Verpflichtungen umgehend nachkommen. Ich habe meinen Wohnsitz bewusst in Deutschland gewählt und bezahle hier Steuern in beträchtlichem Ausmaß. Meine Steuerverpflichtungen nicht zu erfüllen, war ganz sicher nie meine Absicht."

Die Anwälte des Prinzen glauben, die deutsche Interpretation seiner Steuerschuld widerlegen zu können. "Das Stiftungskapital entstammte nicht seinem Vermögen, sondern demjenigen der Fürstlichen Familie und wurde zum Zeitpunkt der Auflösung der Stiftung im Jahr 2003 an diese zurückbezahlt."

Alle nötigen Abklärungen seien mit der deutschen Steuerbehörde getroffen, alle entsprechenden Informationen beigebracht worden. "Prinz Max hat jederzeit mit den Steuerbehörden kooperiert, und die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss."

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