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Ein Flüchtling aus Somalia arbeitet während eines Praktikums in einem Industriebetrieb.

Integration

Flüchtlinge kommen in Arbeit

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Die deutsche Wirtschaft sucht händeringend nach Mitarbeitern. Das erleichtert Geflüchteten den Einstieg ins hiesige Berufsleben. 

Angela Merkel habe mit ihrem „Wir schaffen das“ Recht behalten, befand Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer vor Weihnachten. Die Integration von Flüchtlingen in Deutschland laufe deutlich besser als gedacht. Neue Daten der Bundesagentur für Arbeit, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegen, machen nun eine differenzierte Bewertung möglich. Demnach ist die Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern – darunter Syrien, Irak und Afghanistan – zuletzt nur noch leicht gestiegen. Ende Juni 2018 waren in Deutschland 183.137 arbeitslose Flüchtlinge registriert. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es noch 180.834 gewesen.

Was allerdings auffällt: In einigen Bundesländern sinkt die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge bereits: Etwa in Schleswig-Holstein von 8057 Mitte 2017 auf 7670 ein Jahr später oder in Niedersachsen, wo die Statistik Ende Juni des vergangenen Jahres 20.744 arbeitslose Flüchtlinge aufwies im Vergleich zu noch 21.146 im Sommer 2017. Auch im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen ging die Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen von 54.521 Ende Juni 2017 auf 53.173 Mitte 2018 zurück. Die Bundesagentur für Arbeit führt dies auf Vermittlungserfolge zurück. „Wir sind bei der Beschäftigung von Flüchtlingen auf einem guten Weg“, sagte ein Sprecher.

Die ostdeutschen Bundesländer verzeichneten zuletzt allerdings noch einen Anstieg der Flüchtlingsarbeitslosigkeit – wenn auch auf vergleichsweise geringem Niveau. So wurden in der Bundeshauptstadt Mitte 2017 9134 arbeitslose Flüchtlinge gemeldet, ein Jahr später waren es 9927. In Brandenburg stieg die Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen im gleichen Zeitraum um 209 auf 4489, in Mecklenburg-Vorpommern um 469 auf 3321, in Sachsen um 545 auf 3321 sowie in Sachsen-Anhalt um 152 auf 5012.

Immer mehr Flüchtlinge schaffen es in reguläre Beschäftigung

Die jetzt vorliegenden Zahlen zeigen allerdings auch: Nach Asylverfahren und Deutschkursen schaffen es immer mehr Flüchtlinge in reguläre Beschäftigung. Laut Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl der Flüchtlinge mit sozialversicherungspflichtigem Job in Deutschland von 156.850 Mitte 2017 auf 245.472 zwölf Monate später. Eine Entwicklung, die sich in vielen Bundesländern zeigt. Ende Juni des vergangenen Jahres hatten in Schleswig-Holstein 7801 Flüchtlinge sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen, in Niedersachsen 20.610 und in Nordrhein-Westfalen 51.632. In Berlin waren es 11.331, in Brandenburg 3614, in Mecklenburg-Vorpommern 2137, in Sachsen 6180 und in Sachsen-Anhalt 3657.

Zunächst sind es häufig einfache Jobs mit niedrigen Löhnen, die Flüchtlinge übernehmen. 49,5 Prozent der regulär beschäftigten Arbeitnehmer aus den wichtigsten Asylherkunftsländern arbeiten als Helfer, 40 Prozent als Fachkräfte, die übrigen als Spezialisten oder Experten. Von den gut 245.000 Flüchtlingen mit sozialversicherungspflichtigem Job arbeiten rund 14 Prozent in der Gastronomie sowie etwa 17 Prozent in der Leiharbeit. „Zeitarbeit bietet ungelernten Helfern eine Einstiegschance“, so ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. „Das ist ein erster Schritt in Richtung reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.“

Die Daten der Bundesagentur zeigen jedoch, dass trotz positiver Entwicklung bei der Beschäftigung Flüchtlinge ihren eigenen Lebensunterhalt häufig nicht ohne staatliche Unterstützung allein durch Arbeit bestreiten können. 56,2 Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlinge lebten im November 2018 ganz oder ausschließlich von Hartz-IV-Leistungen. Laut Bundesagentur für Arbeit arbeiteten zudem zwei von drei Flüchtlingen mit Vollzeitjob zuletzt zu Niedriglöhnen.

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