+
Ein Blick in den Handelsraum der Deutschen Bank.

Interview

„Nur Augenwischerei“

  • schließen

Der Finanzexperte Dieter Hein spricht im Interview über das Jahresergebnis der Deutschen Bank.

Herr Hein, Christian Sewing hat sich heute zufrieden gezeigt. Nach seinen Worten ist die Deutsche Bank „auf dem richtigen Weg“. Wie sehen Sie das?
Wenn er damit den Weg zum Untergang meint, würde ich ihm zustimmen. Aber das meint er sicherlich nicht.

Aber die Bank hat 2018 zum ersten Mal seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben.
Die Deutsche Bank hat wie immer versucht, ein schlechtes Ergebnis gut zu verkaufen. Die Zahl, auf die es ankommt, ist das Ergebnis pro Aktie. Das ist es, was die Anteilseigner interessiert. Für 2018 ist das ein Verlust von einem Cent. Das heißt, die Deutsche Bank hat schon seit vier Jahren kein Geld für ihre Aktionäre verdient. Trotzdem wird sie im Frühjahr wohl wieder Erfolgsboni von rund zwei Milliarden Euro auszahlen.

Das halten Sie für ungerechtfertigt?
Das zeigt zumindest klar, dass im Fokus nicht der Aktionär steht, sondern die angestellten Investmentbanker. In den vergangenen vier Jahren hat die Deutsche Bank knapp zehn Milliarden Euro an Verlust für den Aktionär ausgewiesen und im gleichen Zeitraum 7,5 Milliarden an Erfolgsboni gezahlt. Das heißt, für jeden Euro Verlust wurden die Investmentbanker mit 75 Cent Bonus belohnt. Schaut man noch weiter zurück, hat die Deutsche Bank seit 2007 inklusive der noch ausstehenden Zahlungen für 2018 über 37 Milliarden Euro an Erfolgsboni ausgeschüttet. Um das zu finanzieren, musste sie über 37 Milliarden Euro an Eigenkapital bei den Aktionären aufnehmen. Das heißt, die Bank hat die Boni nie verdient, sondern der Aktionär musste die bezahlen.

Immerhin hat Sewing jetzt eine Dividende von elf Cent pro Aktie angekündigt.
Ja, aber da fragt man sich schon: warum? Die bezahlen die Aktionäre doch auch selbst, weil sie aus der Substanz gezahlt wird. Das ist nur Augenwischerei.

Was muss die Bank tun, um wieder Gewinne zu erwirtschaften?
Die Deutsche Bank hat aus meiner Sicht nur eine Zukunft, wenn sie Aufsichtsrat und Management rausschmeißt und eine neue, tragfähige Strategie entwickelt. Seit Jahren fährt sie als einzige europäische Großbank die Strategie, weiter ein globaler Player im Investmentbanking sein zu wollen, obwohl das extrem teuer, hochriskant und völlig unprofitabel ist.

Könnte eine Fusion mit der Commerzbank helfen?
Auf keinen Fall. Zwei Lahme ergeben noch keinen Sprinter. Zudem wäre das volkswirtschaftliche Risiko dann noch viel größer.

Interview: Antje Mathez

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare