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Kritik an Inflationsprämie: „Energiekosten nehmen allen die Luft zum Atmen“

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Von: Constantin Hoppe

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Deutscher Arbeitgebertag
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger (r.) trifft Bundeskanzler Olaf Scholz (l.) © Bernd von Jutrczenka/dpa

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger übt Kritik an der Inflationsprämie. Viele Unternehmen könnten sich dies schlichtweg nicht leisten.

Frankfurt – Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat vor zu hohen Erwartungen an die möglichen Einmalzahlungen in Form einer Inflationsprämie von Unternehmen gewarnt: „Viele Unternehmen würden ihren Mitarbeitern sicherlich eine Einmalzahlung, egal in welcher Höhe, ermöglichen“, sagte Dulger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Aber sie können es nicht, weil die massiv gestiegenen Energiekosten ihnen jede Luft zum Atmen nehmen.“

Viele Arbeitgeber hätten schlichtweg nicht die finanziellen Möglichkeiten, so etwas in der aktuellen Krise auch umzusetzen: „Ein Bäcker, der statt 1500 plötzlich 15.000 Euro pro Monat für Strom und Gas bezahlen muss, braucht über Lohnerhöhungen oder Einmalzahlungen nicht mehr nachzudenken“, sagte Dulger. „Bei dem geht es nur noch um seine blanke Existenz.“

Dulger kritisiert die Inflationsprämie: Schwierige Lage der Angestellten ist den Arbeitgebern bewusst

Grundsätzlich befürwortet Dulger aber die Möglichkeit der Einmalzahlungen, welche die Ampel-Regierung im Rahmen ihres dritten Entlastungspakets ermöglichen will. Bis zu 3000 Euro sollen Unternehmen ihren Angestellten steuer- und abgabenfrei als einmalige Inflationsprämie auszahlen können. Einmalzahlungen seien sowohl gut für die Arbeitgeber- und für die Arbeitnehmerseite. Den Arbeitgebern sei die prekäre Situation ihrer Angestellten bewusst, sagte Dulger.

Deshalb fordert er ein entschlosseneres Vorgehen der Regierung, um noch größere finanzielle Verwerfungen zu vermeiden: „Wenn wir jetzt nicht handeln, drohen wir Strukturen zu verlieren, die nicht mehr zurückkommen. Kleine Betriebe oder Handwerker machen dann dicht und nie wieder auf“. Deshalb sollte jede Möglichkeit in Betracht gezogen werden, um die Krise abzumildern.

Bis zu 3000 Euro Inflationsprämie: Arbeitgeberpräsident fordert entschlossenes Vorgehen der Regierung

„Die Bundesregierung muss endlich anfangen, die Ursache der Krise zu bekämpfen und nicht immer weiter an den Symptomen herumdoktern“, sagte er gegenüber dem RND. Die Bundesregierung müsse damit beginnen, den Anstieg des Strompreises zu begrenzen. Ein erster Schritt dazu könnte die Streichung der Gasumlage sein. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte jüngst an, an der Umlage festzuhalten, jedoch sei eine verfassungsrechtliche Prüfung dieser nötig. Zudem denkt Dulger, dass eine staatliche Regulierung des Strommarktes notwendig werden könnte.

Zur Not sollte, so Dulger, auch die Schuldenbremse ausgesetzt werden – das sei aber letztlich die Entscheidung der Politik. Jedoch sei das Verhindern einer staatlichen Neuverschuldung aktuell nicht das dringendste Problem der Unternehmen. (con)

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