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Energiekrise: In Frankreich wird der Strom knapp

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Von: Joachim Wille

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Der Eiffelturm illuminiert: Frankreich muss Strom bei seinen Nachbarn zukaufen.
Der Eiffelturm illuminiert: Frankreich muss Strom bei seinen Nachbarn zukaufen. © picture alliance/dpa/MAXPPP

Fast die Hälfte der Atomreaktoren im Land müssen gewartet werden. Ein renommierter AKW-Experte warnt vor einer „absolut kritischen“ Situation, sollte der Winter kalt werden.

Frankfurt am Main – Frankreichs Atomwirtschaft kommt nicht aus der Krise. Laut dem nationalen Stromnetzbetreiber RTE besteht im bevorstehenden Winter eine gesteigerte Gefahr von Versorgungsengpässen, weil sich die Wartung und Reparatur etlicher AKW in die Länge ziehe. Die Menge an verfügbarem Atomstrom werde von Mitte Dezember bis Mitte Februar deutlich unter den Prognosen liegen, teilte RTE mit. Dessen Chef, Xavier Piechaczyk, hatte vorher in einem Interview gesagt, man sei „in einer Situation besonderer Wachsamkeit“. Es bestehe die Gefahr, dass es in den Regionen zu tagelangen Stromausfällen kommen könne.

In Frankreich, dem Land mit dem weltweit höchsten Atomstrom-Anteil, sind derzeit von 56 Atomreaktoren nur 29 mit voller Leistung und drei weitere im Teillastbetrieb am Netz. Die Gründe: Wartungsarbeiten, die länger dauern als geplant, sowie Reparaturen an Notkühlsystemen zweier AKW-Typen, in denen Risse festgestellt wurden. Im September hatte das Energieministerium in Paris noch mitgeteilt, der AKW-Betreiber Electricité de France (EDF) habe sich verpflichtet, „alle Reaktoren bis zum Winter wieder in Betrieb zu nehmen“. Diese Ansage ist offensichtlich Makulatur – obwohl EDF inzwischen sogar Dutzende Schweißer mit Spezialausbildung aus den USA eingeflogen hat, um die Reparaturen an den sicherheitsrelevanten Kühlleitungen schneller abschließen zu können.

Ein Drittel der Gebäude in Frankreich werden elektrisch beheizt

Kritisch ist die Lage im Nachbarland, weil dort rund ein Drittel der Gebäude elektrisch beheizt wird. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur 2,6 Prozent. Zuletzt profitierte EDF davon, dass die Witterung zwischen Anfang Oktober und Anfang November relativ mild war und der Stromverbrauch auch wegen niedriger Industrieproduktion knapp sieben Prozent unter dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre lag. Schon ein normaler Winter könnte das Stromsystem überlasten, von einem kalten Winter ganz zu schweigen.

Die Atomstromproduktion in Frankreich sinkt wegen der alternden Reaktorflotte bereits seit einigen Jahren. Der historische Höchstwert wurde 2005 mit 430 Terawattstunden (TWh) erreicht, 2021 waren es nur noch 360. In diesem Jahr wird nun mit prognostizierten 275 TWh ein neues Tief erreicht. Frankreich hat sich deswegen vom Stromexport- zum Stromimportland entwickelt, das Elektrizität unter anderem aus Deutschland einführen muss. Die Bundesregierung hat die Laufzeitverlängerungen für die drei derzeit noch am Netz befindlichen AKW unter anderem mit der Krise auf dem französischen Strommarkt begründet. Auch Gaskraftwerke laufen deswegen häufiger.

Der renommierte AKW-Experte Mycle Schneider warnte unterdessen davor, dass die Situation in Frankreich bei einem kalten Winter „absolut kritisch“ werden könne. Schneider glaubt nicht, dass die Probleme der Atombranche mit einer Reparatur der betroffenen Notkühlsysteme behoben seien. Das Grundproblem sei ein „degradierter“ Kraftwerkspark und ein strikter Sparkurs des Betreibers, wegen dem unter anderem Ersatzteile und Personal fehlten. Die Risse seien „nur obendrauf“ gekommen.

Französische Haushalte, Unternehmen und lokale Verwaltungen sind aufgefordert, Strom zu sparen

Der Weiterbetrieb der französischen Atommeiler gehe zunehmend auf Kosten der Sicherheit, befürchtet Schneider, der Herausgeber des jährlichen „World Nuclear Industry Status Report“ ist und in Frankreich lebt. Als Beispiel führt er die Absicht des EDF-Konzerns an, das nahe der deutschen Grenze stehende AKW Cattenom trotz auch dort festgestellter Risse schnell wieder hochzufahren und die Schäden erst bei einer turnusmäßigen Abschaltung 2023 zu reparieren. Die Atom-Aufsichtsbehörde in Paris habe allerdings eine sofortige Reparatur vorgeschrieben. Der Meiler könne deswegen frühestens Ende Februar in Betrieb gehen.

Um im herannahenden Winter Stromausfälle zu vermeiden, hat die Regierung in Paris Haushalte, Unternehmen und lokale Regierungen aufgefordert, Energie zu sparen. Erwartet der Netzbetreiber RTE konkret eine Stromknappheit, wird er drei Tage im Voraus einen Alarm ausrufen, mit dem die Kunden angehalten werden, den Verbrauch zu reduzieren. So sollen die für den Notfall vorgesehenen rotierenden Stromabschaltungen vermieden werden. (Joachim Wille)

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