Die Doppeltürme der Deutschen Bank und das Hochhaus der Deka-Bank in Frankfurt. 
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Die Doppeltürme der Deutschen Bank und das Hochhaus der Deka-Bank in Frankfurt. 

Hilfe für Finanzbranche

Infektionsgefahr für Banken

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Wenn viele Firmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können, geraten auch die Finanzinstitute in die Bredouille. Die fordern daher schnelle Hilfen für ihre Kunden und sich selbst.

Die Ansage von Stefan Schneider ist eindeutig. Er spricht von einem Einbruch, den wir so „noch nicht gesehen haben“. Der Chefökonom für Deutschland bei der Deutschen Bank geht davon aus, dass die hiesige Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 7,5 Prozent schrumpfen wird. Der Bundesverband der privaten Banken (BdB) zieht daraus die Schlussfolgerung, dass Geld zur Stützung von Unternehmen nun schnell kommen muss. Die Lobby fordert, dafür Regularien für die Geldhäuser zu lockern. Es gehe nun darum, Arbeitnehmer und Unternehmen zu schützen, sagte Christian Ossig, BdB-Hauptgeschäftsführer am Mittwoch. Wenn dies gelinge, seien auch Sorgen um die Stabilität der Finanzinstitute unnötig.

Diese ausdrückliche Entwarnung kommt nicht von ungefähr. Mit der Verschärfung der Corona-Krise ist in den vergangenen Tagen die Angst gewachsen, dass demnächst auch Banken in Schieflage geraten könnten. Der Mechanismus ist relativ einfach: Unternehmen gehen wegen Einnahme-Einbrüchen pleite. Sie können ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Eine Ansteckung der Finanzbranche könnte die Folge sein. Notleidende Banken können dann keine neuen Kredite mehr vergeben, der Abwärtsstrudel der Wirtschaft würde sich beschleunigen.

Doch Felix Hufeld, Präsident der Bankenaufsicht Bafin, kann kein „systemisches Risiko“ erkennen. Und auch Ossig sieht die Finanzwirtschaft nicht als Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung. Es gebe weder eine Finanz-, noch eine Bankenkrise. So wie damals 2009 und in den folgenden Jahren. Tatsächlich verfügen die Banken dank verschärfter Regeln über erheblich höhere Finanzpuffer in Form von Eigenkapital als noch vor einigen Jahren. Wegen der Corona-Krise haben die europäischen und deutschen Finanzaufseher den Banken zudem bereits Regel-Erleichterungen in Bezug auf ihr Eigenkapital zugestanden, um ihnen mehr Spielraum für die Kreditvergabe zu geben.

Firmen und Freiberufler können ab sofort KfW-Kredite beantraagen

Ossig betonte am Mittwoch, nun komme es auf eine schnelle Umsetzung der Hilfsprogramme der Bundesregierung an. Die staatliche Förderbank KfW teilte am Mittwoch mit, dass Mittel für die erste Phase des Pakets ab sofort zur Verfügung stehen. Unternehmen, Freiberufler und Selbstständige können die Darlehen über ihre Hausbank beantragen. Vorschläge der Kreditwirtschaft zur Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens seien dabei weitgehend übernommen worden, so KfW-Chef Günther Bräunig.

Dem Bankenverband reicht das aber nicht. Denn die KfW-Programme erreichten nicht alle Kunden, und da gehe es auch nur um neue Kredite. Die Banken müssten aber auch, so Ossig, in die Lage versetzt werden, bestehende Darlehen zu stunden, zu restrukturieren oder zu erweitern. Mit staatlicher Unterstützung. Außerdem wünscht sich der BdB weitere Erleichterungen: Etwa bei der Bestimmung, dass schon bei einer um 30 Tage verspäteten Zahlung von Kreditzinsen die Institute mehr Geld als Risikovorsorge zur Seite legen müssen.

Und auch an die Notenbank richtet der BdB eine Forderung. Die Bank-Manager verärgert, dass sie Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie kurzfristig überschüssige Liquidität bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Hier müsse es eine „umfassende Freistellung“ von diesen Zahlungen geben. Die EZB will mit den Negativ-Zinsen Banken ermutigen, Geld nicht zu horten, sondern unter die Leute zu bringen. Allerdings reichen viele Institute zumindest einen Teil dieser Strafzinsen an ihre Kunden weiter - in Form von „Verwahrentgelten“ auf Sparguthaben oder durch höhere Gebühren.

Mehr Freiräume können insbesondere die hiesigen Branchengrößen Deutsche Bank und Commerzbank gut gebrauchen. Sie hatten schon in den zurückliegenden Jahren - trotz gut laufender Konjunktur - massive Probleme, überhaupt Geld zu verdienen.

Dass das Vertrauen in die Stabilität der Geldhäuser derzeit nicht allzu groß ist, zeigt auch ein Blick an die Börse: Im vergangenen Monat hat die Aktie der Deutschen Bank angesichts der Corona-Krise fat 50 Prozent ihres Werts eingebüßt, die der Commerzbank mehr als 60 Prozent - wobei die Banken mit diesen gravierenden Verlusten natürlich nicht alleine dastehen.

Nicht wenige Sparer sorgen sich allerdings um ihr bei den Banken geparktes Geld. Klar ist dabei allerdings: Guthaben bis 100 000 Euro je Kunde und je Institut sind durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Wer mehr Geld hat, könnte das vorsorglich auf mehrere Banken verteilen.

Als besonders heikel für Europa gilt die Lage der italienischen Banken. Deren Kapitalpolster waren schon vor der Corona-Krise häufig ziemlich dünn. Hinzu kommt, dass sie schon jetzt erheblich mehr Kredite mit sich herumschleppen, bei denen Zahlungsausfälle drohen. Schon kursieren Mutmaßungen, dass von Italien eine Finanzkrise ausgehen und dann auf die gesamte Euro-Zone überspringen könnte. Vom Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde bereits angeregt, eine finanzielle „Brandmauer“ um das Land zu ziehen, um die Gefahr eines Flächenbrandes zu lindern.

Nun hat sich für alle Banken in Europa und auch für viele Fondsgesellschaften die Lage in den vergangenen Tagen noch einmal durch die Geschehnisse am Anleihemarkt verschärft. Die Kurse für Unternehmensanleihen sind eingebrochen, weil viele Finanzprofis aus Furcht vor Zahlungsausfällen verkauft haben. Auch Banken halten solche festverzinslichen Wertpapiere in großen Mengen. Deren Werte müssen in den Büchern jetzt nach unten korrigiert werden, was die Institute schwächt.

Wie massiv dies letztlich durchschlägt, wird entscheidend davon abhängen, wie sich die Pandemie in Europa entwickeln wird. Deutsche-Bank-Ökonom Schneider ist da einigermaßen optimistisch. Er rechnet mit einer Abflachung der Infektionen im zweiten Quartal. Daraus leitet er eine konjunkturelle Entwicklung in Form eines „V“ ab. Also mit einer relativ starken Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Für das Gesamtjahr erwartet er für Deutschland ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt von vier bis fünf Prozent. Im Krisenjahr 2009 waren es sogar mehr als fünf Prozent gewesen.

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