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Das Statistische Bundesamt hat eine Teuerungsrate von 4,1 Prozent für den Monat September ausgewiesen.
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Inflation in Deutschland: Das Statistische Bundesamt hat eine Teuerungsrate von 4,1 Prozent für den Monat September ausgewiesen. Die Preise, nicht nur für Lebensmittel, steigen.

Verbraucher

Inflation: Preise in Deutschland steigen – Das sind die Gründe dafür

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Das Gespenst der Inflation geht um in Deutschland – erstmals seit vielen Jahren. Müssen sich die Verbraucher Sorgen machen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Berlin/Frankfurt – Viele Verbraucher dürften es schon beim wöchentlichen Einkauf, dem Friseurbesuch oder beim Tanken gemerkt haben: Die Preise für Lebensmittel, aber auch für Heizung, Strom und Sprit sind deutlich gestiegen – und auch der vor uns liegende Winter könnte noch teuer werden. Einer der Gründe: die Inflation. Was kommt auf die Konsumenten zu? Wie brenzlig ist die Lage? Ein Überblick.

Was ist die Inflation überhaupt?

Inflation bezeichnet zunächst einen allgemeinen, durchschnittlichen Preisanstieg. In einer Marktwirtschaft schwanken die Preise regelmäßig. Mal sinken sie, mal steigen sie. Nur weil die Butter im Supermarkt oder das Heizöl teurer wird, liegt noch keine Inflation vor. Wenn allerdings nicht nur die Preise einzelner Produkte oder Dienstleistungen ansteigen, sondern das allgemeine Preisniveau, dann liegt eine Inflation vor. Das ist in Deutschland derzeit der Fall.

Wie hoch ist die Inflation derzeit?

Das Statistische Bundesamt verzeichnet einen Anstieg der Verbraucherpreise im September gegenüber dem Vorjahresmonat von 4,1 Prozent. Damit knackte die Inflation erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke. Zuletzt war das im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent der Fall. Jahrelang war die Inflation in Deutschland niedrig. 2020 lag die Teuerungsrate bei 0,5 Prozent, im Jahr zuvor bei 1,4 Prozent. Experten gehen laut Deutsche Presse Agentur (dpa) davon aus, dass die Inflation dieses Jahr noch auf fünf Prozent steigen könnte.

Inflation in Deutschland: Das sind die Gründe für den Preisanstieg

Welche Folgen hat der Preisschub?

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern: Für einen Euro können sie nämlich dann weniger kaufen als zuvor. Auch für Sparer ist die Situation gerade schwierig: Wenn sie Geld beispielsweise auf niedrig verzinsten Tagesgeldkonten gebunkert haben, dürfte ihnen die hohe Inflationsrate Bauchschmerzen bereiten.

Nach Berechnungen der Commerzbank-Tochter Comdirect verloren Spareinlagen in den ersten neun Monaten in Deutschland insgesamt rund 47 Milliarden Euro an Wert wegen niedrig verzinster Einlagen.

Was sind die Gründe für die Inflation?

Für die derzeit steigende Inflation gibt es eine Reihe von Gründen, die allesamt mit der Pandemie zusammenhängen:

  • Zu Beginn der Corona-Pandemie waren die Preise im Keller, denn die Weltkonjunktur war eingebrochen. Dank Impfungen haben viele Länder die Krise derzeit im Griff. Die Folge: Die Wirtschaft erholt sich. Ergo: Verbraucher konsumieren wieder mehr und Firmen produzieren und investieren verstärkt. Die Nachfrage steigt und damit, nach alter marktwirtschaftlicher Weisheit, eben auch die Preise.
  • Hinzu kommen die massiv gestiegenen Energiepreise. „Am offensichtlichsten ist der Teuerungseffekt im Energiesektor und somit bei Gas- und Strompreisen“, erklärt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment der Deutschen Presse Agentur. „In wenigen anderen Bereichen stehen Angebot und Nachfrage aktuell in einem ähnlich großen Missverhältnis.“ Die hohen Energiepreise hängen aber auch mit der deutlich rascheren Erholung der Weltwirtschaft nach dem Corona-Beben zusammen: Die Nachfrage nach Rohöl und Gas ist extrem hoch derzeit, was die Preise gerade stark ansteigen lässt.. Zudem hat der kalte zurückliegende Winter an den deutschen Lagerbeständen gezehrt. Außerdem sind hierzulande seit Januar 2021 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.
  • Noch immer sind die globalen Lieferketten völlig aus dem Takt. Viele Firmen haben während der Lockdowns ihren Betrieb heruntergefahren und Personal abgebaut. Die Erholung kam nun aber für viele Unternehmen wohl doch überraschend. Die Rückkehr zum Normalbetrieb kostet nun viel Zeit. So kommt es zu einem eklatanten Missverhältnis: Die Nachfrage nach Produkten steigt abrupt, das Angebot bleibt derzeit dahinter jedoch weit zurück. Auch das ist ein Treiber der Inflation.
  • Außerdem gibt es derzeit Probleme in der Containerschifffahrt: In den Häfen stauen sich die Schiffe, es herrscht ein Mangel an Containern. Der Transport der Produkte verzögert sich und wird gleichermaßen teurer, was sich wiederum auch auf die Verbraucherpreise auswirkt. Nach einer Umfrage des Ifo-Instituts unter Händlern müssen Kunden im Einzelhandel mit Engpässen und höheren Preisen rechnen. 74 Prozent der befragten Einzelhändler klagten im September über Lieferprobleme .„Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, in einer Pressemitteilung. „Gegenwärtig ist Sand im Getriebe der weltweiten Logistik.“
  • Lieferschwierigkeiten und der plötzliche Aufschwung führen jedoch auch zu Hamsterkäufen von Firmen, die schleunigst ihre Lagerbestände auffüllen wollen. Dadurch spitzt sich die ohnehin prekäre Lage weiter zu und treibt die Preise.
  • In der zweiten Jahreshälfte 2020 hatte die Bundesregierung die Mehrwertsteuersätze gesenkt, um die Wirtschaft in der Pandemie anzukurbeln. Dadurch fielen die Preise zeitweise sogar. Seit Jahresbeginn gelten wieder die gewohnten Sätze. Damit steigen auch wieder die Preise.

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Wie gefährlich die Inflation in Deutschland werden könnte – Das sagen Experten

Müssen sich die Bürger wegen der Inflation Sorgen machen?

Nicht, wenn es sich nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt, wovon Experten derzeit ausgehen. Bei diesen zeitlich begrenzten Schüben ende der Preisanstieg, sobald Angebot und Nachfrage wieder in der Balance sind. „Mit dem Abebben der Corona-Pandemie im Frühjahr und dem Auslaufen von Sonderfaktoren wie der zwischenzeitlichen Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland dürfte die Inflation wieder sinken“, argumentiert beispielsweise Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer laut dpa.

Gefährlich werden könnten dagegen langfristige Inflations-Spiralen, so Ökonomen. Dazu kommt es etwa dann, wenn die so genannte Lohn-Preis-Spirale eintritt. Diese Metapher bezeichnet die Zusammenhänge zwischen dem Anstieg der Löhne als Folge von Preiserhöhungen und der Preise als Folge von Lohnsteigerungen.

Experten rechnen nicht mit einer anhaltenden Inflations-Spirale in Deutschland

Was bedeutet das konkret? Trifft niedrige Arbeitslosigkeit auf eine hohe gesamtwirtschaftliche Nachfrage, können Arbeitnehmer höhere Löhne durchsetzen, woraufhin die Unternehmen die Lohnsteigerungen in Form erhöhter Preise an den Verbraucher weitergeben. Daraufhin begründen die Gewerkschaften wiederum weitere, höhere Lohnforderungen mit den gestiegenen Preisen. Die fortgesetzten Lohn- und Preissteigerungen lösen eine Kettenreaktion, eine Aufwärtsspirale, weiterer Lohn- und Preissteigerungen aus. So wird die Inflation immer weiter angeheizt.

Dieses Risiko einer fatalen Kettenreaktion aus steigenden Löhnen und Preisen sehen Ökonomen in Deutschland derzeit jedoch nicht. „Inflationstreibende Lohnabschlüsse von deutlich über 3 Prozent sind in Deutschland bislang nicht zu beobachten“, konstatieren Volkswirte der BayernLB laut Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Sollte es wider Erwarten doch dazu kommen, müsste die Europäische Zentralbank intervenieren und die Zinsen erhöhen. Das würde jedoch das Wirtschaftswachstum ausbremsen, denn Kredite verteuerten sich, und es würde sich wieder mehr lohnen, zu sparen. Ein Rückgang von Investitionen und des Konsums wäre dann zu befürchten. (Julian Dorn)

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