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Intel-Deal

Infineon verkauft Handysparte

  • VonJakob Schlandt
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Der Chiphersteller Infineon verkauft seine Handysparte Wireless Solutions an Intel. Die Technik steckt auch im iPhone von Apple. Intels Kerngeschäft sind von nun an Autos und Energie.

Infineon verkauft sein Geschäft mit Chips für die drahtlose Kommunikation an den Halbleiter-Giganten Intel. Gut zehn Jahre nach der Ausgliederung aus dem Siemens-Konzern konzentriert sich Infineon nun fast ausschließlich auf klassische deutsche Industriesparten.

Anfang 2011 soll der Verkauf der Sparte Wireless Solutions (WLS) an Intel abgeschlossen sein. Infineon kassiert dafür 1,1 Milliarden Euro in bar. Die 2500 Mitarbeiter, die großenteils in der Chipentwicklung an Infineons Hauptstandort in Neubiberg beschäftigt sind, brauchen sich laut Intel keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz zu machen. Im Gegenteil, so das Intel-Management am Montag, der Konzern werde kräftig investieren und WLS von einem Mitläufer zu einem „Herausforderer“ in der Branche machen.

Infineon verkauft WLS nach einer in der Industrie vielbeachteten Kehrtwende zum Guten. Nach dem Ende der Produktion bei der ehemaligen Siemens-Handy-Tochter (BenQ Mobile) im Jahr 2006 waren WLS vier Fünftel des Umsatzes weggebrochen, die Tochter stand kurz vor dem Aus. Doch innerhalb weniger Jahre gelang die Sanierung. WLS-Chips werden nun unter anderem in Apples iPhone und iPad eingebaut.

Intel kann WLS gut brauchen, weil der Konzern zwar stark bei der Herstellung von Prozessoren etwa für tragbare Computer ist, aber nur wenige Angebote für die drahtlose Übertragung von Daten hat. Besonders im stark expandierenden Geschäft mit Mobiltelefonen hinkt Intel hinterher. Mit WLS werde „eine Lücke geschlossen“, hieß es. Deshalb soll WLS auch als Geschäftssparte erhalten bleiben. Darüber hinaus wurden gestern schon Investitionen angekündigt. So soll WLS stark in das Geschäft mit dem neuen Mobilfunk-Datenstandard LTE einsteigen.

Infineons Vorstandschef Peter Bauer sieht sein Unternehmer ebenfalls als Gewinner aus dem Geschäft hervorgehen. „Das ist ein guter Tag für Infineon und ein guter Tag für die Mitarbeiter“, sagte er. „Wir sind mit dem Kaufpreis sehr zufrieden.“ An der Börse wurde das allerdings anders gesehen: Der Kurs sank gestern leicht. Commerzbank-Analyst Thomas Becker sieht für Enttäuschung aber wenig Grund: „Der Preis ist fair für beide Seiten. Spekuliert wurde zwar über deutlich mehr, aber Infineon verdient mit dem Drahtlosgeschäft weniger als seine Konkurrenten, das hat sich im Kaufpreis niedergeschlagen.“

Laut Bauer kann Infineon sich nun voll auf seine drei restlichen Sparten konzentrieren und dort die Investitionen in Forschung und Entwicklung deutlich ausweiten. Kerngeschäft für Infineon sind vor allem die Autoindustrie und Chips für die Energiebranche. Dazu kommt noch das Geschäft mit Sicherheitschips, etwa für Bankkarten. Auch in Druckpatronen und Kamera-Akkus stecken inzwischen Chips von Infineon, die die Funktionstüchtigkeit sicherstellen. „Übrig bleibt ein kleiner, aber feiner Konzern“, sagte Analyst Becker. „Infineon ist in allen Bereichen, die noch bleiben, sehr gut aufgestellt und wird vermutlich erfolgreich sein.“

Nahe an Weltmarktführern

Seit seiner Gründung 1999 und dem Börsengang in 2000 hat Infineon also eine bemerkenswerte Wandlung durchlaufen. Gestartet war der Konzern als umsatzstarker Gemischtwarenladen, doch von immer mehr Geschäftsbereichen trennte sich der Konzern, allerdings oft erst, nachdem tiefrote Zahlen geschrieben wurden. Härtester Schnitt war 2006 die Ausgliederung der Speicherchipsparte Qimonda, die drei Jahre später Insolvenz anmelden musste. Beinahe wäre im Krisenjahr 2009 auch Infineon durch die Pleite in die Tiefe gerissen worden, weil noch finanzielle Verpflichtungen für Qimonda bestanden und auch das Kerngeschäft schwer in Mitleidenschaft geriet.

Nun scheint der Konzern in Windeseile eine neue Rolle gefunden zu haben. Infineon ist jetzt ein spezialisierter Anbieter, der fast nur noch in Bereichen tätig ist, in denen die europäische Wirtschaft mit führend ist. Automotive und Industrie seien natürlich klassische europäische Branchen, so Analyst Becker. „Auch wenn inzwischen an fast jedem Standort Chips entwickelt werden können, zeigt sich, dass es günstig ist, nahe an den Weltmarktführern zu sein. Das ist bei Automotive und Energie für Infineon der Fall.“

Ob die Aktionäre nun wohl mit einer Dividende rechnen dürfen? Darüber gebe es keine Entscheidung, sagt Bauer. Allein, dass darüber nachgedacht wird, muss aus der Perspektive des Jahres 2009 schon als Erfolg gewertet werden.

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