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Internet für die ganze Welt

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Von: Tim Szent-Ivanyi

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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will mehr Menschen ins Netz bringen.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will mehr Menschen ins Netz bringen. © Reuters

Mark Zuckerberg sind eine Milliarde Facebook-Nutzer noch nicht genug. Sein Plan: Auch die Menschen sollen zu Facebook kommen, die bisher noch keinen Internet-Zugang haben - also rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. Sie ins Netz zu bringen, ist das Ziel der neu geschmiedeten Allianz "Internet.org".

Mark Zuckerberg sind eine Milliarde Facebook-Nutzer noch nicht genug. Sein Plan: Auch die Menschen sollen zu Facebook kommen, die bisher noch keinen Internet-Zugang haben - also rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. Sie ins Netz zu bringen, ist das Ziel der neu geschmiedeten Allianz "Internet.org".

Jeder siebte Mensch auf der Welt ist bei Facebook. Gründer Mark Zuckerberg ist zwar stolz auf die Zahl von einer Milliarde Nutzern. Aber er will weiter wachsen. Doch das ist schwierig, schließlich zeigen sich in der westlichen Welt gewisse Ermüdungserscheinungen beim Gebrauch sozialer Netzwerke.

Nun hat Zuckerberg eine Lösung gefunden: Auch die Menschen sollen zu Facebook kommen, die bisher noch gar keinen Zugang zum Internet haben. Das sind zwei Drittel der Weltbevölkerung, vor allem in Entwicklungsländern. Um das Ziel zu erreichen, hat Zuckerberg gemeinsam mit großen Elektronikkonzernen eine Allianz geschmiedet. Der Name der Gruppe soll Programm sein: „Internet.org

„Die überwiegende Mehrheit der Menschen in der Welt hat keinen Zugang zum Internet“, schrieb Zuckerberg zum Start von Internet.org am Mittwoch. Sein Ziel sei es, die fünf Milliarden Menschen, die noch nicht online sind, ins Netz zu bringen. Die Weltbevölkerung wird auf über sieben Milliarden Menschen geschätzt. „Die Welt zu verbinden ist eine der größten Herausforderungen unserer Generation“, so Zuckerberg. Die Hauptaufgabe der neuen Organisation läge nun darin, Ideen für einen „groben Plan“ zusammenzutragen, erklärt der 29-Jährige Firmenchef.

Fokus auf Entwicklungsländer

Liest man die Liste der Gründungsmitglieder der Allianz, könnte das untertrieben sein. Denn dabei sind führende Unternehmen der weltweiten Elektronik- und Kommunikationsbranche: Samsung, Ericsson, Nokia, Browserproduzent Opera, die Chiphersteller Qualcomm und Mediatek sowie Facebook selbst. Die wichtigsten Aufgabenbereiche der Organisation sind ganz klar auf Entwicklungsländer etwa in Afrika oder Asien zugeschnitten. Dort existieren kaum kabelgebundene Internet-Anschlüsse, doch Handy-Netze sind fast flächendeckend ausgebaut. Ihnen mangelt es aber an Bandbreite, ein Internetzugang ist daher gar nicht oder nur eingeschränkt möglich. Und selbst wenn es einen Zugang gibt, können sich diesen viele Menschen nicht leisten, schließlich sind Datenpakete und Smartphones teuer.

Internet.org will die Entwicklung günstigerer Geräte fördern und Technologien entwickeln, um die Kosten für die Datenübertragung zu senken. Als Beispiele werden neue Verfahren zur Datenkomprimierung genannt und bessere Netzwerktechniken, um die vorhandenen Übertragungswege besser zu nutzen. Apps und andere Softwareprodukte sollen so entwickelt werden, dass sie mit weniger Datenverkehr auskommen. Außerdem wolle die Initiative neue Geschäftsmodelle fördern, die den Menschen mehr Möglichkeiten für den Zugang zum Internet böten. Konkrete Ideen wurden nicht genannt, denkbar wären hier aber zum Beispiel neue Bezahlmodelle.

Die Zuckerberg-Initiative ist nicht der erste Versuch von Internetkonzernen, Zugangsmöglichkeiten zum Netz in Entwicklungsländern zu verbessern. Google startete beispielsweise ein Ballon-Projekt, um abgelegene Regionen mit einem Internet-Zugang zu versorgen. Hauptgrund für derlei Aktivitäten ist, dass in den Industriestaaten der Markt auf vielen Ebenen bereits gesättigt ist, nicht nur bei Facebook. Außerdem geht es wie bei vielen anderen Branchen auch darum, den schnellen Vormarsch der Chinesen auf dem Weltmarkt zu bremsen. Gerade die Entwicklungsländer spielen in der Strategie der Chinesen eine wichtige Rolle.

Niebel lobt Zuckerbeg-Initiative

Unabhängig von diesen ungenannten Zielen lobte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) die Initiative: Privates Engagement sei grundsätzlich etwas Gutes, sagte er der FR. „Über das Internet können Menschen kommunizieren, erhalten ein Fenster zur Welt“, betont er. „Das Internet kann eine wichtige Stütze der Zivilgesellschaft gegen Diktatur und Menschenrechtsverletzungen sein – die jüngste Vergangenheit hat das gezeigt“, so der Minister.

Niebel fügte noch einen interessanten Satz an, ohne das immer wieder als Datenkrake kritisierte Facebook zu nennen: „Ein freies Internet muss aber auch ein freies Internet bleiben – die neuen Möglichkeiten für Millionen Menschen dürfen nicht auf Kosten des Schutzes ihrer Persönlichkeitsrechte und ihrer persönlichen Daten gehen.“

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