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Infineon ist mit 40 000 Beschäftigten deutlich größer als Cypress mit rund 5800 Mitarbeitern.

Infineon

Sprung in die Top Ten

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Infineon könnte mit Übernahme zum Halbleiter-Riesen aufsteigen - wenn Trump mitspielt.

Gerade erst wurde der Münchner Chipkonzern Infineon noch als Übernahmekandidat gehandelt. Jetzt wird er selbst zum Käufer im großen Stil oder will es zumindest werden. „Heute ist ein großer Tag für Infineon“, sagte Konzernchef Reinhard Ploss am Montag. Gerade habe er mit seinem Amtskollegen Hassane El-Khoury einen Vertrag zum Kauf des US-Rivalen Cypress unterschrieben. Knapp 24 Dollar will Infineon je Aktie zahlen, was einen Aufschlag auf dessen jüngste Kurse von fast der Hälfte bedeutet und den Vernetzungsspezialisten insgesamt mit neun Milliarden Euro bewertet.

„Es ist ein stolzer Preis, ohne Zweifel“, räumte Ploss ein. Weil aber beide Unternehmen so perfekt zueinander passen würden, sei dieser gerechtfertigt. Wirkliche Sorgen bereitet eher US-Präsident Donald Trump.

Denn Infineon ist im Jahr 2016, noch bevor dieser ins Weiße Haus eingezogen ist, schon einmal wegen US-Sicherheitsbedenken am Kauf eines dortigen Konzerns gescheitert. Der damalige Kandidat Wolfspeed hatte sicherheitsrelevante Produkte im Portfolio. Seit Trump im Amt ist, hat die Frage der Sicherheitsrelevanz aber noch einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Sie wird auch immer schamloser missbraucht, um Zölle und Handelskonflikte zu rechtfertigen, wo es eigentlich keine Rechtfertigung gibt.

Eigentlich habe er ein gutes bis sehr gutes Gefühl, was eine Genehmigung des Cypress-Kaufs durch US-Behörden betrifft, meinte Ploss dennoch. Kartellrechtliche Hürden gebe es nicht. Cypress habe anders als 2016 Wolfspeed auch keine sicherheitsrelevanten Produkte im Portfolio. Rational gebe es keinen Grund, die Übernahme zu untersagen. „Aber wir wissen nicht, was den Großen dieser Welt einfällt“, sagte der Infineon-Boss ein. Es ist klar, an wen speziell er in diesem Moment denkt, auch wenn der Name Trump nicht fällt.

Man habe den Kauf von Cypress nicht über Nacht, sondern nach reiflicher Überlegung beschlossen, wobei speziell auch der US-chinesische Handelsstreit eine Rolle gespielt habe, betonte Ploss. Infineon hat zuletzt eigene Chiplieferungen an den chinesischen Huawei-Konzern begrenzt, der in Trumps Visier geraten ist. Auch der Handel mit der EU und speziell Deutschland ist dem US-Präsidenten aber ein Dorn im Auge. Mit einer Übernahme von Cypress würde Infineon zum weltgrößten Chiplieferanten der gesamten Autobranche aufsteigen. Das könnte Trumps Aufmerksamkeit erregen.

Strategisch wäre der Kauf ein großer Wurf, findet Ploss. Mit ihm entstünde ein Chipriese mit addiert zehn Milliarden Euro Umsatz, der auf Rang acht und damit unter die Top Ten der Chipbranche aufsteigen würde. Überschneidungen im Produktportfolio oder regional gibt es so gut wie nicht. Infineon ist stark in Europa, mit Leistungshalbleitern, Sensoren und Sicherheitstechnologie. Cypress brächte Mikrokontroller, Software und allerlei Vernetzungstechnologie mit in die Firmenehe. Der US-Konzern ist zudem in Japan stark, wo Infineon noch unterrepräsentiert ist.

An der Börse finden die Pläne dennoch erst einmal wenig Begeisterung. Um zeitweise fast sieben Prozent auf rund 15 Euro sank die Infineon-Aktie nach Bekanntwerden der Pläne. Das machte sie am Montag zum Schlusslicht im führenden deutschen Aktienindex Dax. Das Infineon-Management erklärt das damit, dass bislang keine Zeit war, um den Mammutzukauf zu erklären. Zudem soll er zu 30 Prozent also in einem Volumen von 2,7 Milliarden Euro durch neues Eigenkapital etwa in Form einer Kapitalerhöhung finanziert werden. So etwas setzt einen Aktienkurs immer unter Druck.

Schon im ersten vollen Jahr nach einer Übernahme werde die Transaktion aber wertsteigernd sein, versprach Ploss. Dazu kämen jährliche Spareffekte ab 2022 von 180 Millionen Euro und längerfristig auch ein zusätzliches Umsatzvolumen von 1,5 Milliarden Euro. Eine geringe Anzahl von Stellen würde die Übernahme allenfalls in der Verwaltung kosten. Weil die Firmenehe auf forciertes Wachstum ziele, würden unter dem Strich aber wohl sogar neue Jobs geschaffen.

Infineon-Kunden aus Abnehmerbrachen wie der Autoindustrie würden immer mehr aus einer Hand fordern, was man mit Cypress künftig besser bieten könne, erklärte Ploss. „Unser Geschäftsmodell wird robuster“, versprach er bei einem für Ende 2019 angepeilten Vollzug des Kaufs. Dazu muss allerdings Trump mitspielen.

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