Mobilfunk

Initiative gegen Funklöcher

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Fehlende Standorte und Bürokratie bremsen in Deutschland den Ausbau des Mobilfunks. Die Branche bittet nun um Hilfe.

Gerade hat der Bund einen Plan zum Stopfen von Funklöchern vorgelegt, da starten auch die Netzbetreiber und der IT-Branchenverband Bitkom eine Initiative dazu. „Wir können mit extrem wenig Aufwand einen enormen Effekt erreichen“, verspricht Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Kern der Initiative ist eine interaktive Landkarte mit den 1292 Standorten, die hierzulande große Probleme beim Aufstellen von Mobilfunkmasten haben. Sie kann unter der Internetadresse „mobilfunkausbau.de“ von zur Mithilfe aufgeforderten Kommunen, Unternehmen und Bürgern abgerufen werden. „Das längste Verfahren für einen Standort bei Erlangen zieht sich seit neun Jahren hin“, sagt Rohleder zur aktuellen Lage.

Im Durchschnitt dauere es in Deutschland zwei bis zweieinhalb Jahre, bis ein Mobilfunkmast stehe. Das sei viel zu lang. Die jüngsten Pläne des zuständigen Bundesverkehrsministeriums zur Beseitigung von Funklöchern lobte der Bitkom-Manager. „Das kommt einem großen Wurf nahe“, meinte er. Aber neben Bund und Ländern müssten nun auch alle Kommunen eigene Grundstücke und Gebäude zur Verfügung stellen, um Mobilfunkmasten zu errichten. Das sei heute nicht immer so. In Einzelfällen hätten Kommunen massive Vorbehalte und würden Netzanbieter ausbremsen. Ein Kommune nahe Frankfurt blockiere den Bau eines Funkmasten seit sechseinhalb Jahren aktiv.

Ein weiterer Bremser ist die Bürokratie. Das beginne teils schon früh in der Planungsphase, erklärt Rohleder. In der Nähe von Aachen gebe es einen Standort, wo Netzbetreiber seit acht Jahren und neun Monaten auf das Anschließen eines Grundstücks an die Energieversorgung für den Funkmasten warteten. Sie so etwas schließlich endlich einmal geregelt, ziehe sich das eigentliche Genehmigungsverfahren hierzulande im Schnitt über ein Jahr hin.

Standorte anbieten

„Unser Ziel sind weniger als drei Monate“, sagt Rohleder. Dazu brauche es die Unterstützung der Genehmigungsbehörden und technologisches Erwachen. Heute erteilten deutsche Behörden ihre Genehmigungen nämlich immer noch auf Papier. Viel schneller ginge alles, würden Verfahren zeitgemäß digitalisiert, wirbt Rohleder. Dann könne man auch die Zeit verkürzen, die Behörden heute zur Reaktion auf Baupläne haben. Die können sich aktuell zwei Monate oder sogar unbegrenzt dafür Zeit lassen. Ein Monat ist machbar, findet Bitkom.

Der Verband fordert auch eine Verlängerung genehmigungsfreier Masthöhen von zehn auf 15 Meter in Innenbereichen und von 15 auf 20 Meter in Außenbereichen von Grundstücken. Netzbetreibern müsse bei der Standortsuche zudem unkompliziert Einsicht in Grundbücher gewährt werden. Sie und der Verband hoffen, dass über die interaktive Internetseite, die erstmals Vorhaben aller drei Netzanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica abbildet, von privaten Eigentümern, Firmen oder öffentlicher Hand neue Standorte angeboten werden. Dazu gebe es digitale Formulare.

Einkalkuliert ist, dass durch die auf einen Kilometer genaue Karte mit Problemstandorten, die alle im ländlichen Raum liegen, auch neuer Widerstand geweckt wird. „Wir bieten Dialog an“, sagt Rohleder und hofft in Streitfällen auf Verständigung.

In Deutschland gibt es heute gut 5000 Funklöcher, in denen kein oder nur ein wackliges Mobilfunknetz existiert. Dort leben geschätzt knapp zwei Millionen Menschen. Eine genaue Statistik dazu gibt es bislang nicht. Die Versorgung mit schnellem Internet per 4G-Netz liegt hierzulande bei gut drei Viertel. Viele Entwicklungsländer kommen auf eine höhere Quote.

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