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Inflation: Warum die Preise steigen - und wer am stärksten betroffen ist

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Von: Matthias Schneider

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Die Inflation betrug im November 5,2 Prozent. Ein Ende der Preissteigerung ist nicht in Sicht. Doch weshalb wird das Geld weniger wert und wer ist betroffen?

München - Stark gestiegene Energiepreise, wieder erhöhte Mehrwertsteuer, Geldschwemme aus den Zentralbanken: Die Verbraucherpreise sind in den letzten Monaten förmlich explodiert. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich.

Inflation: So berechnen die Statistiker die Verbraucherpreise

Die Preissteigerung spüren Verbraucher meistens an der Kasse. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zieht darum einen großen, virtuellen Warenkorb zurate. Jeden Monat werten Statistiker die Preise von rund 300.000 Produkten aus. Dazu gehören Alltagsgüter wie Miete, Benzin oder Gemüse, aber auch Nischenprodukte wie Zigarren.

Die Preise werden jeweils ins Verhältnis zum Vormonat gesetzt. Um Verzerrungen zu vermeiden, werden die Produkte stets im selben Geschäft gekauft. Weil nicht jeder Posten gleich wichtig ist, werden die Produkte unterschiedlich gewichtet. Aktuell gültig ist das Wägungsschema für das Basisjahr 2015. Die Gewichtung wird in der Regel nur alle fünf Jahre aktualisiert, um die Preisentwicklung verzerrungsfrei darstellen zu können.

Im aktuellen Schema machen Nahrungsmittel rund 8,5 Prozent aus, die Warmmiete mit Strom rund 32 Prozent. Der zweitgrößte Posten ist mit knapp 13 Prozent der Verkehr. Auf den hintersten Rängen rangieren unter anderem „Schmalz und anderes tierisches Speisefett“ (Gewichtung: 0,004 Prozent) und „MP3-Player oder ähnliches“. Die allgemeine Inflation sagt jedoch wenig über die persönliche Teuerungsrate aus. Ein Nichtraucher muss keine Zigaretten bezahlen (Gewichtung: 1,7 Prozent), ein Autofahrer leidet jedoch überproportional stark unter hohen Benzinpreisen (Gewichtung: 2,5 Prozent).

Inflation trifft Autofahrer

Besonders gestiegen sind die Preise für Energie. Das Bundesamt für Statistik betrachtet für seine Darstellung unter anderem zwei fiktive Haushalte, deren monatliche durchschnittliche Konsumausgaben in Höhe von 3000 Euro sich in allen Bereichen gleichen - außer bei der Mobilität: Der erste Haushalt fährt Auto und wendet monatlich 150 Euro für Pkw sowie 230 Euro für Kraftstoff und Unterhalt auf. Die „persönliche Inflationsrate“ liegt angesichts der zuletzt deutlich gestiegenen Spritpreise demnach bei 5,6 Prozent.

Der zweite Haushalt gibt für die eigene Mobilität ebenfalls 380 Euro im Monat aus, ist aber in der Beispielrechnung ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Für diesen Haushalt liegt die Inflationsrate laut Bundesamt 1,2 Prozentpunkte niedriger und beläuft sich auf lediglich 4,4 Prozent.

Allerdings muss man den Anstieg ins Verhältnis setzen: Im Sommer 2020 lag die Entwicklung der Spritpreise weit unter dem Niveau der Gesamtinflation, während sie jetzt weit darüber liegt. Zur größeren Fallhöhe kam die Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer, die zeitweise reduziert worden war.

Alte Menschen und Geringverdiener leiden besonders unter der Preissteigerung

Die Folgen der hohen Inflation bekommen laut einer Studie des Institutes für Wirtschaftsforschung vor allem ärmere Haushalte zu spüren. Für die Studie untersuchten die Ökonomen die Preissteigerung seit 1995 und die Konsumgewohnheiten der Deutschen. Das Ergebnis: Die Lebenshaltungskosten der einkommensärmsten Deutschen sind seit 1995 um fast 34 Prozent gestiegen, die der einkommensreichsten Haushalte dagegen nur um rund 28 Prozent.

Die Unterschiede lassen sich den IW-Experten vor allem auf unterschiedliche Konsumgewohnheiten zurückführen: Arme Haushalte geben einen großen Teil ihres Einkommens für Miete, Gas, Strom und Lebensmittel aus. Reiche Haushalte kaufen dagegen vergleichsweise viele Elektrogeräte - die sind gemessen an der Qualität günstiger geworden. Von demselben Effekt profitieren auch Jüngere: Sie kaufen mehr Elektronik und leben in kleineren Wohnungen oder Wohngemeinschaften.

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