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Inflation in Deutschland nimmt wieder zu: Zweistellige Teuerungsrate droht

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Von: Moritz Serif

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Inflation in Deutschland
Steigende Preise für Energie und Lebensmittel machen den Verbrauchern zu schaffen. © Frank Rumpenhorst/dpa/picture alliance

Ökonom:innen fürchten eine zweistellige Inflationsrate in Deutschland. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise lassen die Teuerungsrate in die Höhe klettern.

Wiesbaden– Das war’s mit der kurzzeitigen Entspannung: Die Inflation in Deutschland ist im August wieder auf 7,9 Prozent gesprungen, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab. Demnach sei die Teuerungsrate getrieben von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen. Volkswirt:innen rechnen mit zweistelligen Inflationsraten in den nächsten Monaten.

Gaskund:innen drohen zudem weiter anziehende Preise wegen der Gasumlage, die es Gasversorgern ermöglicht, Mehrkosten an ihre Kunden weiterzugeben. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel geht davon aus, dass die Inflation im Dezember mit mehr als 10 Prozent ihren Höhepunkt erreichen könnte.

Inflation in Deutschland: Teuerungsrate könnte weiter ansteigen

Allerdings erwartet die Bundesbank auch für 2023 mit voraussichtlich mehr als 6 Prozent Jahresteuerung eine deutlich erhöhte Inflation in Europas größter Volkswirtschaft. Die Europäische Zentralbank (EZB), die sich nach langem Zögern mit höheren Zinsen gegen die Inflation stemmt, strebt für den Euroraum mittelfristig Preisstabilität bei zwei Prozent Inflation an. Im August betrug der für die Geldpolitik maßgebliche Index HVPI für Deutschland 8,8 Prozent.

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern muss man in der Zeitreihe bis in den Winter 1973/1974 während der Ölkrise zurückgehen, um ähnlich hohe Werte zu finden. Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro weniger leisten können.

Inflation lässt Einkommen dahinschmelzen

„Die hohen Inflationsraten lassen die realen Einkommen der privaten Haushalte sowie deren Ersparnisse dahinschmelzen und reduzieren ihre Kaufkraft“, hatte Ifo-Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser erklärt. Das neue Entlastungspaket der Bundesregierung werde dies „bei weitem nicht ausgleichen“.

Seit Monaten sind Energie und Lebensmittel die größten Preistreiber. Der russische Angriff auf die Ukraine sowie Lieferengpässe haben die bereits angespannte Lage verschärft. Im August 2022 lagen die Energiepreise in Deutschland nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker um 35,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Heizöl war mehr als doppelt so teuer wie vor Jahresfrist (plus 111,5 Prozent), die Erdgaspreise zogen um 83,8 Prozent an.

Teuerung: Preise für Strom, Kraftstoffe und Nahrungsmittel steigen an

Für Strom mussten Verbraucher 16,6 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe waren um 16,5 Prozent teurer. „Die Preiserhöhung für Energieprodukte lag somit trotz der Entlastungsmaßnahmen über der Gesamtteuerung“, bilanzierte das Bundesamt. Hauptursache sei der starke Anstieg der internationalen Einkaufspreise. Bei Nahrungsmitteln verstärkte sich der Preisauftrieb im sechsten Monat in Folge. (mse/dpa)

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