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Frisches Gemüse ist teurer geworden: Im April zahlten Verbraucherinnen und Verbraucher neun Prozent mehr als im März. Imago Images
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Frisches Gemüse ist teurer geworden: Im April zahlten Verbraucherinnen und Verbraucher neun Prozent mehr als im März. Imago Images

Steigende Preise

Inflation: Das Gespenst der Teuerung

  • VonStephan Kaufmann
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Mit steigenden Preisen wächst die Angst vor höheren Zinsen. Sie wären ein Risiko für den Boom an den Börsen und die Konjunktur. Eine starke Inflation wird es aber wohl nicht geben.

Die Inflationsrate steigt – und das ist keine überraschende Nachricht. Bereits seit Monaten kündigen Ökonominnen und Ökonomen ein Anziehen der Teuerung an. Dennoch herrscht vor allem an den Finanzmärkten Aufregung. Denn durch den Post-Corona-Aufschwung sind weltweit viele Güter und Vorprodukte knapp geworden, was ihre Preise steigen lässt und die Inflation weiter anfeuern könnte. Und damit geriete die Basis des seit Monaten laufenden Börsenbooms ins Wanken: die niedrigen Zinsen.

Im vergangenen Jahr hatte der Ausbruch der Corona-Pandemie nicht nur die Wirtschaftsleistung in den Keller getrieben. Auch die Inflationsrate ging zurück, angetrieben durch den Preisabsturz bei Öl und die Senkung der Mehrwertsteuer. Nun jedoch geht es wieder aufwärts: Im April kletterte die Inflationsrate in Deutschland auf 2,0 Prozent.

Inflationsrate auf Höchststand

Das war der höchste Stand seit zwei Jahren. Seit dem Auslaufen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung Ende 2020 sind die Verbraucherpreise damit den vierten Monat in Folge gestiegen. Im Januar lag die Teuerungsrate bei 1,0 Prozent, im Februar waren es 1,3 Prozent und im März 1,7 Prozent.

In der Eurozone stieg die Inflationsrate im April von 1,3 auf 1,6 Prozent, und in den USA sprang sie sogar über vier Prozent. Nun geht die Furcht um: Sollten die Preise dauerhaft stärker steigen, könnte dies die Zentralbanken dazu zwingen, die Zinsen zu erhöhen, um die Geldwertstabilität zu gewährleisten. Dies käme zu einem äußerst unguten Zeitpunkt, sowohl für die Konjunktur als auch für die Finanzmärkte.

Bedroht die Inflation den Börsenboom?

Aufgrund von Spätfolgen der Finanzkrise und wegen der Corona-Krise sind die Schulden von Staaten wie auch von Unternehmen stark gestiegen. Um die Zinsbelastung tragbar zu machen und die Konjunktur zu stützen, haben daher alle großen Zentralbanken ihre Leitzinsen auf oder nahe null Prozent gesenkt. Zudem kaufen sie Anleihen auf, um das allgemeine Zinsniveau weiter zu drücken. Da festverzinsliche Wertpapiere kaum noch Rendite bringen, ist auf den Finanzmärkten seit Jahren eine Jagd auf Rendite im Gange: Um höhere Erträge zu erzielen, sind Abermilliarden in riskantere Investments wie Aktien oder Kryptowährungen geströmt und haben die Börsen- indizes auf immer neue Rekordstände getrieben.

Die Steigerung des Verbraucherindex im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Stiegen nun die Zinsen, ginge diesem Boom die Luft aus. Denn die Attraktivität von Aktien beruht aktuell zu einem großen Teil auf der relativen Unattraktivität von Anleihen. Zudem wären höhere Zinsen Gift für die Konjunktur – und für die Staatshaushalte. Denn „fast überall auf der Welt stellt der drastische Anstieg der Staatsverschuldung das pandemiebedingte Hauptrisiko für das Finanzsystem dar“, warnen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer jüngsten Gemeinschaftsdiagnose. Dieses Risiko könne insbesondere „dann sehr schnell virulent werden, wenn die Zinsen und damit die Lasten des Schuldendienstes von ihrem zurzeit äußerst niedrigen Niveau aus steigen sollten“. Zentralbanken stünden in den nächsten Jahren vor der Aufgabe, die Vermeidung dieses Risikos in Einklang zu bringen mit dem Ziel der Geldwertstabilität – also einer niedrigen Inflationsrate.

Inflation: Preise sollen weiter steigen

Doch die steigt derzeit. Die DZ Bank rechnet für die Eurozone mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von 1,8 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021. Für Deutschland prognostiziert die Commerzbank 2,3 Prozent. Aktuell verfallen die Ökonom:innen jedoch nicht in Panik. Denn der Anstieg der Inflationsrate sei zunächst nur einem Basiseffekt geschuldet: Zu Beginn der Pandemie 2020 waren die Rohölpreise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt eingebrochen. Da insbesondere die Energiepreise vor einem Jahr also besonders niedrig waren und seitdem stetig gestiegen sind, treiben sie die Inflation nach oben. Dieser Effekt werde noch einige Monate anhalten. Dazu komme die wegen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung allgemein niedrigere Vergleichsbasis im zweiten Halbjahr 2020. Beides zusammen dürfte die Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2021 zeitweise auf drei Prozent steigen lassen.

Dazu kommt nun ein zweiter Effekt: Der kräftige Aufschwung der Weltwirtschaft lässt Vorprodukte knapp werden, vor allem einige Grundstoffe wie Holz und andere Baustoffe, Metalle sowie chemische Produkte. Bei der letzten Umfrage des Ifo-Instituts gab fast die Hälfte aller deutschen Industrieunternehmen an, ein Mangel an Vorprodukten bremse ihre Produktion. Die Knappheit macht Vorprodukte teurer. Das zeigt sich derzeit nicht in den Verbraucherpreisen, allerdings in den Preisen der Erzeuger – also in jenen Preisen, die die Unternehmen zahlen müssen. Sie legten in Deutschland zuletzt um 3,7 Prozent zu und klettern weiter.

Inflation und Löhne im Wechselspiel

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die steigenden Erzeugerpreise auf die entscheidende Größe – die Verbraucherpreise – durchschlagen. Denn zum einen war der Zusammenhang zwischen beiden Größen in den vergangenen Jahren eher lose. Zum anderen: Selbst wenn höhere Erzeugerpreise Konsumgüter verteuern würden, so wäre der Effekt wohl begrenzt. „Schließlich beläuft sich der Anteil der Waren – ohne Energie und Nahrungsmittel – am Warenkorb des Verbraucherpreisindex auf weniger als ein Viertel“, erklärt die Commerzbank. Vielmehr werde dieser Index von den Dienstleistungen dominiert, die inklusive der Mieten deutlich mehr als die Hälfte des Warenkorbs ausmachten.

Eine nachhaltig stärkere Inflation wird es laut den Wirtschaftsfachleuten daher erst geben, wenn die Löhne merklich anziehen. Davon ist bislang aber nichts zu sehen. Vielmehr hat sich der Lohnauftrieb unter dem Eindruck der Pandemie merklich abgeschwächt, die schwierige Lage am Arbeitsmarkt schwächt die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften. Und wenn die Menschen nicht mehr Lohn haben, fehlt Nachfrage und damit den Unternehmen die Macht, höhere Preise zu verlangen. Im Endeffekt ist es also die Schwäche der Arbeitnehmerposition, die die Inflation vorerst begrenzt, Zinserhöhungen daher unnötig macht und den Börsenboom weiterlaufen lässt.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel geht davon aus, dass die Inflation ab 2022 wieder zurückgehen sollte auf schätzungsweise 1,2 Prozent im Euroraum: „Das bedeutet für uns, dass wir weiterhin die Finanzierungsbedingungen günstig halten, um die Wirtschaft zu unterstützen. Und ein Zinsanstieg deutet sich derzeit nicht an“, sagte Schnabel der ARD. (mit dpa)

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